Bundesliga

Stuttgarts Vorstandsvorsitzender Hitzlsperger: "Ich bin kein Spalter"

Stuttgarts Vorstandsvorsitzender beklagt die Anfeindungen

Hitzlsperger: "Ich bin kein Spalter"

Thomas Hitzlsperger und Claus Vogt beim Auswärtsspiel in Freiburg.

Thomas Hitzlsperger und Claus Vogt beim Auswärtsspiel in Freiburg. imago images

Vor rund drei Wochen fühlte sich Hitzlsperger gemüßigt, einen offenen Brief in Form einer schriftlichen Vernichtung von Klubpräsident Claus Vogt samt eigener Kandidatur als Vogt-Nachfolger zu formulieren. Die Folgen haben den 38-Jährigen, der sich bis dahin im Sonnenschein der Fan-Sympathien wärmen durfte, offenbar überrollt. Nach langer Zeit des Schweigens, in der auch noch Vorwürfe laut wurden, er hätte bei der Aufklärung der vom kicker aufgedeckten Datenaffäre wenig hilfreich mitgewirkt, meldet er sich am Sonntag zu Wort. "Ich habe festgestellt, dass heute der richtige Zeitpunkt dafür ist", erklärt Hitzlsperger. "Die Vorwürfe und Angriffe gegen mich haben mich sehr bewegt. Die letzten drei Wochen waren die größte Herausforderung überhaupt für mich persönlich."

Die Plakate und Aufkleber, auf denen er Spalter genannt wird, Banner, die ihn als Marionette von Anteilseigner Mercedes zeigen und die massive Kritik in den sozialen Medien hätten ihn "extrem getroffen", so der Ex-Nationalspieler. Die Attacke gegen seinen Aufsichtsratsvorsitzenden sei in Folge der angespannten Situation in Corona-Zeiten "eine Überreaktion" gewesen. "Dafür habe ich mich entschuldigt. Wir befinden uns seit einem Jahr in einer extrem angespannten Situation, in der wir versuchen, den Verein über Wasser zu halten, weil die Situation finanziell extrem angespannt ist. Emotional sowieso. Ich habe mich zu etwas verleiten lassen, das ich so nicht mehr tun würde."

Erklärungsversuche zur Datenaffäre

Wie und warum auch immer, einen Gefallen hat sich der einstige Fan-Liebling nicht getan. Zumal er sich obendrein auch noch Vorwürfen ausgesetzt sieht, nicht alles für die Aufklärung der Datenaffäre zu tun. "Ich habe mich so verhalten, wie mir sowohl juristisch als auch von IT-Experten gesagt wurde", sagt der Vorstandsboss, dem vorgeworfen wird, er habe Mitarbeitern, die im Verdacht stehen, an der Datenaffäre beteiligt gewesen zu sein, weiter den Zugriff auf Mailkonten und dadurch eine Behinderung der Untersuchung ermöglicht. "Ich habe die Entscheidung nach gültigem Arbeitsrecht getroffen. Weil gegen die Mitarbeiter nichts vorlag und bis jetzt nichts vorliegt, konnten und können wir diese Arbeitskonten nicht sperren. Das heißt nicht, dass behindert wird oder etwas intransparent ist."

Die Reaktionen auf die Erklärungsversuche des 38-Jährigen und die versuchte Annäherung zu den verärgerten Fans trifft bisher auf eher wenig Zuspruch. Die Stimmung in den sozialen Medien ist weiterhin in großen Teilen kritisch. Für viele, so der nicht repräsentative Eindruck, könne Hitzlsperger nur dann wieder ein Stück weit Vertrauen zurückgewinnen, wenn er neben der Aufklärung der Datenaffäre samt aller Konsequenzen auch seine Kandidatur für das Präsidentenamt zurückzieht. Doch daran scheint er nicht zu denken. "Dazu werde ich mich zeitnah auch noch äußern." Eine Antwort, die die Anhänger, unter denen der amtierende Präsident Vogt viel Zuspruch genießt, nicht beruhigen wird.

George Moissidis