2. Bundesliga

HSV: Dauerzustand im Krisenmodus?

"Neuer" HSV mit alten Problemen - Hunts Zeit scheint vorbei

HSV: Dauerzustand im Krisenmodus?

Aaron Hunt

Steht auf dem Prüfstand: Aaron Hunt. imago images

Zum sportlichen Versagen kommen beinahe sprichwörtlich "Schlagzeilen" außerhalb des Spielfeldes, weil ausgerechnet der als Anführer verpflichtete Toni Leistner gegen einen Dresdner Zuschauer handgreiflich wurde und vor einer Sperre steht. Vom propagierten Neustart sind die Hanseaten seit dem 1:4-Debakel vom Montagabend damit schon wieder so weit entfernt wie von der ruhmreichen Vergangenheit.

"Wir haben eins auf die Nase bekommen", sagt Daniel Thioune zu seinem Pflichtspiel-Debüt. Das klingt fast verniedlichend angesichts der Tragweite, die diese Pleite hat. Denn zumindest in Dresden wurden nahezu sämtliche Personalentscheidungen der Bosse konterkariert. Eine neue Achse mit "Alten" sollte es richten - doch exakt diese erwies sich gleich beim ersten Härtetest als Bruchstelle: Leistner patzte nicht nur nach dem Abpfiff, sondern auch während der 90 Minuten und war an drei Gegentreffern mindestens mitbeteiligt; Klaus Gjasula konnte gegen den aggressiven Drittligisten seine Tempodefizite nicht kaschieren und für Aaron Hunt wirkte die Auswechslung nach einer Stunde wie eine Erlösung. Der 34-jährige Ex-Kapitän steht beim neuen Trainer auf dem Prüfstand: Fußballerisch gilt er noch immer als derjenige, der den Unterschied ausmachen kann, der Konjunktiv jedoch ist längst Programm beim Routinier. Zu oft wirkt er, als sei seine Zeit vorbei.

Kehrtwende noch vor dem ersten Ligaspiel?

Die Probleme des "neuen" HSV sind damit die alten: Die Defensive ist verwundbar, das Mittelfeldzentrum zu langsam und die zentrale Frage, ob Hunt wirklich noch helfen kann, auch von Thioune noch nicht geklärt. Der Vortrag in Dresden hat im Grunde genommen nicht nur Fragen aufgeworfen, sondern auch Antworten gegeben - aber vollzieht der Coach die Kehrtwende noch vor dem ersten Ligaspiel?

Klar ist, dass Thioune alle Argumente auf seiner Seite hätte, nochmals alle Karten neu zu mischen: Daniel Heuer Fernandes unterstrich, weshalb sich der Coach im Vorfeld nicht grundsätzlich auf ihn als Nummer eins festgelegt hat. Doch während Julian Pollersbeck zu Olympique Lyon wechselt, kommt das erhoffte Leihgeschäft mit dem Mainzer Keeper Florian Müller nicht zu Stande - die Baustelle Tor also bleibt über den Start hinaus offen.

Im zentralen Mittelfeld demonstrierte Youngster Amadou Onana bei seinem Kurzeinsatz wie schon während der Vorbereitung, dass er im Gegensatz zu den eingeplanten "Säulenspielern" die nötige Power hat; und im Angriff vergab Lukas Hinterseer nicht nur Hochkaräter in Serie, sondern auch die Chance, den körperlichen Rückstand von Simon Terodde für sich zu nutzen. Der HSV könnte am Freitagabend gegen Düsseldorf personell stark verändert daherkommen. Er muss vor allem hinsichtlich der Bereitschaft auch ein ganz und gar anderer sein. Sonst wird der Krisenmodus an der Elbe Dauerzustand bleiben.

Sebastian Wolff

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