2. Bundesliga

Hamburger SV: Mehr als ein normaler Sieg - auch dank Heyer

Heuer Fernandes einer der Hamburger Derby-Helden

HSV: Mehr als ein normaler Sieg - auch dank Heyer

Torschütze und damit Wegbereiter des HSV-Dreiers in Bremen: Moritz Heyer.

Torschütze und damit Wegbereiter des HSV-Dreiers in Bremen: Moritz Heyer. imago images/MIS

Dass mehr als ein normaler Sieg errungen worden war, sondern das 2:0 in Bremen auch ein Stück weit Vergangenheitsbewältigung bedeutet, dokumentiert ein kurzes Video der Hamburger Social-Media-Abteilung. In Anlehnung an die Halbfinal-Pleite im UEFA-Cup-Halbfinale von 2009, als eine Papierkugel einen Werder-Treffer begünstigt hatte, veröffentlichte der HSV in der Nacht zum Sonntag einen kurzen Film, in dem ebenfalls ein zerknülltes Stück Papier die Hauptrolle spielt: Es wird auf dem Rasen des Weserstadions aufgesammelt, ausgerollt und ein Wort sichtbar: Derbysieger. Die Hamburger haben nach einer Dekade voller Niederschläge tatsächlich mal wieder ein Duell für sich entschieden, dass von allen Seiten im Vorfeld als bedeutungsvoll und richtungsweisend angesehen wurde, und zudem Balsam auf die geschundene Fanseele bedeutet.

Walter will sich den Erfolg nicht kleinreden lassen

Der HSV, darauf war in den zurückliegenden Jahren Verlass, war nie dann da, wenn es wirklich darauf ankam. Samstagabend war dies vor allem in der Anfangsphase anders, als die Elf von Tim Walter tatsächlich eindrucksvoll und dominant auftrat. Der Trainer wollte sich den Erfolg deshalb auch nicht dadurch kleinreden lassen, dass Schiedsrichter Sascha Stegemann mit dem hitzigen Derby restlos überfordert war und den Hamburger Sieg mit begünstigt hatte: Das Duell zwischen Sebastian Schonlau und Marvin Ducksch im Hamburger Strafraum nach 36 Minuten war eher ein Elfmeter als keiner, die Entscheidung auf Strafstoß und Rot gegen den HSV-Kapitän hätte das Derby möglicherweise verändert.

Spielersteckbrief Heuer Fernandes
Heuer Fernandes

Heuer Fernandes Daniel

Spielersteckbrief Heyer
Heyer

Heyer Moritz

Trainersteckbrief Walter
Walter

Walter Tim

2. Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
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2
Jahn Regensburg Jahn Regensburg
14
3
FC St. Pauli FC St. Pauli
13

Walter indes bewertete diese Szene wie Stegemann, attestierte diesem zudem noch eine "Konzessionsentscheidung" als der Unparteiische Schonlau nach der Pause dann per Gelb-Rot doch vom Feld schickte. Für ihn überwiegt der eigene Anteil am Sieg: "Die Mannschaft war ständig aktiv, sie hat sich gegen Widerstände aufgelehnt. Das ist ein weiterer Schritt in unserer Entwicklung." Einer, der von den mitgereisten 1000 Anhängern euphorisch gefeiert wurde.

Walter weiß, dass er und seine Profis Sehnsüchte gestillt haben, indem sie in einem bedeutsamen Spiel entschlossen zugepackt haben, anstatt, wie so oft in der Vergangenheit, den sicher geglaubten Ertrag wieder aus den Händen gegeben zu haben. "Ich freue mich besonders für den gesamten Verein und für unsere Fans." Und die freuen sich, dass sie so etwas wie neue Helden haben: Daniel Heuer Fernandes und Moritz Heyer. Das sind nicht mehr die Namen mit dem großen Klang von einst, aber sie stehen für Verlässlichkeit in der Zweitliga-Gegenwart. Und exemplarisch für den Walter-Stil.

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Heyer und Heuer Fernandes: Zwei Garanten des Erfolgs 

Der neue Trainer setzt auf einen mitspielenden Torwart, und Heuer Fernandes interpretiert diese Rolle eindrucksvoll, war in Bremen zudem auch im Kerngeschäft stark. Außerdem fordert der 45-Jährige taktische und gedankliche Flexibilität von seinen Spielern - Allrounder Heyer ist wie geschaffen für den Coach. Von Ex-Trainer Daniel Thioune als Innenverteidiger verpflichtet, spielte er im Vorjahr auch oft auf der Sechs, unter Walter war er zunächst nur Defensiv-Joker, dann Rechtsverteidiger. Jetzt ist der Achter. Und Top-Torjäger: Im Derby erzielte er bereits seinen vierten Saisontreffer, bereitete das erste Tor zudem mustergültig vor. So naht- und klaglos sich der 26-Jährige nach Schonlaus Ampelkarte wieder in der Viererkette eingliederte, so unprätentiös gibt er sich auch in der Bewertung seines Vortrags: "Ich mache den Ball zum 2:0 zwar rein, aber er wird vorher auch gut gespielt." Und überhaupt sieht er seinen Torwart als mindestens ebenso bedeutsam für den Sieg an: "Ferro hat einige Bälle toll gehalten."

Eine Außendarstellung, die zum neuen angestrebten Hamburger Stil passt: ein bisschen mehr Demut und weniger Glanz, dafür aber mehr Verlässlichkeit und vor allem Entschlossenheit in den entscheidenden Momenten.

Sebastian Wolff