Amateure

Inka Grings: "Mein Vorbild war immer Steffi Graf"

Die Torjägerkanone™ für alle

Inka Grings: "Mein Vorbild war immer Steffi Graf"

Große Entschlossenheit: Inka Grings hat mit ihrer Torgefahr im Trikot des FCR 2001 Duisburg die Frauen-Bundesliga entscheidende geprägt.

Große Entschlossenheit: Inka Grings hat mit ihrer Torgefahr im Trikot des FCR 2001 Duisburg die Frauen-Bundesliga entscheidende geprägt. imago sportfotodienst

Die Torjägerkanone™ für alle

Seit 1969 verleiht der kicker die Torjägerkanone an den erfolgreichsten Bundesliga-Torschützen. Seit 2004 gibt es sie auch für die Frauen. Jetzt vergeben wir eine ähnliche Trophäe auch im Amateurbereich. Den aktuellen Stand bis zur 11. Liga finden Sie unter diesem Link. In unserer Interview-Serie sprechen legendäre Torschützenkönig*innen über ihre bemerkenswerte Karriere. Heute: Inka Grings.

Bei welchem Verein haben Sie angefangen zu kicken?

Das war beim TSV Eller 04 in Düsseldorf. Ich habe dort mit sechs Jahren bei den Jungs angefangen Fußball zu spielen. Damals war ich das einzige Mädchen in der Mannschaft. Aber das war mir egal. Bis ich zwölf Jahre alt war, habe ich bei den Jungs gespielt.

Waren Sie schon als Kind eine Torjägerin?

Ja, ich war schon immer eine Torjägerin. Einmal musste ich aber auch im Tor spielen. Ich war krank, wollte aber das Spiel auf gar keinen Fall verpassen und habe meine Mutter so lange genervt, bis sie zugestimmt hat, dass ich zumindest im Tor spielen darf. Toreschießen konnte ich aber immer am besten. Ich fand es vorne immer schöner als hinten (lacht).

Ich fand sie als Sportlerin und Persönlichkeit immer toll, und habe großen Respekt vor ihren Leistungen.

Inka Grings über Steffi Graf

Hatten Sie ein Vorbild?

Ja, aber abseits des Fußballs. Mein Vorbild war immer Steffi Graf. Ich fand sie als Sportlerin und Persönlichkeit immer toll, und habe großen Respekt vor ihren Leistungen. Ich habe mit meinem Bruder früher auch gerne Tennis und Tischtennis gespielt.

Welches war Ihr wichtigstes Tor?

Das war mein erstes Tor im DFB-Pokal-Finale 1998 mit dem FCR Duisburg gegen den 1. FFC Frankfurt. Am Ende haben wir 6:2 gewonnen und ich habe drei Tore geschossen. Wichtig war auch mein 38. Saisontor in der Spielzeit 1999/2000, weil es bis heute Rekord ist in der Bundesliga.

Wer war Ihre beste Mitspielerin?

Da gab es zwei: Jolanta Nieczypor und Maren Meinert. Mit Jolanta habe ich in Duisburg zusammen gekickt. Sie war polnische Nationalspielerin. Wir haben auf dem Platz wahnsinnig gut harmoniert. Sie hat mich geprägt und ist außerdem ein toller Mensch. Und mit Maren Meinert habe ich mich auf dem Platz immer blind verstanden.

Wer war Ihre beste Gegenspielerin?

Das war Claudia Mandrysch - obwohl wir damals in Duisburg zusammengespielt haben. Sie war für mich die kompletteste Abwehrspielerin ihrer Zeit: körperbetont und sehr hart im Zweikampf. Mir hat das in meiner Entwicklung sehr geholfen.

Welche gegnerische Torhüterin war die beste?

Nadine Angerer und Kathrin Lehmann. Vor Kathrin hatte ich immer großen Respekt. Sie war sehr lautstark und hatte eine enorme Präsenz auf dem Platz. Sie war übrigens auch Eishockey-Nationalspielerin in der Schweiz - da war sie aber Stürmerin. Und "Natze" hatte ein sehr gutes Reaktionsvermögen sowie eine sehr gute Technik in der Luft. Sie hat noch Bälle rausgeholt, die ich schon im Tor gesehen habe (lacht). Mein Kontakt zu ihr ist leider etwas verloren gegangen.

Was war Ihre Stärke?

Ich hatte einen sehr ausgeprägten Torinstinkt, eine gute Dynamik sowie gute physische Voraussetzungen für den Fußball. Hinzu kamen eine große Entschlossenheit und Siegeswillen.

Was Ihre Schwäche?

Ich hatte keine (lacht)! Meine Schwäche war mein linker Fuß. Im Laufe meiner Karriere wurde das aber besser.

Sie war eine fantastische Stürmerin! Hatte viele Facetten, war schnell und konnte ein Spiel lesen und wusste, wo sie stehen musste.

Inka Grings über Mia Hamm

Wer ist die beste Torjägerin aller Zeiten, wer der beste Torjäger?

Die Amerikanerin Mia Hamm. Sie war eine fantastische Stürmerin! Hatte viele Facetten, war schnell und konnte ein Spiel lesen und wusste, wo sie stehen musste. Bei den Männern sehe ich Robert Lewandowski vorne, weil er so konstant ist und einen tollen Torinstinkt hat. Ich sehe ihn vor allen anderen. Er ist ein Vollblutstürmer!

Welchem Amateurklub sind Sie noch verbunden?

Meinem ersten Klub, dem TSV Eller 04, und dem Garather SV, ebenfalls ein Verein aus Düsseldorf, bei dem ich in der Jugend gespielt habe, bevor ich nach Duisburg wechselte.

Kicken Sie gelegentlich noch?

Eher wenig. Ich spiele mehr Tennis. Aber wenn es die Zeit erlaubt, kicke ich auch gerne mal. Körperlich habe ich zum Glück keine Probleme.

Wo stehen Ihre Torjägerkanonen?

Meine Torjägerkanonen stehen alle bei meiner Mutter in Düsseldorf in der Vitrine und werden dort regelmäßig abgestaubt.

Inka Grings

Zweite Karriere: Inka Grings ist derzeit Trainerin bei den Frauen des FC Zürich. imago/Eduard Bopp

Inka Grings spielte von 1995 bis 2011 für den FCR Duisburg, mit dem sie 2000 den Meistertitel holte. Nicht weniger als siebenmal landete sie mit ihrem Team auf Rang 2. Für Duisburg bestritt sie 271 Bundesligaspiele, in denen sie 353 Tore erzielte. Keine traf bislang häufiger. Gleich sechsmal war sie erfolgreichste Angreiferin der Saison und hält mit 38 Treffern in der Runde 1999/2000 noch immer den Rekord. Dreimal errang sie mit Duisburg den DFB-Pokal. Mit dem FC Zürich wurde sie zweimal Meisterin und Cupsiegerin. In 96 Länderspielen traf sie 64-mal. Im Nationaldress wurde Inka Grings zweimal Europameisterin (2005 und 2009) und erfolgreichste Torschützin. Bei Olympia 2000 in Sydney errang sie mit dem deutschen Team die Bronzemedaille. Nach einigen Trainerstationen, auch bei Männer-Teams, ist Inka Grings aktuell beim Frauenteam des FC Zürich tätig.

Interview: Gunnar Meggers

Die Schönheit der Bolzplätze