Champions League

"Ich hoffe, wir sind jetzt wach"

Schalke: Interview mit Kevin Kuranyi

"Ich hoffe, wir sind jetzt wach"

Kevin Kuranyi

Weckruf durch Wolfsburg? Kevin Kuranyi hadert mit sich beim 1:2 gegen den VfL. dpa

Herr Kuranyi, am Freitagabend verließen Sie wortlos die Arena. Für Sie völlig atypisch.

Kevin Kuranyi: Ja, aber diese Niederlage hat mich einfach angekotzt. Wir waren so nah dran, in der Tabelle richtig Druck zu machen. Stattdessen patzen wir mal wieder gegen einen Gegner, den man zu Hause schlagen sollte, wenn man die Champions-League-Plätze als Ziel hat - und das auch noch nach einer eigenen 1:0-Führung.

War die Euphorie nach dem starken Rückrundenstart womöglich doch schon wieder zu groß?

Kuranyi: Es war ja klar, dass nach dem Sieg in Dortmund von außen gleich wieder das Thema Meisterschaft aufkam. Wir wurden schon gefragt, ob wir dasselbe schaffen könnten wie letztes Jahr Stuttgart. Das ist Schwachsinn. Wir sind noch sehr, sehr weit davon entfernt, der VfB zu sein. Trotzdem haben wir uns vielleicht nach zwei Siegen schon blenden lassen. Das war viel zu früh. So eine Euphorie darf meinetwegen nach sechs, sieben Siegen am Stück aufkommen.

Hat sich die Mannschaft also - womöglich unterschwellig - davon beeinflussen lassen?

Kuranyi: Ich kann nur betonen: Wir müssen uns alle gemeinsam aufs Wesentliche konzentrieren. Aber vielleicht hat die Enttäuschung jetzt auch etwas Gutes.

Nämlich?

Kuranyi: Dass wir vor Porto auf den Boden zurückgeholt wurden. Ich hoffe, wir sind jetzt richtig wach.

Was war gegen Wolfsburg?

Kuranyi: Wir waren nicht total konzentriert. So als ob wir dachten: Wir sind ja besser, es läuft schon.

Bei einer 1:0-Führung zu Hause ausgekontert zu werden spricht auch für fehlende Klasse.

Kuranyi: Wir haben das als Mannschaft einfach sehr schlecht gemacht. Das ist eben der Unterschied zu einem Team, das wirklich um die Meisterschaft mitspielen kann. Wir sind eine gute Mannschaft, aber noch keine große.

Ich war sehr von mir enttäuscht.

Kevin Kuranyi

Wird Schalke das noch?

Kuranyi: Wir haben die Qualität und sind auf einem guten Weg. Aber wir müssen aus Fehlern lernen. Und jetzt müssen wir die Wut in Motivation und Konzentration umsetzen, um gegen Porto zu bestehen.

Wie wütend waren Sie nach dem Wolfsburg-Spiel auf sich persönlich?

Kuranyi: Ich war von mir sehr enttäuscht. Es soll keine Ausrede sein, aber man merkte noch, dass es erst mein drittes Spiel nach der Lungenentzündung war, das erste über 90 Minuten. Kräftemäßig fühle ich mich gut, aber die letzte Sicherheit im Abschluss hat gefehlt.

Hatten Sie vor Ihrem Fehlpass Richtung Peter Lövenkrands die berühmten zwei Gedanken im Kopf: schießen oder abspielen?

Kuranyi: Nein. Es war sofort klar, dass ich abgebe, weil Peter viel besser postiert war. Aber ich hätte direkt spielen müssen. Ich weiß, dass Peter dieses Tor sehr gut getan hätte. Deshalb ist diese Szene für uns beide sehr, sehr bitter.

Interview: Thiemo Müller