Europa League

Hoffenheim verpasst "historische Chance"

TSG scheidet überraschend gegen Molde aus der Europa League aus

Hoffenheim verpasst "historische Chance" - Warten auf die großen Namen geht weiter

Fassungslos: Die TSG-Profis Florian Grillitsch und Sebastian Rudy nach dem Ausscheiden.

Fassungslos: Die TSG-Profis Florian Grillitsch und Sebastian Rudy nach dem Ausscheiden. imago images

Vielleicht waren die Hoffenheimer gedanklich doch schon einen Schritt zu weit? Gerade nach dem hoch überlegen geführten Hinspiel (3:3), bei dem Dabbur zwischenzeitlich auf 4:1 vom Punkt hätte erhöhen können, schien das Weiterkommen im Heimspiel nur eine Formsache. Am Ende stand nur ein 3:3 auf der Anzeigetafel. Dennoch gaben sich die Beteiligten optimistisch, Bayern-Leihgabe Richards sprach im Vorfeld sogar von einem möglichen Gewinn der Europa League.

"Wir wollten Geschichte schreiben"

Und die Nachlässigkeiten aus der Vorwoche sollten sich rächen: Zwar traten die Kraichgauer erneut hoch überlegen auf, doch gegen die tiefstehenden Norweger fand das Team von Trainer Sebastian Hoeneß über die gesamte Spielzeit nicht die geeigneten Mittel, um die Skandinavier zwingend in die Bredouille zu bringen. "Wir haben eine historische Chance vertan, wollten Geschichte schreiben", sagte der enttäuschte Hoeneß im Anschluss an die Begegnung. Zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte hätte die TSG in das Achtelfinale eines europäischen Wettbewerbs vordringen und vielleicht dann endlich auf einen lang ersehnten großen Namen im europäischen Vereinsfußball treffen können.

Spielersteckbrief Baumann
Baumann

Baumann Oliver

Spielersteckbrief Grillitsch
Grillitsch

Grillitsch Florian

Trainersteckbrief Hoeneß
Hoeneß

Hoeneß Sebastian

Wir hätten mehr agieren müssen. Vielleicht hat die letzte Gier gefehlt.

Florian Grillitsch

Schon in der Gruppenphase hatte die TSG die großen Gegner vermisst, auch in der K.-o.-Runde wurde ihnen kein großer Name zugelost. Letztlich erwies sich der norwegische Kontrahent Molde FK, der überhaupt nicht im Rhythmus ist und erst im April wieder in den Pflichtspielbetrieb in der heimischen Liga einsteigt, als eine Nummer zu groß.

Die Flanken verpuffen - "Vielleicht hat die letzte Gier gefehlt"

"Wir haben es uns natürlich anders vorgestellt, das Ding müssen wir gewinnen", so Florian Grillitsch, der es in der hinteren Dreierkette als spielaufbauender Verteidiger immer wieder mit langen Diagonalbällen auf die Außenbahnen versuchte. So kam die TSG auch zu unzähligen Flankenmöglichkeiten über John und Kaderabek, die aber nicht in Tore umgemünzt wurden. Im Strafraum habe man "gefühlt eher reagiert. Wir hätten mehr agieren müssen. Vielleicht hat die letzte Gier gefehlt", sagte Grillitsch.

TSG Hoffenheim

Die Köpfe der Kraichgauer hingen nach Abpfiff der Partie tief. imago images

Der Österreicher nahm nach der Partie wie auch sein Trainer mehrfach das Wort "bitter" in den Mund, es beschreibt den Abend der TSG wohl ganz gut. Keeper und Kapitän Oliver Baumann ging noch einen Schritt weiter und sprach gar von "Wahnsinn". "Wir haben in der ersten Hälfte wahnsinnig viele Chance gehabt. Es ist am Ende aber doch irgendwie verdient, auch wenn es Wahnsinn ist, wie es zustande kommt. Der Ball wollte irgendwie nicht rein", so Baumann.

Parallelen zur ersten Europa-League-Teilnahme

Diese beiden Spiele waren gerade nach dem eigentlich so überzeugenden 4:0 am Sonntag gegen Bremen ein Rückfall und erinnern an die Auftritte bei der ersten Europa-League-Teilnahme der Hoffenheimer, als die Mannschaft spielerisch meist auch die bessere Mannschaft war, letztlich aber als Tabellenletzter sang- und klanglos ausschied.

Im aktuellen Wettbewerb schien die Mannschaft gelernt zu haben, wies die Gruppengegner in ihre Schranken und kam als Gruppensieger in die K.-o.-Phase. Doch gegen Molde waren die alten Muster erkennbar, spielerische Überlegenheit, aber letztlich fehlende Effizienz und Kaltschnäuzigkeit. "Wir haben es versäumt, klarste Chancen zu nutzen. Natürlich hingen die letzten 20 Minuten aus dem Hinspiel nach. Aber wir hatten genügend Zeit, das Spiel zu drehen", so Hoeneß.

Anstelle der TSG schaffte dadurch Molde Historisches, erstmals in ihrer langen Vereinsgeschichte zogen die Norweger in das Achtelfinale eines europäischen Wettbewerbs ein. Ein in allen Belangen "bitterer" Abend für die Kraichgauer, die am Freitag (13 Uhr, LIVE! bei kicker) sicherlich mit Wehmut beobachten werden, ob Molde den großen Gegner zugelost bekommt, auf den Hoffenheim noch eine Weile warten muss.

Michael Pfeifer/dos