2. Bundesliga

Heuer Fernandes wird zum Symbolbild des HSV

Der konstanteste Profi patzt, weint - und soll ein entscheidender Teil des Gerüsts bleiben

Heuer Fernandes wird zum Symbolbild des HSV

Geschlagene HSV-Profis: Daniel Heuer Fernandes und Ludovit Reis (re.).

Geschlagene HSV-Profis: Daniel Heuer Fernandes und Ludovit Reis (re.). picture alliance / Eibner-Pressefoto

Am Hamburger Torwart war nach dem 1:3, dass sich vor der Pause nicht abgezeichnet, in der Gesamtheit dann aber doch die Kräfteverhältnisse widerspiegelt hat, eigentlich die gesamte Hamburger Stimmungslage ablesbar. Sie waren niedergeschlagen und doch kämpferisch. Leidenschaftlich kämpft der Keeper für eine Fortsetzung in dieser Konstellation und für Tim Walter, "weil wir in der ersten Halbzeit gezeigt haben, wie gut wir sind, was hier entstehen kann. Wir sind eine totale Einheit."

Ein Fundament, das dem Verein "sehr, sehr gut tut"

Diese Einheit, darauf hat sich Jonas Boldt wenige Augenblicke nach dem Plädoyer von seinem Keeper bereits festgelegt, bleibt bestehen. "Selbstverständlich", sagt der Sportvorstand, gehe es mit dem Coach weiter. "Wir haben ein Fundament gebaut, das dem Verein sehr, sehr gut tut. Das heißt nicht, dass alles perfekt ist. Aber vieles hat richtig gut funktioniert." Aber zum fünften Mal in Folge war es eben auch nicht genug für den Aufstieg.

Spielbericht

Heuer Fernandes hatte damit im Inneren des Volksparkstadions schwer zu kämpfen. Er stellte sich, rang aber mit tränenerstickter Stimme immer wieder nach Worten. Denn: "Wir hatten den Glauben, haben genau die Wucht entwickelt, die wir entwickeln wollten, unser frühes Tor hat die Stimmung und alles nochmal auf ein anderes Level gehoben." Doch konstant konnte der HSV das nächsthöhere Level nicht halten. Am Montagabend nicht. Und schon in den 34 Ligaspielen zuvor nicht. Der Umgang mit diesem Fakt wird entscheidend sein. Heuer Fernandes könnte ein Musterbeispiel sein. Der 30-Jährige sucht keine Ausflüchte für seinen Fehltritt vor dem 1:2, etwa beim neu verlegten Rasen auf dem der Ball sichtbar versprungen ist. "Ich werde so etwas nie auf den Rasen schieben, es ist mein Anspruch, solche Situationen bestmöglich zu klären. Es ist mein Fehler."

Im Ligaalltag zu fehleranfällig - Klauseln bei Reis und Glatzel

Selbstkritik wie die des Deutsch-Portugiesen ist auch angebracht, wenn es nun in die Saisonanalyse geht. Dass Boldt sich schon vor dieser zum Trainer bekannt hat, darf nicht bedeuten, dass nicht auch die Kritikpunkte auf den Tisch kommen. Der HSV steht unter Walter für enormen und lange nicht dagewesenen Zusammenhalt, er hat aber wieder sein Saisonziel verpasst, weil er im Ligaalltag zu fehleranfällig war. Boldt kündigt an: "Wir werden in Ruhe besprechen, wo wir uns weiterentwickeln können."

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Heuer Fernandes soll ein zentraler Bestandteil bei der erhofften Fortführung dieser Entwicklung sein. Der Kontrakt des Eckpfeilers läuft bis 2024, die Vertragskonstellationen bei den Leistungsträgern Sebastian Schonlau, Bakery Jatta und Jonas Meffert sind gleich. Das Quartett soll verlängern und weiterhin das Gerüst bilden. Nach dem Zweitligaverbleib wird auch mit Sonny Kittel über eine Weiterbeschäftigung gesprochen. Offen ist hingegen die Zukunft von Ludovit Reis und Robert Glatzel. Beide haben Ausstiegsklauseln. Reis kann für festgeschriebene 7,5 Millionen Euro gehen, will in die Bundesliga. Aber welcher Erstligist zahlt diesen Preis für den Mittelfeldmann, der im letzten Saisondrittel und insbesondere auch in beiden Relegationsspielen unter seinen Möglichkeiten geblieben ist?

Torjäger Glatzel ist für nur 1,5 Millionen zu haben. Für ihn gibt es, obwohl er wie schon in der Vorjahres-Relegation auch gegen den VfB torlos geblieben ist, einen Markt. Das Bestreben von Trainer und Sportvorstand aber ist es, den Kader nicht nur zusammenzuhalten, sondern im Idealfall besser zu machen. Boldt kündigt trotz der größeren Konkurrenz durch die Absteiger Schalke und Hertha BSC den sechsten Anlauf Richtung Bundesliga: "Wir werden alles in die Waagschale werfen, um aus dieser Liga rauszukommen."

Sebastian Wolff

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