Virtual Bundesliga

VBL: Hoffenheims Marokko-Märchen, HSV im 1:1.000.000-Spiel

Ereignisreiche Play-offs zum VBLCC-Finale

Hoffenheims Marokko-Märchen und Hamburgs 1:1.000.000-Spiel

Die TSG Hoffenheim steht im Finale der VBL Club Championship.

Die TSG Hoffenheim steht im Finale der VBL Club Championship. IMAGO/Beautiful Sports

Zwischen den Stadtrivalen HSV und FC St. Pauli herrschte nach den Play-offs am Freitagabend Einigkeit. Beide eSport-Teams der Hamburger Vereine waren im Kampf um das VBLCC-Finale gescheitert, beide haderten mit EA SPORTS FC 24. Jeweils "extrem bitter" sei das Aus in der deutschen Klub-Meisterschaft angesichts des Geschehens auf dem virtuellen Rasen gewesen. Besonders der HSV war kurios aus dem Wettbewerb geflogen.

Im 2vs2 gegen den SC Freiburg stand es bis tief in die Nachspielzeit hinein 1:1, die VBL-Moderatoren leiteten schon über in Richtung Verlängerung. Hamburg hielt den Ball im eigenen Strafraum, musste ihn für den Abpfiff nur noch ins Seitenaus befördern. Der digitale Kingsley Coman setzte allerdings nicht zum Befreiungsschlag an, sondern ließ seinen Gegenspieler immer näher herankommen - bis dieser ihm das Spielgerät abluchste und zum Last-Minute-Siegtreffer für Freiburg einschob.

Das ist eine Situation, wie sie in einem von einer Million Spielen passiert.

Steffen Pöppe, Hamburger SV

HSV-eSportler Steffen Pöppe hatte laut eigener Aussage schon längst die Schuss-Taste betätigt, das Spiel führte die Animation aber nicht aus. "Ich habe zu 100 Prozent Kreis gedrückt", sagte 'Funino' im Gespräch mit kicker eSport. Auf den Bildschirmen war aber nicht mal eine Ausholbewegung zu sehen. "Ich glaube, es lag daran, dass ich zu nah an den Torhüter gekommen war und der dann in den Fokus von FC 24 gerückt ist", versuchte sich Pöppe an einer Erklärung.

Auch Freiburgs Gianluca Mautone gab zu, dass FC 24 wohl seinen Anteil am 2:1-Erfolg im Doppel gehabt hatte. "Das Spiel hat es uns gegönnt", meinte der Schweizer. Für 'Funino' war es "eine Situation, wie sie in nur einem von einer Million Spielen passiert". Der Hamburger gewann sein anschließendes Einzel gegen Mautone zwar. Der HSV schied nach einer 1:5-Klatsche für Daniel Dwelk im zweiten 1vs1 gegen SC-Profi David Queck dennoch aus. "Es ist maximal unglücklich gelaufen. Ich bin bedient und enttäuscht", sagte Pöppe.

Da half alle Konzentration nichts: Steffen Pöppe und der HSV sind ausgeschieden. IMAGO/Beautiful Sports

Spieltag

Ähnliches war aus dem Lager des FC St. Pauli nach der Play-off-Begegnung mit Hertha BSC zu vernehmen. Auf dem Papier eine eher klare Angelegenheit: Die eKiezkicker hatten Division Nord-West auf Platz drei abgeschlossen, die Berliner wurden im Süd-Osten dagegen "nur" Achter. Auf dem virtuellen Feld entwickelte sich aber schon im 2vs2 ein spektakulärer Schlagabtausch, der über ein 2:2 nach 90 Minuten und ein 4:4 nach Verlängerung im Elfmeterschießen mündete.

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Dort verschossen die Herthaner ihren ersten Strafstoß, St. Pauli ging in Führung. Für den Auftaktsieg reichte es aber nicht, da die Norddeutschen sowohl ihren dritten als auch vierten Elfmeter vergaben - Vorteil für die Hauptstädter. Diese setzten im anschließenden Einzel auf den Flanken- und Meta-Experten Bastian Puskas. Der 19-Jährige demonstrierte seine Spezialität gegen Koray Kücükgünar auch direkt und ging nach einem Eckball in Führung (34.). Einige Ingame-Minuten später legte er sogar das 2:0 nach. 'KKoray34' konnte noch vor der Pause verkürzen, ein weiterer Treffer gelang ihm aber nicht.

St. Pauli-Frust: "Ich habe keine Worte dafür"

So zogen die Berliner, die Mainz-Coach Corvin Deterding am Montag schon zum "Favoritenschreck" ernannt hatte, ins VBLCC-Finale ein. Puskas äußerte sich gegenüber kicker eSport zum nicht besonders attraktiven, aber ertragreichen Spielstil der Alten Dame: "Wir sind nicht unbedingt darauf aus, andere Teams zu ärgern. Wenn wir so aber mehr Erfolg haben, ziehen wir das durch."

St. Paulis Kamal Kamboj wiederum zeigte sich frustriert von der Herangehensweise des Gegners. "Wir haben alles ausprobiert. Jeder unserer Verteidiger hatte den "In der Luft"-PlayStyle. Trotzdem gewinnen die Hertha-Spieler nach Flanken die Kopfballduelle", sagte 'FCSP_Kamal'. "Man kann nichts machen, außer zu beten, dass der Ball nicht reingeht. Ich habe keine Worte dafür."

Haderte nach dem Play-off-Aus auch mit FC 24: St. Paulis Kamal Kamboj. IMAGO/Beautiful Sports

Hoffenheim nach marokkanischem Vorbild

Feierstimmung herrschte dagegen bei der TSG Hoffenheim, die etwas überraschend den FC Schalke 04 aus dem Meisterrennen schmiss. Die Kraichgauer waren das einzige Play-off-Team, dem nach einer Niederlage im Doppel noch das Comeback gelang. Zwei 3:1-Siege in den Einzeln machten das 1:2 im 2vs2 wett. Als Ass im Ärmel entpuppte sich Serhat Öztürk, der in der vergangenen Saison noch bei den Knappen gespielt hatte - und über seinen eigenen Einzelsieg hinaus wertvolle Erkenntnisse lieferte.

"Serhat hat mir einen guten Tipp gegeben. Er hat gesagt, ich solle auf dem Weg zur Grundlinie nicht zu früh zurückspielen, sondern einfach mal durchrennen", verriet Hoffenheims Aymane Mokallik kicker eSport. Gehört, getan: Das 1:1 im Entscheidungsmatch gegen Max Eggenkämper erzielte der Marokkaner nach einem tiefen und konsequenten Lauf mit Alphonso Davies' digitalem Alter Ego. Im Anschluss drehte Mokallik die Partie vollständig zugunsten der TSG und sicherte seinem Klub die Endrunden-Teilnahme.

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Angesprochen auf die weiteren Aussichten im Finale am Samstag und Sonntag meinte 'Aymane': "Es ist ein Turnier, da kann jeder weit kommen. Ich habe ein berühmtes Beispiel: Schauen wir uns Marokko bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 an. Wer hätte denn gedacht, dass die ins Halbfinale kommen? Bei uns ist das ungefähr genauso. Es kann uns überall hinführen."

"Leere" bei Stuttgarts Einzelmeister Radelja

Der VfL Bochum setzte sich derweil gegen den FC Bayern München (4:2, 4:2) durch, Bayer Leverkusen besiegte den FC Augsburg (4:1, 4:3). Ebenfalls im Schnelldurchlauf schlug Hansa Rostock den VfB Stuttgart (2:1, 3:2) um Antonio Radelja. Der amtierende VBL-Einzelmeister hatte in seinem 1vs1 gegen Lukas Wolff zu viele Chancen vergeben und war entsprechend betrübt: "Da ist eine Leere. Du bist komplett niedergeschlagen und am Boden. Du weißt, dass die Klub-Meisterschaft vorbei ist. Und du kannst nichts mehr daran ändern."

Zum Abschluss des Freitagabends wurden die Gruppen für das VBLCC-Finale ausgelost. Hertha, Leverkusen und Bochum müssen sich in Gruppe A nicht nur miteinander, sondern auch mit Titelverteidiger RB Leipzig und dem SC Paderborn messen. Hoffenheim, Freiburg und Rostock wohnen in Gruppe B dem SV Werder Bremen und dem 1. FSV Mainz 05 bei. Die jeweils bestplatzierten vier Teams ziehen ins Viertelfinale ein. Alle Ergebnisse des Final-Wochenendes können in unserer Übersicht eingesehen werden.

nas

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