2. Bundesliga

HSV: Zu viele Probleme, zu wenig Lösungen

Sportliche Schieflage: Den Hamburgern fehlt es aktuell an allem

HSV: Zu viele Probleme, zu wenig Lösungen

HSV-Coach Tim Walter schaut etwas ungläubig ob der Leistung seiner Profis.

HSV-Coach Tim Walter schaut etwas ungläubig ob der Leistung seiner Profis. IMAGO/Eibner

Der große Aufstiegs-Favorit hat beim 0:1 gegen Hansa Rostock offenbart, dass die sportlichen Probleme weit größer sind, als es alle Beteiligten nach dem schmeichelhaften Auftaktsieg in Braunschweig gehofft hatten.

Uns fehlt es vorn an Präzision, an Überzeugung, an Bewegung aus dem Achter-, Siebener- und Elfer-Raum.

Tim Walter

"Eigentlich ging es wenig um Fußball, sondern darum, den großartigen Uwe Seeler zu würdigen", sagte Tim Walter am Sonntag. Weil er als Trainer für die Vorträge seiner Profis verantwortlich ist, widmet er sich in der Analyse aber doch dem Fußball. Und spricht deutlich an, was überdeutlich sichtbar geworden ist: Es fehlt eigentlich an allem. "Uns fehlt es vorn an Präzision, an Überzeugung, an Bewegung aus dem Achter-, Siebener- und Elfer-Raum."

"Es fehlt uns Qualität auf dem Platz, die wir eigentlich haben"

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Der Coach nennt keine Namen und benennt mit den Positionen doch seine Sorgenkinder: Neuling Laszlo Benes wirkt gedanklich und körperlich schwerfällig, ist noch kein Lenker, sondern wurde am Sonntag wie schon in Braunschweig gemeinsam mit dem ebenfalls wieder enttäuschenden Ransford Königsdörffer als Erster nach einer Stunde ausgewechselt. Sonny Kittel droht mehr und mehr zum großen Problemfall zu werden, seit er auch nach dem gescheiterten USA-Wechsel nahtlos an seine schlechte Form aus den Schlusswochen der Vorsaison anknüpft. Walter bemängelt: "Es fehlt uns Qualität auf dem Platz, die wir eigentlich haben."

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Der gebürtige Badener ergänzt seine Kritik an den Offensivkräften durch eine generelle Aufforderung an alle: "Wir müssen wieder dahinkommen, dass jeder über 100 Prozent raushaut und an seine Leistungsgrenze geht." Wenn Jonas Meffert und Sebastian Schonlau konstatieren, dass das Spiel gegen den FC Hansa "ein Fortschritt im Vergleich zu Braunschweig war", ist dies keineswegs völlig falsch, gleichzeitig aber auch ein Ausdruck dafür, wie sehr der HSV sportlich aktuell in Schieflage ist.

Viel Ballbesitz, kaum Torchancen

Zu viel erinnert in diesen ersten Wochen an die Anfangszeit unter Walter aus dem Vorjahr: Seine Spieler haben viel den Ball - in Braunschweig waren es 67 Prozent Ballbesitz, am Sonntag 64 - sie haben aber kaum Torchancen. Vier waren es im ersten Spiel, nur drei im zweiten. Dafür ließen sie in beiden Partien 20 (!) Möglichkeiten zu. Ein alarmierender Wert gegen zwei Gegner, die keineswegs zur höchsten Kategorie im Unterhaus zählen und vor allem auf Umschaltsituationen setzten. "Unsere Konterabsicherung war besser als gegen Braunschweig", reklamiert Meffert. Der Knockout in der Nachspielzeit aber resultierte aus einem Konter.

Die Erkenntnis aus den ersten Spielen ist trotz ansprechender Vorbereitung diese: Es stimmt vorn und hinten nicht. Das ist erstaunlich angesichts der großen Hoffnung, dass der HSV mit einer weitgehend eingespielten Mannschaft und einem einstudierten System in die neue Spielzeit startete. Offensichtlich aber ist: Es gibt zu viele Probleme und zu wenig Lösungen. Wenn in Walters Ballbesitz-Fußball Präzision und Bereitschaft fehlen, ist er ausrechenbar. Dann reichen einfache Mittel, um den HSV zu verwunden. Dann ist der scheinbare Riese im Unterhaus nur ein Scheinriese.

Sebastian Wolff

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