Bundesliga

"Ich will noch mehr Risiko gehen"

Leverkusen: Interview mit Keeper Bernd Leno

"Ich will noch mehr Risiko gehen"

"34 Gegentore wären eine Superleistung": Bernd Leno.

"34 Gegentore wären eine Superleistung": Bernd Leno. imago

kicker: Von vielen Stürmern wissen wir, dass sie sich vor der Saison eine bestimmte Anzahl von Toren zum Ziel setzen. Ist dies bei Torhütern auch so, nur andersrum?

Bernd Leno: Auf jeden Fall. Ich habe im ersten Jahr 44 Gegentore kassiert, im zweiten waren es dann 39 und jetzt ist es mein Ziel, das noch zu unterbieten.

Trainersteckbrief Hyypiä
Hyypiä

Hyypiä Sami

Spielersteckbrief Leno
Leno

Leno Bernd

Bayer 04 Leverkusen - Vereinsdaten
Bayer 04 Leverkusen

Gründungsdatum

01.07.1904

Vereinsfarben

Rot-Weiß-Schwarz

kicker: Konkret?

Leno: Ein Tor pro Spiel im Schnitt, also 34 Gegentore, das wäre eine Superleistung.

kicker: Ist die geringere Anzahl an Gegentreffern Ausdruck einer Entwicklung oder Zufall?

Leno: Das beschreibt eine Entwicklung von mir und der gesamten Mannschaft. Wir haben in der vergangenen Saison besser verteidigt, nicht mehr so vogelwild gespielt. Von den 39 Gegentoren waren noch sieben Elfmeter. Das war insgesamt okay und wir hatten nicht aus Zufall die zweitbeste Abwehr.

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kicker: Sie spielen jetzt Ihr drittes Profijahr. Hat der Job sich in dieser Zeit verändert? Sind die Ansprüche höher geworden?

Leno: Vor allen Dingen die Ansprüche, die man an sich selbst stellt. Ich will mich weiterentwickeln, mein Spiel immer offensiver gestalten, mir mehr zutrauen, mehr Risiko eingehen. Diesen Anspruch musst du haben, wenn du dich weiterentwickeln willst. Und das will ich!

kicker: Gibt es Angst vor dem Risiko?

Leno: Nein, die gibt es nicht. Aber man muss es kalkulieren. Es darf nichts anbrennen. Harakiri kann sich kein Torwart erlauben.

kicker: Mit dem 28-jährigen David Thiel haben Sie den jüngsten Torwarttrainer der Liga, mit dem 39-jährigen Andres Palop den ältesten Kollegen. Wie bewegt man sich zwischen diesen Polen?

Leno: Das sind Zahlen. Andres ist mit Kopf und Körper jünger als 39. Das merkt man immer, wenn wir beide im Spanisch-Deutsch-Kauderwelsch flachsen. Da haben wir alle richtig Spaß zusammen.

kicker: Wie gut ist Ihr Spanisch? Sie wollten mal Nachfolger von Iker Casillas werden ...

Leno: Das ist mehr so ein Alibi-Spanisch. Un, dos, tres, Amigo! Ich werde jetzt ein bisschen von ihm lernen und bringe Andres im Gegenzug dafür Deutsch bei.

kicker: Hat Sie die Verpflichtung von Andres Palop überrascht? So einen erwartet man ja nicht unbedingt in der Bundesliga.

Leno: Wenn ich ehrlich bin, schon. Er ist ja schon ein bisschen älter als der Schnitt. Aber er ist total in Ordnung. Was bei Michael Rensing genauso war. Der war immer fair, das wird bei Andres genauso sein. Ich kann von ihnen lernen, sie pushen mich im Training. Das tut meiner Entwicklung gut.

kicker: Haben Sie die U-21-EM und das schlimme Hollandspiel abgehakt?

Leno: Für mich ist das abgehakt. Es war ein schwarzer Tag. Ich sah bei allen drei Toren blöd aus. Auch wenn ich ein paar positive Aktionen hatte. Ich habe die Fehler analysiert und weiß, dass es solche Tage eben gibt.

kicker: Ihnen wird nachgesagt, Sie hätten ein starkes Fehlermanagement. Wie sieht das aus?

Leno: Ich versuche, das Positive rauszuziehen. Wenn ich bei einer Ecke auf der Linie kleben bleibe oder einen Ball nach vorne klatschen lassen, dann versuche ich, das bei der nächsten Situation anders, besser zu machen. Also rauszukommen, die Ecke abzufangen, den Ball zur Seite abzulenken. Ich lasse mich von einem Fehler nicht runterziehen, ich will lernen. Bisher ist mir das ganz gut gelungen. Aber das schützt nicht vor schwarzen Tagen. Die hat jeder.

kicker: Ihr ehemaliger Trainer Marco Langner hat mal über Sie gesagt: "Der pinkelt Eiswürfel!" Ein Kompliment?

Leno: Klar! Er hat damit gemeint, dass er mich total cool einschätzt, dass ich hinten drinstehe wie ein Eisblock. Das ist ein Kompliment.

kicker: Welche Erwartungen haben Sie an die Champions League?

Leno: Ach, das ist ein Traum, ein Highlight, das will ich genießen. So lange wie möglich. Es ist etwas ganz Großes gegen die Top-Teams zu spielen. Chelsea, Barcelona - das ist Weltklasse und eine super Belohnung für eine Top-Saison für uns und den Verein. Wir freuen uns alle auf die Hymne und darauf, uns mit den Großen messen zu können.

kicker: Unvergessen ist das 1:7 in Barcelona. Hat Bayer etwas gutzumachen?

Leno: Das war heftig. Aber etwas gut zu machen? Nein! Es gab andere Teams, die da untergegangen sind.

kicker: Könnte das erneut passieren? Oder ist das Team gewachsen?

Leno: Ja, auf jeden Fall. Wir haben eine bessere Mannschaft heute und ich denke, wir können dieses Jahr eine bessere Rolle in der Champions League spielen.

kicker: Was ist in der Bundesliga möglich? Werden die Bayern wieder marschieren?

Leno: Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass sie das Rennen machen werden. Wir schauen auf uns und dürfen uns nicht davon beeinflussen lassen, was geschrieben oder nicht geschrieben wird. Wir wollen wieder eine Top-Saison spielen. Vielleicht muss, damit wir mehr Beachtung bekommen, auch mal was Großes am Ende herausspringen. Zum Beispiel ein Top-Team schlagen und in der Champions League weit kommen.

kicker: Bayer hat die beiden letzten Champions-League-Sieger in der Saison des Triumphes bezwungen, sowohl Chelsea als auch die Bayern. Fehlt dem Team die Konstanz, um oben mitzuhalten? Oder wisst ihr gar nicht, wie gut ihr seid?

Leno: Wir wissen schon, was wir können. Aber wir konnten es bisher nicht konstant abrufen. Das glich immer mehr einer Berg-und Talfahrt. Gegen Chelsea gewinnen und dann in der Liga nachlegen - das ist die Kunst.

kicker: Wie gehen Sie mit dem Thema Nationalmannschaft um? Ist die Hierarchie durch Manuel Neuer und René Adler auf Ihrer Position auf Jahre zementiert?

Leno: Schwer zu sagen. Im Fußball geht es schnell. Das hat sich ja bei René Adler gezeigt. Manuel Neuer und er haben den Platz jetzt gefestigt. Langfristig ist die Nationalmannschaft das Ziel. Ich mache mir da keine Sorgen. Ich bin 21 und habe Zeit. Nein, ich habe keine Angst, dass ich die Nationalmannschaft nicht schaffe.

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