Bundesliga

Hoeneß über Bayerns Sancho-Deal - und was ihn am BVB stört

Ehrenpräsident spricht auch über den schnellsten FCB aller Zeiten

Hoeneß über Bayerns Sancho-Deal - und was ihn am BVB stört

Ehrenpräsident Uli Hoeneß

Er hat die aktuellen Entwicklungen weiter im Blick: Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß. imago images

Im großen Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" schwelgt Hoeneß in Erinnerungen, beschäftigt sich vor allem aber auch mit der Gegenwart und Zukunft. Ein Dorn im Auge ist ihm mitunter die Entwurzelung im Fußball, die speziell junge Talente betrifft. "Das kommt, weil sie im Internet und anderswo nur noch die großen Klubs sehen. Ich glaube, wenn wir uns in zehn Jahren wieder unterhalten, wird sich der Fußball nochmals ganz verrückt verändert haben. Dieses ganze elektronische Zeug, eSport und all das, macht mir richtig Angst", so der langjährige Bayern-Boss.

Vielmehr wünsche er sich wieder Jugendliche, die auf der Straße kicken - und diese Qualitäten später mit auf den Rasen bringen. "Im Verein wird vor allem Passen und Stoppen gelernt. Der Straßenfußballer nimmt den Ball und dribbelt. Wenn meine Enkel hier im Garten kicken, sage ich denen: Dribbeln müsst ihr. Du brauchst im heutigen Fußball Spieler, die in der Lage sind, einen Gegner stehen zu lassen." Genau einen solchen haben die Bayern mit Leroy Sané verpflichtet.

Davies ist der schnellste Spieler, den ich je erlebt habe. Und zwar aus dem Stand, schon auf den ersten Metern.

Uli Hoeneß

Mit dem deutschen Nationalspieler und auch Kandidaten wie Alphonso Davies, Serge Gnabry oder Kingsley Coman sieht Hoeneß den schnellsten FCB-Kader aller Zeiten. "Davies ist der schnellste Spieler, den ich je erlebt habe. Und zwar aus dem Stand, schon auf den ersten Metern. Dazu Gnabry, Coman. Auch Goretzka, dem man das gar nicht so ansieht, ist irre schnell, nicht auf den ersten ein, zwei Metern, aber dann. Und auch Robert Lewandowski ist nicht langsam", sagt Hoeneß.

Neben der eigenen Mannschaft hat Bayerns Ehrenpräsident natürlich auch die Konkurrenz im Blick. Dabei speziell den BVB, der es laut Hoeneß zwar geschafft habe, näher an den deutschen Rekordmeister heranzurücken, allerdings einen Fehler im System habe. "Was mich stört: Wenn Dortmund einen hochtalentierten Spieler kauft und er gut spielt, kann man wenige Monate später entweder aus dem Klub selbst oder von außerhalb hören, dass er irgendwann ein Verkaufsobjekt darstellen wird. Das halte ich für unklug. Wie soll ein Spieler die DNA eines Vereins hundertprozentig aufsaugen, wenn er das Gefühl hat, ein Verkaufsobjekt zu sein? Bei uns gibt es das überhaupt nicht. Wir holen Spieler für Bayern München. Und niemals, um daraus Geschäfte zu machen."

"Der junge Bellingham wird jetzt gekauft, und warten Sie mal..."

Hoeneß ist davon überzeugt, dass der BVB mit diesem Modell die "letzten zehn Prozent" in wichtigen Spielen nicht abrufen können wird. Profis müssten das Gefühl haben: "Ich bin Bayern forever." Natürlich gebe es auch in München Transfers, doch der FCB verliere weit seltener "wichtige Spieler".

Ähnlich könne es sich bei BVB-Neuzugang Jude Bellingham verhalten. "Der junge Bellingham wird jetzt gekauft, und warten Sie mal, wenn der gut spielt, wie schnell dann über Interesse von außen geredet wird. Ich würde das nicht so machen. Ich würde der Öffentlichkeit, aber auch meinen eigenen Leuten sagen: Das ist unser Spieler, und wenn der gut spielt, der bleibt. Auch wenn ich hundert Millionen kriege", stellt Hoeneß klar.

Mit Sancho war bei uns alles klar, aber im letzten Moment entschied er sich für Dortmund.

Uli Hoeneß

Nicht unter den Tisch fallen lassen wollte Hoeneß die "sehr geschickte" Strategie, auf junge Spieler zu setzen. "Im Sponsoring kommen sie an uns überhaupt nicht heran, aber damit haben sie unseren finanziellen Vorsprung ganz schön ausgeglichen", gesteht Hoeneß, der hinterherschiebt: "Mit Sancho war bei uns alles klar, aber im letzten Moment entschied er sich für Dortmund." In München tue sich mittlerweile in diese Richtung aber auch einiges: "Davies haben wir jetzt, der junge Verteidiger Nianzou kommt von PSG, Cuisance macht sich ganz gut. Sobald du zwei, drei Beispiele ins Feld führen kannst, dass es bei dir auch geht, dann geht's." Eine Reaktion aus Dortmund sollte noch am Montag folgen.

msc

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