Bundesliga

Ibisevic: Selbst auf der Bank ist er stark

Hoffenheim: Rangnick lobt den Torjäger

Ibisevic: Selbst auf der Bank ist er stark

Hoffenheims Torjäger Vedad Ibisevic

Hat einen Lauf: Hoffenheims Torjäger Vedad Ibisevic. imago

So wie vor dem Spiel gegen Aachen, seinen Ex-Klub, für den er 2006/07 in 24 Bundesligaspielen sechs Tore erzielte. Nur dass er im Spiel nicht ansatzweise daran anknüpfen konnte. Zu verkrampft, zu hektisch, zu kompliziert ging er zu Werke. "Vedad ist dann gut, wenn er relativ einfach spielt und nicht versucht, etwas Besonderes zu machen", erläutert Rangnick.

Der achtmalige bosnische Nationalspieler, verantwortlich für vier der fünf Hoffenheimer Pflichtspieltreffer, mag seinem Coach nicht widersprechen. "Wenn ich spielen durfte, wollte ich einfach zu viel", resümiert Ibisevic, "ich habe meine Ruhe verloren, mein Spiel."

Nach dem Aufstieg in die Zweite Liga im Jahr 2007 hatte Rangnick den Angreifer nach Hoffenheim gelockt, versüßt mit einem für Zweitligaverhältnisse horrenden Jahressalär von knapp einer Million Euro. Er brauchte einen kopfballstarken, zentralen Stürmer, der nicht nur auf Bälle lauert, sondern auch auf die Flügel ausweicht. Nach missglücktem Saisonstart verpflichtete Hoffenheim mit Demba Ba (23) und Chinedu Obasi (22) zwei hochveranlagte Angreifer. Fortan saß Ibisevic auf der Bank. "Ich hatte nicht erwartet, so früh so starke Konkurrenz zu bekommen. Das war schwer für mich und ich war schon enttäuscht", verrät Ibisevic, "aber der Fußball ist halt so."

Umso mehr erstaunte Rangnick, wie "außergewöhnlich sich Vedad daraufhin verhalten hat. Er empfing beide Spieler mit offenen Armen, half insbesondere Demba Ba sehr viel und war ein ganz wichtiger Integrationsfaktor. Das hat ihm die Mannschaft hoch angerechnet, er genießt ein hohes Ansehen, auch wegen seines altruistischen Verhaltens." Eine Erklärung für dieses selbstlose, ans Wohl der Gemeinschaft gerichtete Tun erklärt sich aus der Vita des 1,89 Meter großen Stürmers, der mit seinen Eltern und der Schwester vor dem Balkankrieg in die USA floh, dort studierte und 2004 nach Frankreich wechselte, zu Paris St.Germain, das ihn jedoch nach einem halben Jahr zum Zweitligisten Dijon weiterleitete. "In Frankreich und auch in Aachen hätte ich gerne jemanden gehabt, der mir bei der Eingewöhnung hilft", sagt Ibisevic, "deshalb ist das für mich selbstverständlich."

Dass Hoffenheim über die Verpflichtung eines fünften Stürmers (Derdiyok) nachdenkt, "möchte ich nicht kommentieren. Ich bin trotz der Konkurrenz hier geblieben, weil ich zeigen will, dass ich in die Bundesliga gehöre", erklärt Ibisevic. "Momentan läuft es so gut, weil ich mir wenig Gedanken über andere mache und die Ruhe behalte. So soll es bleiben." Ähnlich zurückhaltend äußert sich der Torjäger auch auf die Frage nach den Saisonzielen. "Von uns kann man alles erwarten", sagt Ibisevic, "im Positiven wie im Negativen. Mit Aachen hatten wir am 27. Spieltag 33 Punkte und sind noch abgestiegen."

Uwe Röser