Bundesliga

Hünemeiers Heimtraining mit Gedanken an Rooney und Neuer

Paderborn: "Manchmal fluche ich ein bisschen"

Hünemeiers Heimtraining mit Gedanken an Rooney und Neuer

Uwe Hünemeier

Sieht sich "ziemlich gut im Saft": Paderborns Routinier Uwe Hünemeier. imago images

An jenem Freitag, dem 13. März, war er einer der ersten, der klar und deutlich die Dimensionen der aktuellen Krise schilderte. Selbst von einem grippalen Infekt betroffen (und negativ auf Corona getestet), erlebte Hünemeier da mit, wie zunächst sein Trainer Steffen Baumgart mit ähnlichen Symptomen zu kämpfen hatte und schließlich Team-Gefährte Luca Kilian tatsächlich vom Virus erwischt wurde. "Es ist nicht der Zeitpunkt, um noch Zeit zu verlieren!!", twitterte der Paderborner Routinier an diesem Tag, an dem abends zunächst noch das Spiel des SCP bei Fortuna Düsseldorf auf dem Spielplan stand. "Priorität hat einzig und allein die Gesundheit aller." Die Partie wurde bekanntlich wenige Stunden vor dem Anpfiff abgesagt - wie alle anderen ebenfalls. "Es lag mir am Herzen, das musste jetzt raus", sagt Hünemeier heute zu seiner eindringlichen Botschaft in den sozialen Medien. "Ich hatte das Gefühl, ich muss ein Zeichen senden. Das kannst du den Jungs jetzt nicht mehr zumuten. Jeder beschäftigt sich nur noch mit dem, was in der Welt passiert, und nicht mehr mit diesem Fußballspiel, das vielleicht abends stattfinden sollte."

Im Video-Chat mit dem Streamingdienst "DAZN" erzählt der 34-Jährige darüber hinaus unter anderem von seinem aktuellen Tagesablauf, nachdem auch er, wie die übrigen Paderborner Profis, zwar die häusliche Quarantäne hinter sich hat, sich aber weiterhin mit Training im eigenen Haus und Garten sowie in der Umgebung allein fithalten muss. "Mir geht es gut. Ich kann nicht klagen, bin ziemlich gut im Saft. Wir trainieren ordentlich zu Hause, soweit das möglich ist. Natürlich fehlt der Ball, aber ich konnte meine Läufe draußen absolvieren." SCP-Fitnesstrainer Felix Sunkel hat die Pläne dazu ausgearbeitet. "Manchmal fluche ich ein bisschen, habe unserem Fitnesstrainer auch eine Nachricht zukommen lassen", berichtet Hünemeier augenzwinkernd über die geforderte Intensität. "Er kann darüber nur müde schmunzeln..."

Beim Training in den eigenen vier Wänden schweifen die Gedanken ab und zu zurück in die eigene Karriere. Zum Beispiel zu den 17 Minuten in der Premier League, die der Verteidiger einst am 15. Oktober 2017 mit seinem Klub Brighton & Hove Albion erlebte. Daheim gegen den FC Everton hatte er es mit keinem Geringeren als Wayne Rooney als Gegenspieler zu tun. "Im Nachhinein blicke ich mit Freude zurück. Ich habe ein Premier-League-Spiel gehabt, gegen Wayne Rooney, die Legende in England der letzten Jahre." Dass ausgerechnet dieser Rooney damals in der Schlussminute zum 1:1 traf, war nicht die Schuld Hünemeiers, fiel der Ausgleich doch per Elfmeter. Nicht verursacht von dem Deutschen, den die Fans auf der Insel mit einem eigenen Song verehrten: "He`s the German, the mighty German, it's Uwe Hünemeier" (nach der Melodie von "The Lion Sleeps Tonight).

Eine besondere textile Erinnerung besitzt Hünemeier daheim auch: Das Shirt von Bayern-Keeper Manuel Neuer, der beim großen Rivalen von Hünemeiers Ex-Klub Dortmund, beim FC Schalke, groß wurde. "Wir sind beide 86-er Jahrgang. In der ersten Bundesligasaison, als wir in München gespielt haben, haben wir die Trikots getauscht."

Michael Richter