Bundesliga

Eintracht Frankfurt - Sows harter Kampf um Einsätze im Mittelfeld

Sows harter Kampf um Einsätze im Mittelfeld

"Ich würde mich sehr schwertun, die Eintracht zu verlassen"

Möchte sich durchbeißen in Frankfurt: Djibril Sow.

Möchte sich durchbeißen in Frankfurt: Djibril Sow. imago images

Die Erwartungen waren groß, als Sow im Sommer 2019 für die vereinsinterne Rekordablöse von zehn Millionen Euro an den Main wechselte. Gemeinsam mit Adi Hütter hatte er 2018 mit den Young Boys Bern die Schweizer Meisterschaft gewonnen, anschließend sammelte er in der Champions League gegen Hochkaräter wie Juventus Turin oder Manchester United Erfahrungen. Sow, so schien es, war nun endlich bereit für den Schritt in die Bundesliga, nachdem er sich bei seinem ersten Anlauf in Gladbach (2015-17) nicht durchsetzen konnte. "Wenn man sich den Verein Eintracht Frankfurt anguckt, war das ein logischer und guter Schritt. Ich hatte auch andere Möglichkeiten, da wäre der Schritt aber zu groß gewesen, größer als in Frankfurt", sagte Sow am Mittwoch im Rahmen einer Video-Medienrunde. Obwohl er sich kurz nach seinem Wechsel einen Sehnenanriss zuzog und mehrere Monate ausfiel, kam er 2019/20 wettbewerbsübergreifend in 40 Partien zum Einsatz. Einen Stammplatz hatte der schnelle und laufstarke Mittelfeldspieler indes nur phasenweise, zu schwankend waren seine Leistungen. Nach zahlreichen Spielen über 90 Minuten verlor er nach dem Re-Start im Mai seinen Platz im Team und kam meist nur noch als Joker zum Zug. "Der Start nach der Corona-Pause war nicht gut, dann fehlte auch das Selbstvertrauen und ich fiel in ein Loch", erinnert sich Sow.

Sow: "Nach jedem Wochenende, an dem man nicht spielt, kommt der Frust"

Mit den Einsatzzeiten gestaltet es sich diese Saison ein ganzes Stückchen schwieriger für den Schweizer Nationalspieler. In der 3-5-2-Grundordnung ist die Position des Achters an Sebastian Rode vergeben. Nach auskurierter Sehnenreizung wird der 30-Jährige im kommenden Auswärtsspiel bei Union Berlin voraussichtlich in die erste Elf zurückkehren. Sows und auch Dominik Kohrs Problem ist, dass Hütter in dieser Spielzeit einen klaren Sechser neben Rode präferiert. Der Coach wies in den vergangenen Wochen mehrmals darauf hin, dass Stefan Ilsanker der einzige gelernte Sechser im Kader ist. Den Österreicher sieht der Trainer als wichtige Absicherung zwischen Abwehr und Mittelfeld. Nach einigen schwachen Auftritten schien Ilsankers Platz zu wackeln, gegen Leipzig avancierte der Routinier aber zum besten Frankfurter Feldspieler. Es ist daher kaum anzunehmen, dass Hütter seinen kampfstarken Landsmann plötzlich wieder auf die Bank setzt. "Letzte Saison waren wir nicht so sehr auf Ilse als Sechser fixiert. Für uns ist es jetzt schwieriger geworden, auf Einsatzzeiten zu kommen. Aber wir müssen es dem Trainer so schwer wie möglich machen. Die Möglichkeit ist immer noch da, dass zwei Achter nebeneinander spielen. Wir sind nicht nur offensiv orientiert, sondern haben auch unsere Qualitäten im Defensivbereich", erläutert Sow. Mit der Situation geht er professionell um, räumt aber ein, dass es frustrierende Momente gibt: "Nach jedem Wochenende, an dem man nicht spielt, kommt der Frust. Aber man muss sich schnell wieder aufraffen. Durch den Frust habe ich mich angespornt, mehr zu arbeiten. Man kann im Training viel machen, wenn man nicht spielt, darauf habe ich den Fokus gelegt."

Nationalmannschaft gibt Kraft und Selbstvertrauen

Weit mehr als ein Trostpflaster sind die regelmäßigen Auftritte in der Schweizer Nationalmannschaft, sie geben ihm neue Kraft und Selbstvertrauen. In allen sieben Länderspielen, die seit September stattfanden, kam er zum Einsatz. Fünfmal durfte er an der Seite von Kapitän Granit Xhaka in der Startelf ran. Sow schwärmt: "Granit ist ein Leader in unserer Mannschaft, er coacht viel, auch mich. Das hilft mir natürlich sehr." Ob es Sow gelingt, sich in dieser Saison in Frankfurt durchzusetzen, ist kaum vorherzusehen. An Potenzial mangelt es ihm nicht, er muss es aber konstant abrufen und Fehler minimieren. Zum Teil ist das auch Kopfsache. An einen möglichen Abschied verschwendet er jedenfalls (noch) keinen Gedanken. "Ich fühle mich sehr wohl in der Mannschaft", sagt Sow und betont: "Das ist ein richtig geiler Verein mit viel Potenzial. Ich würde mich sehr schwertun, die Eintracht zu verlassen, weil das wirklich ein Top-Verein ist, auch für einen jungen Spieler." Er versucht stets, das Positive zu sehen und an der Herausforderung zu wachsen. "Diese Phase kann mich nur stärker machen. Wenn ich da herauskomme, bin ich umso stolzer, diese Etappe gemeistert zu haben", findet Sow. Auch Fredi Bobic glaubt weiterhin an den hochveranlagten, dynamischen Box-to-box-Spieler. Vor einigen Wochen sagte der Sportvorstand im Gespräch mit dem kicker: "Djibril wird auch bei der Eintracht noch zeigen, was er draufhat. Er ist immer noch ein Spieler, bei dem wir sicher sind, dass er sich in die richtige Richtung entwickelt und bei uns den nächsten Schritt machen wird."

Julian Franzke

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