EM

Im Ungarn-Trikot seiner Stärken beraubt: Sallai in der Analyse

Der Freiburger im Daten-Check

Im Ungarn-Trikot seiner Stärken beraubt: Sallai in der Analyse

Will mit Ungarn auch Deutschland ärgern: Roland Sallai.

Will mit Ungarn auch Deutschland ärgern: Roland Sallai. imago images

Roland Sallai hat seine beste Saison beim SC Freiburg hinter sich, seit er 2018 von APOEL Nikosia kam. Mit acht Toren und sieben Vorlagen in 28 Spielen war er 2020/21 zweitbester Scorer der Breisgauer.

Auch bei der EM ist er einer der auffälligsten Akteure seiner Mannschaft. Außenseiter Ungarn waren nur minimale Chancen aufs Weiterkommen zugeteilt worden, doch vor dem letzten Spieltag der Gruppenphase und dem Gastspiel bei der DFB-Auswahl in München (Mittwoch, 21 Uhr, LIVE! bei kicker) lebt der Traum noch. Auch Sallai trägt seinen Teil dazu bei, obwohl er bei weitem nicht so präsent agieren kann wie in Freiburg.

Nur Pogba wird ebenso oft gefoult wie Sallai

Zunächst das Offensichtliche: Sallai spielt in der Nationalmannschaft in einer Doppelspitze mit Adam Szalai und damit viel offensiver als unter Christian Streich. Trainer Marco Rossi benötigt zwar die Offensivqualitäten von Sallai, dennoch lässt er Ungarn sehr defensiv spielen und nimmt den Freiburger fast komplett aus dem Spiel. Der Catenaccio des italienischen Trainers ist eigentlich kontraproduktiv für den jungen Offensivspieler, der viel kämpft und läuft, aber zu wenig Unterstützung aus dem Mittelfeld erhält.

Sallai muss sich zurückfallen lassen, um überhaupt Ballaktionen zu sammeln. Und auch der Gegner trägt seinen Teil dazu bei, dass Sallai nur schwer ins Spiel kommt. Achtmal wurde er in den ersten beiden EM-Spielen gefoult, nur Frankreichs Paul Pogba ebenso oft, kein Spieler häufiger.

Abschlüsse ja, Torgefahr nein

Doch obwohl Sallai zu wenig Unterstützung in der Offensive bekommt, ist er einer der Aktivposten. 40 Prozent der ungarischen Abschlüsse gab der 24-Jährige ab. Im Vergleich zur jüngsten Bundesliga-Saison kommt er auch öfter zu Abschlüssen. Ein Blick auf die Schusspositionen verrät jedoch, dass diese häufig auf Verzweiflung und weniger auf bis in den Strafraum herausgespielten Situationen beruhen.

Sallais Abschlüsse im Vergleich: links für Freiburg, rechts für Ungarn.

Sallais Abschlüsse im Vergleich: links für Freiburg, rechts für Ungarn. StatsBomb

In Freiburg dagegen ist das offensive Spiel so ausgelegt, dass sich Sallai in gute Positionen bringen kann, bevor er abschließt. Nur 27,5 Prozent seiner Bundesliga-Abschlüsse kommen von außerhalb des Strafraums. Im ungarischen Trikot ist es umgekehrt - hier gibt er 25 Prozent seiner ungeblockten Schüsse im Strafraum ab. Dieser Mangel an Torgefahr zeigt sich auch in der "Expected Goals"-Statistik. In Freiburg sind Sallais Abschlüsse im Schnitt fast drei Mal gefährlicher als im Nationaldress (13,2 vs. 4,5 Prozent Torwahrscheinlichkeit).

Passgeber ohne Chance auf Pässe

Sallai scheint die letzte Stelle vor einem Abschluss zu sein. Dabei wird ihm ein weiterer Vorteil genommen: der Pass ins letzte Drittel. In Freiburg spielt er - meist rechts außen im 4-4-2 oder 3-4-3 aufgestellt - im Schnitt 5,5 Pässe pro Spiel in diesem Bereich, baut Angriffe gern mit auf und ist eine gute Anspielposition in der Offensive (sieben BL-Assists).

Doch für Ungarn, im Sturmzentrum, kann er dieses Spiel nicht auf den Platz bringen. Im Schnitt spielte er in den zwei bisherigen EM-Begegnungen nur drei Pässe im letzten Drittel vor dem gegnerischen Tor, darunter kein Pass in den Strafraum. Als Stürmer hat er nicht die Position, um vor ihm agierende Mitspieler mit entscheidenden Pässen in Szene zu setzen.

Ungarn schafft es also nicht, einen seiner gefährlichsten Offensivspieler richtig einzusetzen. Durch eine defensive Grundstruktur kommen Sallais Qualitäten kaum zur Geltung, er kann sich nicht richtig ins Spiel einbringen. Wenn es jedoch gefährlich wird bei den Ungarn, ist zumeist Sallai daran beteiligt. Das bislang einzige Tor der Ungarn bereitete er vor.

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