
"... erst dann sage ich: Chapeau": Bayern-Präsident Uli Hoeneß. picture alliance
Auf Augenhöhe oder sogar schon bald Deutschlands Top-Klub? Klar ist, Borussia Dortmund bedrängt nach der fast perfekten Titelverteidigung die Vormachtstellung des FC Bayern - doch Bayern-Präsident Uli Hoeneß überlässt dem BVB das Feld nicht so einfach. Bei "Sky90" arbeitete er Punkt für Punkt die Unterschiede zwischen dem amtierenden und dem Rekordmeister heraus.
Thema Finanzen. "Die werden immer ein anderes Konzept haben als wir, solange sie kein Geld haben", sagte Hoeneß über die Borussen. "Es ist immer so eine Geschichte, da die reichen Bayern, da die armen Dortmunder. Jetzt haben sie ja Vertragsverlängerungen gemacht, mit Götze, mit Reus, jetzt kommt Lewandowski, jetzt warten wir mal ab. Die Märchen, die Herr Watzke erzählt, mit seinen 45 Millionen Personalkosten nächstes Jahr, die kann er jemandem erzählen, der sich nicht im Geschäft auskennt."
Watzke müsse aufpassen, zog Hoeneß den Vergleich zu Werder Bremens Aufsichtsratsvorsitzenden, "dass er nicht der zweite Willi Lemke wird, der erzählt, hier die reichen, da die armen". "Wir haben viel höhere Personalkosten", sagte Hoeneß zwar, "aber dafür haben wir auch viel höhere Einnahmen, und dafür haben wir hart gearbeitet."
In München wäre der schon längst kaputt geschrieben. In dieser Oase leben die noch.
Uli Hoeneß über Ilkay Gündogan
Thema Spieler-Qualität. "Bei aller Liebe", stimmte Hoeneß nicht in die Lobeshymnen um Robert Lewandowski, Shinji Kagawa & Co. ein, "was die Dortmunder im Moment haben, sind etwas hungrigere Spieler, aber sie haben keine Weltklassespieler. Ein kleines Beispiel: Gündogan geht von Nürnberg nach Dortmund, spielt neun Monate mehr oder weniger nicht. In München hätte man schon längst vom Fehleinkauf gesprochen. In Dortmund kann der sich schön langsam entwickeln. In München wäre der schon längst kaputt geschrieben. In dieser Oase leben die noch."
Thema Ansprüche. Schon jetzt nehme er den BVB als Konkurrenten "sehr ernst", räumte Hoeneß ein. Aber: Erst wenn auch international Ansprüche formuliert und bedient würden, müssten sich die Bayern warm anziehen. "Im Moment ziehen wir uns auch warm an, aber ich sehe da noch keine ganz große Gefahr für die Bayern."
Die Frage der Woche
Thema Europapokal. "Dortmund hat eine Supersaison gespielt, aber für mich kriegen sie erst dann den Ritterschlag, wenn sie eine Supersaison in der Bundesliga gespielt haben und im internationalen Wettbewerb spielen", meinte Hoeneß. "Vor zwei Jahren sind sie in der Europa League sang- und klanglos gescheitert - und dieses Jahr, in einer ganz leichten Gruppe, sind sie nicht Dritter, sondern Vierter geworden. Erst wenn sie diese zwei Dinge in Einklang bringen, wenn sie zeigen, dass sie international mitspielen können, dann sage ich: Chapeau!"
Wenn sie irgendwann international erfolgreich sein wollen, brauchen sie eine international konkurrenzfähige Mannschaft.
Uli Hoeneß über den BVB
Indirekt deutete Hoeneß sogar an, dass das jetzige Dortmunder Team internationalen Ansprüchen nicht genügt. "Wenn die Dortmunder irgendwann international erfolgreich sein wollen", sagte Hoeneß zum Thema Personalkosten, "brauchen sie eine international konkurrenzfähige Mannschaft, und die wird viel teurer sein als die, die sie in den letzten zwei Jahren hatten."
Dass Dortmund beim 1:0 unter der Woche zum vierten Mal in Folge gegen den Rekordmeister aus München gewonnen hatte, ließ Hoeneß dagegen kalt. Seiner Meinung nach wäre ein 1:1 verdient gewesen. War es also ein Sieg im Bayern-Stil für den BVB? "Sie haben glücklich gewonnen", konterte Hoeneß, "das ist kein Bayern-Stil." Allerdings verriet er auch, dass ihm - trotz des Drei-Punkte-Rückstands - ein Remis in Dortmund von Anfang an gereicht hätte. Ob das dem Bayern-Stil entspricht, wurde er nicht gefragt.




















