Int. Fußball

Infantino gegen europäische "Superliga"

FIFA-Boss kann sich eine WM 2022 ohne Fans nicht vorstellen

Infantino gegen europäische "Superliga"

Weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück und spricht sich gegen eine europäische Superliga aus: FIFA-Boss Gianni Infantino.

Weist die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück und spricht sich gegen eine europäische Superliga aus: FIFA-Boss Gianni Infantino. picture alliance

Gerüchte um die Gründung eines von den internationalen Verbänden unabhängigen europäischen Klub-Wettbewerbs gibt es immer wieder. Erst jüngst wurden diese durch Medienberichte aus England erneut geschürt. Demnach sollen englische Top-Vereine die Einführung einer "European Premier League" aus 18 europäischen Topklubs planen. Solchen Ideen erteilte FIFA-Boss Gianni Infantino einmal mehr am Donnerstag eine Abfuhr: "Es geht mir nicht um Bayern gegen Liverpool, sondern um Bayern gegen Boca Juniors aus Buenos Aires", sagte der Schweizer dem Medienunternehmen "CH Media". Als Chef des Weltverbands interessiere ihn "die Klub-WM, nicht die Superliga". Sein Ziel sei es, "dass künftig auch Klubs von außerhalb Europas globale Strahlkraft haben".

Klub-WM bereits mit 24 Mannschaften

Unter der Regie Infantinos wurde die Klub-WM bereits reformiert. Aber der übernächsten Ausgabe wird diese erstmals mit 24 Mannschaften ausgetragen. Eigentlich sollte die Premiere im kommenden Sommer stattfinden, doch wegen der EURO 2020, die wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben werden musste, musste dieser Termin abgesagt werden. Ein neuer steht bisher noch nicht fest.

Infantino legt sich fest: "Die WM wird mit Zuschauern gespielt"

Fest steht bereits, dass die WM 2022, erstmals ist eine Weltmeisterschaft im Winter geplant (21. November bis 18. Dezember). Eine WM ohne Zuschauer hält Infantino für ausgeschlossen. "Die WM wird mit Zuschauern gespielt. Falls dieses Vorhaben wider Erwarten nicht realisierbar sein sollte, wird die Frage, ob man trotzdem eine WM spielen soll, wohl überflüssig sein", sagte der 50-Jährige. In dem Fall "hätten wir alle größere Probleme."

Infantino ist sich aber sicher, dass die Weltgemeinschaft die Corona-Pandemie bis zum Winter 2021/22 eingedämmt haben wird. "Katar wird stattfinden. Wir haben genug Zeit, um diese Pandemie in den Griff zu bekommen", sagte er. Momentan bedrohe die Krise den Fußball aber in seiner Existenz. "Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wurde der Fußballbetrieb auf der ganzen Welt eingestellt", sagte Infantino. "Insbesondere für jene Länder, die auf Zuschauereinnahmen angewiesen sind, ist die Situation sehr schwierig."

Infantino weist Vorwürfe der Schweizer Behörden zurück: "Rufschädigende Spekulationen" und "fertiger Blödsinn!"

Schwierig ist auch die Situation für Infantino, der sich Vorwürfen der Schweizer Behörden ausgesetzt sieht. Diese ermitteln gegen ihn wegen dreier Treffen mit dem ehemaligen Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber sowie einem Oberstaatsanwalt. Die Treffen fanden ausgerechnet während der Zeit statt, als die Schweizer Bundesanwaltschaft gegen die FIFA wegen Korruption ermittelte. Bei den damaligen Ermittlungen ging es unter anderem um die Vergaben der Fußball-WM 2018 an Russland und 2022 an Katar.

"Wir wehren uns gegen rufschädigende Spekulationen auf der Basis eines Vorwurfs, den niemand kennt", sagte Infantino. Mit den Treffen habe er lediglich seine Pflicht wahrgenommen und seine Bereitschaft zur Kooperation darlegen wollen. Dass die Treffen mit Lauber seltsamerweise nicht protokolliert wurden, sei für ihn kein Problem gewesen: "Mir ging es ja nicht um Formalien."

Zudem gibt es auch Vorwürfe gegen Infantino aus seiner Zeit als UEFA-Generalsekretär, die die Schweizer Justiz beschäftigen. Dabei geht es um angeblich illegale TV-Verträge. "Das ist fertiger Blödsinn!", sagte Infantino. "Ich weiß nicht, wer mich mit dieser Unterstellung anschwärzen wollte, aber daran stimmt hinten und vorne nichts. Dieser UEFA-Vertrag (...) wurde von der Bundesanwaltschaft gründlich untersucht und für mich als absolut problemlos erachtet."

jer