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"Ich war halt ziemlich schnell": Harald Schmid wird 65

Ehemaliger Hürden-Star hält immer noch den Rekord

"Ich war halt ziemlich schnell": Harald Schmid wird 65

Heute sind die Hürden erschreckend hoch: Harald Schmid ist 65.

Heute sind die Hürden erschreckend hoch: Harald Schmid ist 65. picture alliance / Arne Dedert/dpa

Auch Harald Schmid ist es ein Rätsel, warum sein deutscher Rekord über 400 Meter Hürden in 47,48 Sekunden nach 40 Jahren noch ihm gehört. "Was soll ich dazu sagen? Ich war damals halt ziemlich schnell", sagte der fünfmalige Europameister, der am Donnerstag seinen 65. Geburtstag feiert, der dpa. "Und vielleicht hat sich noch kein Talent dazu bereiterklärt, das zu ändern." Im vergangenen Jahr war der Sindelfinger Constantin Preis in 48,60 Sekunden dem Uralt-Rekord von Schmid zuletzt mal wieder etwas näher gekommen.

Der in Gelnhausen lebende Hesse ist für den nationalen Verbandschef Jürgen Kessing eine der "großen Legenden der Leichtathletik in Deutschland", ein "Aushängeschild par excellence". Den Status des Außergewöhnlichen und des Titanen der Stadionrunde hat Schmid nicht nur wegen der Siege und Medaillen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften, sondern auch wegen der vielen Niederlagen gegen seinen US-Dauerbezwinger Edwin Moses.

Einziger Erfolg gegen Moses in Brrlin

Beim Istaf in Berlin am 26. August 1977 gelang dem Deutschen sein einziger Erfolg gegen den Olympiasieger, der danach bis 1987 122 Rennen in Serie gewann. "Die Zeiten weiß man nicht mehr. Im Gedächtnis geblieben sind die Duelle und die Emotionen, die durch Zweikämpfe hervorgerufen werden", meinte Schmid. Außerdem habe Moses seine Erfolgsserie auch mit Cleverness so lange halten können. "Edwin hat seine Serie geschickt aufrechterhalten. Wenn es mal nicht lief, startete er einfach nicht", erzählte er vor Jahren süffisant.

Harald Schmid (BR Deutschland, li.) und Edwin Moses (USA) vor dem Start in Los Angeles 1984

Harald Schmid (li.) und Edwin Moses (USA) vor dem Start in Los Angeles 1984. picture alliance / Arne Dedert/dpa

Dass der US-Rivale ihm den Weg zu Gold bei Olympia und den WM-Titelkämpfen versperrte, empfindet er nicht als großes Pech. "Ja, das wäre vielleicht das I-Tüpfelchen gewesen", sagte er, "aber es hat nicht geschadet, es nicht geschafft zu haben." Immerhin holte er 1976 bei den Spielen in Montreal als 18-Jähriger mit der Staffel- und 1984 in Los Angeles als Solist Olympia-Bronze sowie zweimal Silber und einmal Bronze bei den Weltmeisterschaften 1983 in Helsinki und 1987 in Rom.

Die Sternstunde von Turin

Abgesehen vom Kräftemessen mit dem überlegenen Moses und den fünf EM-Titelgewinnen im Einzel und mit der Staffel von 1978, 1982 und 1986 brachte Schmid eine Sternstunde beim Europacup 1979 in Turin große Popularität und die Wahl zum "Sportler des Jahres" ein.

In 47,85 Sekunden rannte er erst Europarekord über 400 Meter Hürden, ehe er eine Stunde später auch auf der flachen Stadionrunde in 45,31 Sekunden triumphierte. "Ich wurde gebraucht und war einfach gut in Form", sagte Schmid, der nach dem phänomenalen Double als "Stoffwechselwunder" galt.

Dass der norwegische Weltrekordler Karsten Warholm erst bei den Europameisterschaften im August in München Schmids EM-Rekord von 1982 in Athen (47,48) in 47,12 Sekunden unterbieten konnte, zeigt, was für ein lange währendes Erbe er im Hürdenlauf hinterlassen hat.

Autodidakt ohne Trainingsschema

Dabei war Schmid ein Autodidakt, der sich in kein Trainingsschema pressen ließ. Diese ausgeprägte Individualität war auch der Grund, warum er keinen Funktionärsjob im Deutschen Leichtathletik-Verband übernehmen wollte. "Ich war gewohnt, meinen eigenen Weg zu suchen", sagte Schmid. "Wenn ich etwas mache, will ich es mit Hingabe machen und keine Kompromisse eingehen. Das hätte nicht zu mir gepasst."

Ebenso wenig wollte er nach der Karriere als Ehrengast auf der Tribüne von Leichtathletik-Wettkämpfen sitzen. "Ich kann mir nicht vorstellen, am Laufbahnrand zu sitzen und nur zu gucken. Da gehe ich lieber joggen", sagte der zwölfmalige deutsche Meister. Über die 91,44 Zentimeter hohen Hürden springt Schmid aber nicht mehr: "Die sind nun erschreckend hoch."

dpa, kon

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