2. Bundesliga

HSV: Die Entwicklung wird sichtbar

Coach Walter lobt Einstellung und Bereitschaft

HSV: Die Entwicklung wird sichtbar

Gute Laune beim HSV.

Gute Laune beim HSV. imago images/Oliver Ruhnke

Für sich persönlich hat Tim Walter die Serie ausgeblendet. Seit zwölf Partien ist sein HSV unbesiegt, letztmalig war dies vor 26 Jahren gelungen. "Mir", sagt der Trainer, "bedeutet das nichts. Aber die Jungs pusht das unheimlich. Es gibt ihnen totale Sicherheit, sie fühlen sich ein Stück weit unverwundbar und spüren, dass viel passieren muss, um uns zu schlagen." In der Vergangenheit hat in Hamburg oft Hochmut Einzug gehalten in Zeiten erster zarter Erfolge. Der aktuelle Kader wirkt in diesen Wochen tatsächlich wenig anfällig dafür, sondern willig, hungrig. Aber eben auch noch nicht ausgereift.

"Die Entwicklung ist natürlich noch nicht zu Ende, aber sie schreitet voran", sagt der 46-jährige Coach. Wochenlang hat er auf diesen Prozess hingewiesen und wirkte in Zeiten sich stets wiederholender Spielverläufe wie einer, der eine Entwicklung herbeizureden versucht, die einfach nicht sichtbar wird. Nach dem zwar schmucklosen, aber doch souveränen 3:0 gegen Ingolstadt wird sie dies sogar in der Tabelle. Der HSV hat Schlagdistanz zur Spitze hergestellt. Und Walter, dessen Stil so komplex ist, erklärt es herrlich einfach: "Wir sind sehr aggressiv im Verteidigen und treffen mittlerweile auch häufiger das Tor." Dass die Hamburger Defensive mit 16 Gegentreffern aktuell die zweitbeste der Liga ist, widerlegt zudem die lange aufgestellte These, sein Fußball sei zu störanfällig. Walter sagt, die Ordnung habe schon immer gestimmt, "jetzt haben wir auch mehr Zugriff. Die ganze Abwehrkette macht es rigoros."

Das Lob für den Viererverbund enthält zudem eine besondere Note: Die Kette ist extrem verändert. Rechts hat Walter freiwillig Jan Gyamerah durch den defensiv denkenderen Allrounder Moritz Heyer ersetzt; links muss er den Ausfall von Tim Leibold mit Miro Muheim auffangen und im Zentrum verteidigt seit zwei Spielen der erst 19-jährige Mario Vuskovic - und dies mit einer Resolutheit, die dem HSV guttut. Hinzu kommt, dass dahinter mit Marko Johansson anstelle von Stammkeeper Daniel Heuer Fernandes ebenfalls ein Ersatz steht, und abgesehen von zwei Wacklern mit dem Fuß am Sonntag einen starken Job macht.

Zur Wahrheit gehört, dass der Gast vom Sonntag keinen echten Gradmesser darstellt. Der Sieg aber eröffnet vor der Winterpause eine echte Perspektive, in dieser Spielzeit nach langem Anlauf doch oben anzugreifen. Diesen Schritt zu gehen, wäre der nächste Nachweis einer sich anbahnenden Entwicklung. Dass dieser an fehlendem Hunger scheitern könnte, schließt Walter aus: "Die Jungs haben eine Bereitschaft und Einstellung, die mir großen Spaß macht."

Sebastian Wolff

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