Bundesliga

Bayern München: Josip Stanisics Tor ärgert Tuchel doppelt

Leverkusens Verteidiger wollte Bayern-Format beweisen

"In England gibt es eine schöne Regel": Stanisics Tor ärgert Tuchel doppelt

Bloß nicht jubeln: Josip Stanisic (2. v. re.) im Mix aus Emotionen.

Bloß nicht jubeln: Josip Stanisic (2. v. re.) im Mix aus Emotionen. IMAGO/Nordphoto

Könnte man einen "Nichtjubel" professionalisieren, würde man Josip Stanisic attestieren, es geschafft zu haben. Als er gerade das so wichtige und am Ende vorentscheidende 1:0 im Top-Spiel für Bayer 04 Leverkusen gegen Bayern München geschossen hatte, hob er derart offensiv entschuldigend die Hände, dass es geradezu auffiel. So als würde der Rechtsverteidiger unter keinen Umständen auch nur irgendjemanden beim Gegner ärgern wollen.

"Natürlich war es ein komisches Tor", sagte Stanisic später bei Sky: "Auch wenn man sich freut, tut es einem auch leid." Schließlich ist der kroatische Nationalspieler nur bis Sommer von ebenjenem FC Bayern ausgeliehen.

Donnerstag erfuhr Stanisic, dass er spielen würde

Ob er in diesem Spiel beweisen habe wollen, dass er Bayern-Format habe? "Ja, das kann man schon so sagen", gab Stanisic offen zu. "Es war nicht die ganze Zeit in meinem Kopf. Aber man weiß ja, wenn man ausgeliehen wird, dass man vielleicht glaubt, dass man nicht das Zeug dazu hat. Und ich wollte mir selbst beweisen, dass ich das Zeug dazu habe."

Zumal der 23-Jährige zuvor im Saisonverlauf noch nicht wirklich zeigen konnte, was in ihm steckt. Im Dezember bekundete er seine Enttäuschung über zu wenig Startelfeinsätze ganz offen. Umso größer die Genugtuung nach seiner überraschenden Nominierung, von der er laut eigener Aussage am Donnerstag erfahren hatte, - und dem noch überraschenderen Tor.

Tuchel ist für Sperre in Partien gegen Stammklub

"Für mich ist jedes Tor komisch, weil ich nicht viele Tore schieße", sagte er lachend. "Wir dürfen jetzt ein bisschen feiern, weil es ein großer Sieg gegen einen sehr guten Gegner war." Sicher profitierte Stanisic auch von Xabi Alonsos Systemumstellung auf eine Viererkette, in der etwa Jeremie Frimpong eine zu offensive Besetzung gegen die Bayern gewesen wäre.

Der Trainer dieses "sehr guten" Gegners wiederum war verständlicherweise nicht glücklich darüber, dass ausgerechnet Stanisic, bis August sechseinhalb Jahre lang an der Säbener Straße ausgebildet, entscheidend in die Partie eingriff. "Da gibt es in England so eine schöne Regel: Wenn du Spieler ausleihst, können die nicht gegen dich spielen", sagte Thomas Tuchel auf der Pressekonferenz danach.

"Ich glaube, dass das am meisten Sinn macht. Ich habe es zu oft erlebt, dass dann ausgerechnet der Spieler daran beteiligt ist", erklärte er weiter. "Die Regel gibt es in Deutschland leider nicht. Deswegen sind wir diejenigen, die heute darunter leiden."

pab

Bilder zur Partie Bayer 04 Leverkusen gegen FC Bayern München