Bundesliga

Hintereggers schwarzer Samstag stürzt Glasner in ein Dilemma

Frankfurt: Schlechtes Aufbauspiel und zwei verschuldete Gegentore

Hintereggers schwarzer Samstag stürzt Glasner in ein Dilemma

Erfuhr demonstrative Unterstützung: Martin Hinteregger

Erfuhr demonstrative Unterstützung: Martin Hinteregger imago images/HMB-Media

Die Verantwortlichen stärkten Hinteregger nach dem Schlusspfiff demonstrativ den Rücken. "Er bekommt von uns die volle Unterstützung, Hinti ist ein sehr wichtiger Spieler", betonte Sportvorstand Markus Krösche. Trainer Oliver Glasner warnte vor einer oberflächlichen Betrachtungsweise und wies darauf hin, dass sich bei der Entstehung des Elfmeters, der zum 0:1 führte, zunächst Tuta "düpieren" ließ: "Martin wollte Tuta unterstützen und ist dann halt ein bisschen zu spät gekommen."

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass Hinteregger ziemlich plump und unüberlegt in den Zweikampf mit Max Kruse ging. Das späte 0:2 in der Nachspielzeit leitete der Österreicher mit einem Kopfball in den Lauf von Dodi Lukebakio ein. "Da muss er nach vorne klären", urteilt Krösche richtig.

Doch Hinteregger war an diesem schwarzen Samstag nicht nur bei den Gegentoren völlig neben der Spur. Der Verteidiger schlug auch zu viele hohe lange Bälle blindlings nach vorne, was gegen die körperlich weit überlegene Wolfsburger Hintermannschaft zum Scheitern verurteilt war. In der zweiten Hälfte turnte er zu allem Überfluss auch noch ein ums andere Mal in der gegnerischen Hälfte herum. Das wirkte übermotiviert, es schien so, als wollte Hinteregger den von ihm verursachten Elfmeter auf Teufel komm raus wieder wettmachen.

Bereits im vorangegangenen Heimspiel gegen Arminia Bielefeld hatte der 29-Jährige eine bedenkliche Leistung abgeliefert und war zur Halbzeit wegen Problemen im Schambeinbereich ausgewechselt worden. Trotzdem war es eine nachvollziehbare Entscheidung von Glasner, Hinteregger für den verletzten Makoto Hasebe (Pneumothorax) aufzubieten. Niemand konnte im Vorfeld wissen, dass das so fürchterlich schiefgehen würde.

Nun steht der Coach allerdings vor einer schwierigen Entscheidung. Gibt er Hinteregger am kommenden Samstag in Köln eine weitere Chance? Oder baut er die Abwehr um? Stefan Ilsanker könnte zentral verteidigen, hätte aber die gleichen Schwächen im Aufbauspiel. Tuta (22) wurde kürzlich beim Testspiel in Mainz (1:0) im Zentrum der Dreierkette getestet, ist aber noch reichlich unerfahren für diese zentrale Rolle. Zudem müsste dann wohl Danny da Costa wie in besagtem Testspiel auf der ungewohnten Position rechts in der Innenverteidigung ran.

Umstellung auf Viererkette liegt nahe

Bis Hasebe wieder fit ist, wäre ein Umstellung auf Viererkette naheliegend. Anbieten würde sich ein flaches 4-4-2 mit da Costa und Christopher Lenz auf den Außenverteidigerpositionen sowie Tuta und Evan Ndicka im Zentrum. Ansgar Knauff und Filip Kostic kämen auf den offensiven Flügeln zum Einsatz, Rafael Borré und Jesper Lindström würden vorne als Doppelspitze zwischen den Linien schwimmen. Für den gegen Wolfsburg ziemlich blassen Daichi Kamada wäre dann kein Platz. Doch ob Glasner ausgerechnet jetzt die Grundordnung ändert? Mit einer Viererkette spielte er zuletzt im September gegen Köln (1:1). Zum Einstudieren der Abläufe blieben ihm nur wenige Trainingseinheiten - ein Risiko.

Alles in allem befindet sich der Coach in einem Dilemma. Unter Berücksichtigung des Leistungsprinzips dürfte Hinteregger am Samstag in Köln normalerweise nicht erneut auflaufen. Doch auch die anderen Varianten mit Tuta oder Ilsanker im Zentrum erscheinen nicht ohne Risiko, gleiches gilt für eine plötzliche Änderung der Grundordnung.

Julian Franzke

Bilder zur Partie Eintracht Frankfurt - VfL Wolfsburg