2. Bundesliga

HSV: Kein Miteinander und schwere Vorwürfe gegen Wüstefeld

Große Brisanz vor der Aufsichtsratssitzung

HSV: Kein Miteinander und schwere Vorwürfe gegen Wüstefeld

Sein Vertrag läuft in einem halben Jahr aus: HSV-Finanzvorstand Dr. Thomas Wüstefeld.

Sein Vertrag läuft in einem halben Jahr aus: HSV-Finanzvorstand Dr. Thomas Wüstefeld. IMAGO/Oliver Ruhnke

Das Treffen an diesem Donnerstag ist ohnehin von großer Brisanz. Die HSV-Vorstände Dr. Thomas Wüstefeld und Jonas Boldt kommen mit dem Aufsichtsrat der Fußball-AG zusammen, und für das Duo, das alles andere als harmonisch miteinander arbeitet, geht es auch um neue Verträge. Insbesondere für Finanzvorstand Wüstefeld aber geht es nach einem Bericht im "Hamburger Abendblatt" um noch viel mehr. Um seine persönliche Reputation.

"Hamburger Abendblatt" veröffentlicht Täuschungs-Vorwürfe

Das "Abendblatt" hat am Mittwochabend schwere Vorwürfe gegen den Medizinunternehmer veröffentlicht. So soll gegen seine Firma "Medsan" eine Forderung in Höhe von 32 Millionen Euro vorliegen. Der Vorwurf: Täuschung. "Medsan" habe einer Firma die Lieferung von 2000 PCR-Testgeräten zugesagt, dafür 5,5 Millionen Euro kassiert, aber nur 28 ausgeliefert. Auch einem Unternehmen aus China soll Wüstefeld eine "erhebliche Summe" schulden. Dazu zitiert das "Abendblatt" aus Chatverläufen von ehemaligen leitenden Angestellten des HSV-Bosses, die schreiben, sie wollten davor warnen, "von Dr. Wüstefeld skrupellos belogen, nachhaltig getäuscht, hintergangen, ausgetrickst und dann ausgenommen und beklaut zu werden."

Verträge von Wüstefeld und Boldt laufen bald aus

Schwere Vorwürfe, die Wüstefeld allesamt abstreitet, er macht gleichfalls juristische Forderungen gegen besagte Firmen öffentlich - dennoch kommt dieser Report für ihn zur Unzeit. Denn: Sein Vorstandsmandat endet in sechs Monaten, der Kontrakt von Boldt ist noch bis zum Sommer 2023 gültig. Für beide Vorstände geht es um ihre Zukunft. Und eigentlich weiß Aufsichtsratsboss Marcell Jansen, dass es nur einen geben kann, weil es zwischen beiden kein wirkliches Miteinander gibt. Pikant ist, dass Wüstefeld ein Vertrauter Jansens ist, und Boldt im Frühjahr im Kontrollgremium massiv in die Kritik geraten war. Der furiose Schlussspurt der HSV-Profis in der 2. Liga und der erfolgreiche Schulterschluss zwischen dem Sportvorstand und Trainer Tim Walter aber haben die Ausgangslage des 40-jährigen Ex-Leverkuseners verändert - zuletzt hatte Jansen eine Vertragsverlängerung in Aussicht gestellt.

Am heutigen Donnerstag nun kommen in Hamburg mit dem Aufsichtsrat und den beiden Vorständen drei Parteien zusammen, von denen zwei nicht miteinander können, die dritte davon weiß - und diese zudem entscheiden muss, wie sie mit den Vorwürfen gegen Wüstefeld umgeht. Der hat sich mit seinen Sanierungsplänen und dem angestrebten Personalabbau auf der Geschäftsstelle in der Sylversterallee bislang zwar wenig Freunde gemacht, mit der Ankündigung auf der Mitgliederversammlung, erstmals seit elf Jahren wieder eine ausgeglichene Geschäftsbilanz für den HSV erzielen zu können, aber ein Ausrufezeichen gesetzt. Ob das reicht, oder ob die medialen Schlagzeilen über den Boss schwerer wiegen, müssen nun die Räte entscheiden.

Sebastian Wolff

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