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EM: Herrmann kann sich 10.000 Fans bei Spielen in München vorstellen

Hoffnung auf ein Ja von der UEFA, aber keine Garantien

Innenminister Herrmann kann sich 10.000 Fans bei Spielen in München vorstellen

Werden EM-Spiele in der Allianz Arena in München stattfinden?

Werden EM-Spiele in der Allianz Arena in München stattfinden? imago images

Die Gespräche laufen, die Zeit drängt. Bis zum Montag erwartet die UEFA Antworten. Klar scheint: Sind in München im Juni tatsächlich keine Fans erlaubt, werden dort auch keine Spiele stattfinden. DFB-Präsident Fritz Keller äußerte sich am Dienstag zuversichtlich, dass es so weit nicht kommen wird, er forderte aber auch von der Politik eine Zusage für die Zulassung von Zuschauern. "Wir brauchen einfach die Garantie oder zumindest die Möglichkeit, dass wir mit 20 Prozent Zuschauern hinkommen, wenn die Pandemielage das erlaubt", sagte er im ZDF. Er erwarte "eine Zusage von der bayerischen Landesregierung" und dann auch von der UEFA.

Wir hoffen sehr, dass die Spiele in München stattfinden können.

Joachim Herrmann

Der kicker sprach mit Joachim Herrmann, dem in Bayern für den Sport zuständigen Innenminister. "Wir hoffen sehr, dass die Spiele in München stattfinden können", betonte er und fügte hinzu: "Ich habe auch die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass wir wenigstens ein paar Zuschauer wieder reinlassen können."

Ministerpräsident Markus Söder klang Tage zuvor in dieser Frage noch weniger optimistisch, sein CSU-Kollege Herrmann aber wirbt um ein Ja für Fans: "Es ist ja ein Riesen-Stadion. Wenn wir zum Beispiel nur jeden siebten Platz besetzen würden, würden sich 10.000 Menschen dort versammeln, was stimmungsmäßig ein großer Gewinn gegenüber einem völlig leeren Stadion wäre."

Herrmann: "Versprechen können wir nichts"

Garantien wiederum will auch Herrmann nicht aussprechen: "Es ist seriös von der Landeshauptstadt München, dass sie der UEFA nichts versprechen kann, weil es einfach von der Infektionssituation im Juni abhängt, was erlaubt sein wird und was nicht. Versprechen können wir nichts. Wir sind aber auch weiter als 2020, zum Beispiel durch die Impfungen. Es ist nicht mehr unvorstellbar, Zuschauer reinzulassen, die geimpft oder negativ getestet sind. Das werden bis zum Juni Millionen sein, also muss ich über eine Rückkehr von Zuschauern nachdenken dürfen."

Der kicker sprach auch mit Rainer Koch, dem Präsidenten des Bayerischen Fußballverbandes und DFB-Vizepräsidenten. Er erklärt: "Ich habe stets betont: Gesundheitsschutz first, etwas Anderes kommt nicht infrage! Es geht aber darum, die Zielsetzung der UEFA zu unterstützen, auf die Zulassung von Fans bei den Spielen aktiv und offensiv hinzuarbeiten. Niemand bei der UEFA verlangt 100 Prozent. Der Orientierungswert liegt bei 25 Prozent Zuschauern im Stadion."

Wir werden alles versuchen, damit wir nächste Woche von der UEFA durch die Tür gelassen werden.

Rainer Koch

Die wird München vermutlich nicht einhalten, Koch hofft trotzdem auf Verständnis: "Wir werden alles versuchen, damit wir nächste Woche von der UEFA durch die Tür gelassen werden und die EM auch in München stattfinden kann. Schon mit nur wenigen auf Abstand im Stadion platzierten und getesteten oder bereits geimpften Zuschauern sind Fußballspiele etwas ganz Anderes als derzeit mit dieser trostlosen und tristen Atmosphäre in den Stadien."

Dass der europäische Verband nicht vor leeren Rängen spielen möchte, versteht er: "Es geht hier weniger ums Geld, als darum, dieses Turnier trotz Pandemie so gut es geht als echtes Fußballhighlight zu organisieren. Mit Fans geht das einfach besser. Das muss auch für München unser Ziel sein. Niemand ist Hellseher, aber deutlich erhöhte Impfzahlen, bessere Testsysteme und das wärmere Klima im Juni stimmen mich durchaus hoffnungsfroh. Deshalb müssen wir jetzt trotz aller derzeit bestehenden Unwägbarkeiten die notwendigen Schritte für eine Zulassung einer begrenzten Zahl an Zuschauern einleiten, es gibt für die Arena ja eine Vielzahl an erarbeiteten Konzepten der Experten aus allen Bereichen für ganz unterschiedliche Szenarien."

Koch: "Die UEFA möchte München unbedingt dabeihaben"

Und wenn die Zahlen bis zum Juni doch weiter hoch sind? "Wenn es natürlich, was keiner hofft, gar zu einer vierten oder fünften Welle kommt, werden am Ende nicht nur wir, sondern auch die anderen Länder vermutlich keine Fans in die Stadien lassen können", erklärt Koch, "die Regierungen entscheiden das ganz alleine. Das weiß und das respektiert die UEFA. Die UEFA möchte München unbedingt dabeihaben. Ich hoffe, dass Bundesregierung und bayerische Staatsregierung in den nächsten Tagen an die UEFA entsprechende Botschaften senden, die deutlich machen, dass sie der Pandemiebekämpfung natürlich oberste Priorität einräumen, gleichwohl aber eine Teilzulassung von Zuschauern im Stadion für möglich halten und darauf hinarbeiten, genau wie das z.B. die Niederlande für den Spielort Amsterdam erklärt haben."

Frank Linkesch, Bernd Salamon