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Horst Eckel: "Ich habe nicht für Geld Fußball gespielt"

Weltmeister von 1954 wird 85

Horst Eckel: "Ich habe nicht für Geld Fußball gespielt"

Feiert am Mittwoch seinen 85. Geburtstag: Horst Eckel.

Feiert am Mittwoch seinen 85. Geburtstag: Horst Eckel. imago

Viele sind nicht übriggeblieben aus der Mannschaft, die damals den nicht für möglich geglaubten 3:2-Erfolg gegen Ungarn perfekt machte und Deutschland zum Weltmeister 1954 kürte. Lediglich der damalige Kölner Linksaußen Hans Schäfer (89) und eben Horst Eckel, der nun in sein 86. Lebensjahr geht, können noch von diesem großen Ereignis erzählen. "Die WM war ein großes Glück für mich, weil ich dabei sein durfte", sagt Eckel und führt weiter aus, dass er sicher auch an den Abpfiff denke, "aber am allermeisten an meine Mitspieler".

Damals war Eckel zwar der Jüngste im deutschen Kader, doch er war der Einzige neben seinem Kaiserslauterer Teamkollegen und Mentor Fritz Walter, der alle Turnierspiele bestritt und im Finale gar die schwierige Aufgabe zugeteilt bekam, den ungarischen Star Nando Hidegkuti auszuschalten. "Ich konnte ihn nicht ganz kaltstellen, aber es hat gereicht", erinnert er sich. Das Ende ist bekannt. Die Ungarn verloren erstmals nach vier Jahren wieder und das "Wunder von Bern" war geboren.

"Erst als wir mit dem Zug wieder nach Deutschland kamen und diese Begeisterten entlang der Strecke und in den Städten sahen, wussten wir, dass wir wirklich Weltmeister geworden waren", erzählte Eckel, der aufgrund seines enormen Laufvermögens auch "Windhund" genannt wurde, dem kicker bereits vor einigen Jahren.

Horst Eckel (l.) mit seinem Mentor Fritz Walter und dem WM-Pokal.

Horst Eckel (l.) mit seinem Mentor Fritz Walter und dem WM-Pokal. imago

Zu den frühen Fußballzeiten gab es für die Spieler außer Ehre und Ruhm nicht viel zu holen, so blieb für die nebenberuflichen Kicker trotz des Weltmeistertitels nur ein kleines Zubrot. Im Verein war es auch nicht besser: Eckel verdiente 320 Mark im Monat beim 1. FC Kaiserslautern - und erarbeitete sich weitere 350 Mark als Angestellter in den Pfaff-Werken in Kaiserslautern.

Auch wenn der Wert des Geldes damals ein anderer war - bei solchen Summen können heutige Fußballer nur müde lächeln. Neid kommt bei Eckel auf heutige Spieler aber nicht auf. "Ich habe nicht für Geld Fußball gespielt", so der ehemalige Rechtsaußen und spätere rechte Läufer. "Ich wollte nur ein guter Spieler werden, das war alles", sagt er und ergänzt: "Es waren halt andere Zeiten. Ich gönne einem Cristiano Ronaldo seine vielen Millionen."

Im hohen Alter blickt Eckel auf ein Leben zurück, bei dem er viel richtig gemacht hat - in dem lediglich einige "Kleinigkeiten" nicht perfekt liefen. Daher hat er keine großen Wünsche und Ziele mehr, ein paar schöne Jahre in Gesundheit mit seiner Frau Hannelore sowie seine Familie seien ihm am Wichtigsten. "Doch dann kommt schon der Sport", so der gebürtige Vogelbacher. Seinen Ex-Klub Kaiserslautern, für den er 214-mal in der damals erstklassigen Oberliga auflief und dabei 64 Tore erzielte, noch einmal in der Bundesliga zu erleben, "das wäre nochmal was."

Bekommen Sie in der vierseitigen Story im aktuellen kicker (Montagausgabe) private Einblicke ins Leben von Horst Eckel und erfahren Sie, was eine Standpauke von Fritz Walter ihn heute noch tun lässt, ob er nach dem WM-Triumph Mitleid mit den Spielern der ungarischen Nationalmannschaft hatte, wieso er seine Karriere bereits mit 27 Jahren beendete und warum er in späteren Jahren mehrmals im Jahr in den Knast ging.

kid/gw

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Horst Eckel - Ein Held von Bern wird 85

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