Bundesliga

Hitzlsperger und der Kampf ums "Goldene Kind" für den VfB Stuttgart

Stuttgarts Nachwuchs-Direktor gewährt Blick in seine Arbeit

Hitzlsperger und der Kampf ums "Goldene Kind"

Soll den Stuttgarter Nachwuchs in die Zukunft führen: Thomas Hitzlsperger.

Soll den Stuttgarter Nachwuchs in die Zukunft führen: Thomas Hitzlsperger. imago

Mario Gomez, Sami Khedira, Joshua Kimmich, Antonio Rüdiger, Timo Werner und Sebastian Rudy - sechs frühere Stuttgarter stehen im aktuellen WM-Aufgebot. "Das macht uns stolz und zeigt, was hier geleistet wurde", sagt Hitzlsperger. "Das wollen wir fortsetzen." Und dafür haben die Schwaben alle möglichen Hebel bewegt. Finanziell wie personell wurden und werden neue Wege beschritten, neue Ideen geboren und neue Ziele ausgegeben. "In den vergangenen zwei, drei Jahren waren wir, was die Durchlässigkeit betrifft, nicht mehr so erfolgreich wie davor. Aber daran arbeiten wir", erklärt der frühere Nationalspieler, dem es "nicht nur um Resultate" geht, "sondern vor allem auch darum, die Talente zu entdecken und sie entsprechend individuell auszubilden".

Früher sind die Talente aus der Region wie selbstverständlich zum VfB gekommen.

Thomas Hitzlsperger
VfB Stuttgart - Vereinsdaten
VfB Stuttgart

Gründungsdatum

09.09.1893

Vereinsfarben

Weiß-Rot

Weg vom gleichgeschalteten Ausbildungsweg, von der ausschließlichen Jagd nach Resultaten und möglichen Titeln, hin zu mehr individueller, zielführender Förderung. "Die Nachwuchsarbeit hat beim VfB schon immer eine große Bedeutung", betont der 36-Jährige, der allerdings auch unumwunden zugibt: "Wir haben nicht mehr die Vormachtstellung früherer Tage, weil die anderen Klubs aufgeholt haben und ebenfalls gute Arbeit leisten." Entsprechend wird der Kampf ums Goldene Kind längst mit harten Bandagen geführt. "Früher sind die Talente aus der Region wie selbstverständlich zum VfB gekommen. Wir mussten sie nicht davon überzeugen. Heute überlegen sie sich, ob sie nicht auch wo anders hinwechseln könnten." Dabei seien gerade diese Spieler so wichtig. Spätere Profis "aus der Region und aus dem eigenen Verein genießen bei den Fans automatisch eine größere Akzeptanz".

Wir geben uns Mühe, dass sie auch mal aus der Fußballblase, in der sie sind, rauskommen.

Thomas Hitzlsperger

Um solche von sich zu überzeugen, für sich zu gewinnen, sie auszubilden und nach ganz oben zu bringen, sei eine wahre Mammutaufgabe, zumal selbst Juniorenmeister und Auswahlspieler nicht automatisch in der Bundesliga landen. Nur rund ein Prozent aller Talente aus Profiklubs schafft es nach ganz oben. Viele bleiben unterwegs liegen. Diese sollen nach Möglichkeit nicht gedankenlos abgehängt werden. Entsprechend spielt ihre Schulausbildung eine wichtige Rolle. "Jugendspieler müssen ein enormes Pensum leisten", erklärt Hitzlsperger, der so manchem irgendwann auch die bittere Wahrheit über begrenzte Aufstiegschancen offenbaren muss. "Jeder will Profi werden, aber so mancher unterschätzt dabei die Bedeutung der Schulausbildung", warnt der Stuttgarter Meisterspieler von 2007. "Daran erinnere ich die Spieler täglich. Ich kenne die Bedeutung." Und die Gefahr, die eine ersatzlose und komplette Fokussierung auf den Fußball mit sich bringt.

Entsprechend wird in Stuttgart darauf geachtet, dass die Jungs, insgesamt etwa 170 an der Zahl in den Jahrgängen U 11 bis U 21, auch auf das Leben neben dem Fußball vorbereitet werden. "Wir geben uns Mühe, dass sie auch mal aus der Fußballblase, in der sie sind, rauskommen", erzählt Hitzlsperger. Der Klub organisiert unterschiedliche Veranstaltungen oder Schulungen, zum Beispiel zum Thema Social Media oder Spielerberater. Oder man engagiert sich für soziale Zwecke. Alles, um den Bezug zu dem Teil der Welt, der sich nicht um einen Ball dreht, nicht zu verlieren. Die Gomez, Khediras und Co. stehen auch hier als Vorbilder Pate.

Baumgartl als Erbe von Khedira und Co.?

Einen möglichen Erben dieser Generation von Spitzenspielern sieht Hitzlsperger in Innenverteidiger Timo Baumgartl. "Er spielt trotz seines jungen Alters schon lange mit einer erstaunlichen Konstanz in der Bundesliga. Ich traue ihm zu, der nächste deutsche Nationalspieler des VfB zu werden. Aber er muss weiter hart dafür arbeiten." Jetzt sind erst einmal die aktuellen Stars gefragt, denen der NLZ-Direktor "sehr, sehr viel, auch den Titel" zutraut. "Ich glaube fest daran, dass sie es schaffen."

George Moissidis

Das Zuschauer-Ranking der Bundesliga 2017/18