Bundesliga

Adi Hütter: "Wir wünschen uns alle, dass Luka Jovic noch explodiert"

Frankfurts Trainer hat die Qual der Wahl in der Offensive

Hütter: "Wir wünschen uns alle, dass Jovic noch mal explodiert"

Erfolgsduo im Saisonfinale? Eintracht-Coach Adi Hütter (li.) hofft auf Torjäger Luka Jovic.

Erfolgsduo im Saisonfinale? Eintracht-Coach Adi Hütter (li.) hofft auf Torjäger Luka Jovic. imago images

Ausgerechnet Mainz. Gegen den kleinen Nachbarn verlor Frankfurt unter Trainer Adi Hütter die beiden bisherigen Duelle im Waldstadion mit 0:2. Saisonübergreifend 17 Heimspiele sind die Hessen mittlerweile ungeschlagen, die letzte Niederlage am 6. Juni 2020 kassierten sie gegen wen? Genau, ausgerechnet gegen Mainz. Auch in der Saison 2018/19 spielte der FSV eine unheilvolle Rolle, damals ging es für die Eintracht ebenfalls um die Champions League, als sie am vorletzten Spieltag im Nachbarschaftsduell den Kürzeren zog.

Drei Spieltage vor Schluss hatte die SGE seinerzeit sogar drei Punkte Vorsprung auf Platz 5, rutschte durch drei Niederlagen im Saisonfinale aber noch auf den siebten Rang ab. "Die Ausgangsposition ist jetzt eine andere, weil wir damals 14 internationale Spiele hatten und uns das sehr unglückliche Ausscheiden im Elfmeterschießen in London gegen Chelsea psychisch einen Knacks gegeben hat", erinnert sich Hütter. "Jetzt haben wir nicht so viele Spiele, deswegen bin ich sehr zuversichtlich, dass wir die letzten drei Runden so gestalten, dass wir das ganz große Ziel erreichen."

Der Schlüssel zur Königsklasse liegt angesichts des machbaren Restprogramms (Mainz, Schalke, Freiburg) im mentalen Bereich. Ruft die Mannschaft das in ihr schlummernde Potenzial vollständig ab, spielt sie ab September höchstwahrscheinlich in der Champions League. "Wichtig ist, dass wir uns vertrauen. Wir haben eine Mannschaft, die viel Erfahrung mitbringt und die Situation von der Qualität, aber auch vom Kopf her bestehen kann", glaubt Hütter. Er rät allerdings dazu, sich "nicht zu viel in die Sache hineinzusteigern", sonst könne "der Schuss eher nach hinten losgehen".

Hütter über Mainz: "Das ist ein unglaublicher Punkteschnitt"

Es wird darauf ankommen, bei aller Anspannung und Fokussierung auch mit der nötigen Lockerheit und (Spiel-)Freude aufzulaufen. Und Mainz nicht zu unterschätzen. "Bo Svensson hat es in relativ kurzer Zeit geschafft, seine Spielidee so zu implementieren, dass die Mannschaft sehr überzeugend spielt. 28 Punkte nach 14 Rückrundenspielen - das ist ein unglaublicher Punkteschnitt", zollt Hütter dem kommenden Gegner seinen Respekt und führt aus: "Sie spielen schnell nach vorne, attackieren gut, schalten unglaublich schnell um, sind bissig-aggressiv in den Zweikämpfen, haben eine hohe Laufbereitschaft und sind unangenehm zu bespielen. Das hat sehr viel mit unserer Art und Weise zu tun. Deswegen wird es sicher ein sehr gutes Derby mit Rasse und Klasse."

Personell kann der Coach nahezu aus dem Vollen schöpfen, lediglich Evan Ndicka (10. Gelbe Karte) muss ersetzt werden. Für ihn rückt wohl Martin Hinteregger auf die Position links in der Dreierabwehrkette. Zentral kommt entweder Makoto Hasebe oder Stefan Ilsanker zum Zug. Weiter vorne stellt sich die Frage, ob Hütter auf zwei Spitzen oder zwei Zehner setzt. Anders ausgedrückt: Er muss sich zwischen dem zuletzt angeschlagenen Zehner Amin Younes (kleine Schambeinentzündung) und Stürmer Luka Jovic entscheiden.

Jovic? "Er braucht seine Mitspieler, damit er brillieren kann"

"Amin ist gut zurückgekommen, wirkt gut und gesund. Ob es für einen Einsatz genügt, werde ich sicherlich nicht an dieser Stelle sagen", meint Hütter lapidar. Mehr scheint er sich von Jovic zu versprechen: "Wir wünschen uns alle und hoffen, dass Luka in den letzten drei Spielen noch mal explodiert. Ich habe immer wieder betont, dass er uns hoffentlich zum Schluss helfen kann. Er trainiert einfach gut, aber er braucht immer auch seine Mitspieler, damit er brillieren kann."

Seit Jovic im Januar für ein halbes Jahr auf Leihbasis von Real Madrid zurückgeholt wurde, erzielte er erst vier Treffer, drei davon in den ersten drei Einsätzen. Die fehlende Spielpraxis der vorangegangenen eineinhalb Jahre in Madrid merkt man ihm an, auch wenn seine Qualitäten beim Abschluss noch immer das Prädikat Weltklasse verdienen. Schießt er die Eintracht auf den letzten Metern in die Champions League, verlässt er Frankfurt trotz einiger Durststrecken auf dem roten Teppich.

Julian Franzke

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