Europa League

"Vogelwild": Hradecky übt Selbstkritik nach Leverkusens Niederlage

Leverkusen Torhüter übt nach Niederlage Selbstkritik statt Kollegenschelte

Hradecky sieht sich "vogelwild"

Selbstkritisch: Lukas Hradecky.

Selbstkritisch: Lukas Hradecky. Getty Images

Als Bayer 04 am 3. Spieltag beim 1:1 in Stuttgart einen sicher geglaubten Sieg durch eine dem VfB geschenkte Standardsituation weggeschmissen hatte, hatte Lukas Hradecky harte Kritik ("Das war scheiße") an Übeltäter Karim Bellarabi geübt. Doch wer nach dem 0:1 in Prag dachte, der Torhüter würde den Rechtsaußen kritisieren, der wegen eines riskanten Fouls in der gegnerischen Hälfte bereits in der 22. Minute vom Platz gestellt worden war, der irrte.

"Natürlich haben wir uns mit der Roten Karte das Leben etwas schwieriger gemacht, aber trotzdem fand ich die Einstellung gut. Wir haben eigentlich ganz kompakt gespielt und nicht zu viele Chancen zugelassen", erklärte Hradecky am NITRO-Mikrofon, um danach den Fokus auf sich selbst zu richten.

"Ein unnötiges Gegentor", kommentierte er zwar erst kurz Olayinkas Kopfballtreffer zehn Minuten vor Schluss, bei dem Aleksandar Dragovic den Slavia-Joker bei einem Eckball hatte ziehen lassen. Dann fügte er aber mit Blick auf den von ihm 15 Minuten vor dem 0:1 verursachten, aber auch parierten Foulstrafstoß sogleich an: "Das wäre es schon nach meiner Aktion gewesen, als ich vogelwild rausgekommen bin. Gott sei Dank, habe ich mich da selber gerettet."

Die Frage nach Boszs Aufstellung

Hradecky, der sich in der Spieleröffnung einige Ungenauigkeiten erlaubte, schonte in seiner Spielbetrachtung also die Sünder Bellarabi und Dragovic. Deren Schlüsselaktionen sorgten aber dafür, dass nach der Partie die Frage nach Boszs Aufstellung gestellt wurde. Gleich sieben neue Akteure hatte der Trainer nach dem 3:1-Sieg am Montag gegen den FC Augsburg in die Anfangsformation befördert. Nicht nur für den Niederländer, der grundsätzlich alles andere als eine Freund der Rotation ist, eine extrem massive Umbaumaßnahme.

Ob die zahlreichen Veränderungen seine Mannschaft vor viele Probleme gestellt habe, wurde Bosz gefragt. Doch diesen Schuh wollte sich der 56-Jährige nicht anziehen. "Das glaube ich nicht. Was uns vor Probleme gestellt hat, war die Rote Karte - das war deutlich - und nicht die Spieler, die in die Mannschaft gerückt sind", urteilte er.

Bosz haderte also offensichtlich mehr mit Bellarabis Platzverweis ("Das Foul war völlig unnötig") als mit dem Fehler von Innenverteidiger Dragovic. Schließlich erklärte er zu der komplett neu formierten Viererabwehrkette, in der Nationalspieler Jonathan Tah bei seinem ersten Startelfeinsatz in die Saison Bayers bester Akteur war: "Die Jungs haben das wirklich gut gemacht."

Stephan von Nocks