Bundesliga

Image beschädigt: Was Bobic von Seifert lernen könnte

Kommentierende Analyse

Image beschädigt: Was Bobic von Seifert lernen könnte

Verlässt er Eintracht Frankfurt nach fünf Jahren? Fredi Bobic.

Verlässt er Eintracht Frankfurt nach fünf Jahren? Fredi Bobic. Getty Images

Fredi Bobic ist sauer, sehr sogar. "Die Vorgehensweise halte ich für extrem bedenklich und respektlos", zürnt der Frankfurter Sportvorstand und legt nach: "Dass innerhalb kürzester Zeit Informationen nach außen geflossen sind, sicherlich nicht aus Frankfurt, ist sehr ärgerlich, unprofessionell und respektlos."

Gesagt hat er das nicht heute, sondern am 13. April 2018, als durchgesickert war, dass der damalige Eintracht-Trainer Niko Kovac von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch machen würde, um zum FC Bayern zu wechseln. Der Adressat seiner scharfen Worte: die Bosse der Münchner.

Diesmal ist es Bobic, der keine gute Figur abgibt

Drei Jahre später spielt sich ein vergleichbares Schauspiel ab, doch diesmal ist es Bobic, der keine gute Figur abgibt - und schweigt. Via "Sky" wurde am Montagabend verbreitet, dass der 49-Jährige seinen bis zum 30. Juni 2023 datierten Vertrag nicht erfüllen und die Eintracht verlassen will. Schon am 1. Februar hatte er in einem Interview bei "Sky" herumgedruckst, als er nach seinen Zukunftsplänen gefragt wurde. "Ich bin sehr glücklich mit dem, was ich hier mache. Aber ich weiß nicht, was die Zukunft bringt. Das habe ich immer gesagt", erklärte Bobic - und sagte damit eigentlich nichts.

Anfragen des kicker ließ er in den vergangenen Wochen unbeantwortet. Dabei pfiffen es die Spatzen längst von den Dächern: Der frühere "Sky"-Manager Carsten Schmidt, seit Dezember 2020 Vorsitzender der Geschäftsführung bei Hertha BSC, würde Bobic am liebsten nach Berlin lotsen. Offenbar will Frankfurts Sportvorstand, dessen Frau in Berlin lebt, diesem Lockruf folgen.

Intern ist die Verärgerung über den gesamten Vorgang gewaltig

Der Aufsichtsratsvorsitzende Philip Holzer äußerte sich am Montagabend über einen Vereinssprecher lediglich vage: "Fredi Bobic hat bei Eintracht Frankfurt einen Vertrag bis 2023. Wir befinden uns mit ihm in Gesprächen über die zukünftige Ausrichtung der bislang sehr erfolgreichen Zusammenarbeit." Eine offizielle Bestätigung gibt es also noch nicht. Klar ist aber: Wäre die Meldung unzutreffend, hätte der Klub sie umgehend dementiert. Aufsichtsratsboss Holzer, sein Vorgänger Wolfgang Steubing und Bobics Vorstandskollege Axel Hellmann wollten sich am Dienstagvormittag auf kicker-Anfrage nicht zur Causa Bobic äußern.

Intern ist die Verärgerung über den gesamten Vorgang jedoch gewaltig, denn für die Eintracht kommt der Wirbel rund um Bobic zur Unzeit. Sportlich ist die Chance groß, sich in dieser Saison erstmals überhaupt für die Champions League zu qualifizieren. Parallel muss die neue Saison geplant werden. Deshalb sollten Bobic und die Eintracht nun alles daransetzen, schnellstmöglich für Klarheit zu sorgen.

Der Name Spycher fiel schnell - doch das muss noch nichts heißen

Dabei steht der Klub auch vor der Frage: Macht es Sinn, die Spielzeit mit Bobic zu beenden? Oder wäre es für alle Beteiligten besser, sofort einen Schlussstrich zu ziehen, sobald sich die Klubs auf eine Ablöse geeinigt haben? Nicht minder herausfordernd ist die Frage nach einem geeigneten Nachfolger.

Schnell fiel medial der Name des früheren Eintracht-Kapitäns Christoph Spycher, der bei Young Boys Bern seit Jahren exzellente Arbeit verrichtet und dort gemeinsam mit Trainer Adi Hütter 2018 die erste Meisterschaft nach 32 Jahren feierte. Doch nur, weil das eine naheliegende Lösung wäre, heißt das noch lange nicht, dass es so kommt. Ob Spycher im Fall der Fälle überhaupt Interesse an einer Rückkehr zur SGE hätte, ist völlig offen.

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Dass Bobic am Ende doch in Frankfurt bleibt, ist zwar nicht gänzlich auszuschließen, erscheint zur Stunde aber sehr unwahrscheinlich. Seit 2016 sitzt der frühere Nationalspieler und Europameister von 1996 bei der Eintracht am Steuer. Vom Fast-Absteiger führte der die Eintracht zweimal in die Europa League und zweimal ins DFB-Pokal-Finale - mit der Krönung 2018, als die Eintracht mit dem Pokalsieg gegen die Bayern den ersten Titel nach 30 Jahren gewann.

Wie es anders geht, zeigte unlängst DFL-Boss Seifert

In dieser Zeit erwarb er sich den Ruf als einer der besten Manager der Liga. Dieses Image erhält nun einige Kratzer. Denn einen Top-Manager zeichnet auch eines aus: Verlässlichkeit. Diese lässt Bobic vermissen, mitten in der Corona-Krise stößt er die Eintracht vor den Kopf. Offenbar informierte er nicht mal seinen wichtigsten Angestellten, Trainer Adi Hütter, der am Sonntag bei "Sky90" noch sagte: "Ich gehe davon aus, dass Fredi auch weiterhin in Frankfurt ist. Das wäre nicht nur für mich, sondern auch für den gesamten Verein sehr wichtig. Er macht hier unglaublich tolle Arbeit."

Wie es anders geht, zeigte unlängst Christian Seifert. Mit Weitblick kündigte der DFL-Boss im vergangenen Oktober an, seinen bis zum 30. Juni 2022 datierten Vertrag nicht zu verlängern. Damit gibt er der DFL die Möglichkeit, seine Nachfolge in aller Ruhe vorzubereiten. "Dies sind anspruchsvolle Zeiten, die danach verlangen, Klarheit und Verlässlichkeit zu schaffen", sagte Seifert.

Sollte Bobic gehen, muss in Frankfurt keine Panik ausbrechen

Bobic wählt einen anderen Weg. Dass er seinen im August 2018 bis 2023 verlängerten Vertrag nicht erfüllen möchte, wirft auch allgemein kein gutes Licht auf die Fußballbranche, in der ein Vertrag oft nicht das Papier wert ist, auf dem er geschrieben steht. Anders als seinerzeit Kovac besitzt Bobic nicht mal eine Ausstiegsklausel.

Sollte der Sportvorstand tatsächlich von Bord gehen, muss in Frankfurt allerdings keine Panik ausbrechen. Der Klub ist mit den beiden Vorständen Axel Hellmann (Marketing) und Oliver Frankenbach (Finanzen) sowie dem früheren Goldman-Sachs-Vorstand Holzer an der Spitze des Aufsichtsrats sehr gut aufgestellt, um die Eintracht durch diese schwierigen Zeiten zu lenken und für den sportlichen Bereich einen neuen Steuermann zu finden. Mit Ben Manga bleibt der Eintracht voraussichtlich außerdem ein wichtiger Mitarbeiter erhalten. Der Bobic-Vertraute und langjährige Chefscout soll zeitnah einen verbesserten Vertrag unterschreiben. Und Erfolgstrainer Hütter hatte bereits am Sonntag bekräftigt: "Ich bleibe." Für Schwarzmalerei gibt es deshalb keinen Grund.

Julian Franzke

kicker.tv Trainerstimme

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