Bundesliga

Herthas neue Strategie: Nach Berlin und in die Welt

Umwandlung des Olympiastadions in Fußballarena vom Tisch

Herthas neue Strategie: Nach Berlin und in die Welt

Ingo Schiller will die Internationalisierungs-Bemühungen von Hertha BSC vorantreiben.

Ingo Schiller will die Internationalisierungs-Bemühungen von Hertha BSC vorantreiben. imago

Auf dem Trainingsplatz von Hertha BSC tat sich am Dienstagvormittag vergleichsweise wenig. Einen Tag vor der Generalprobe gegen Drittligist Hallescher FC am Mittwoch lag der Schwerpunkt bei den Berlinern auf dem Einstudieren von Spielzügen, zunächst im neuen 3-4-3-System, dann im gewohnten 4-2-3-1. Mit dabei waren auch die zuletzt angeschlagenen Routiniers Fabian Lustenberger (Prellung der Hüftmuskulatur) und Per Skjelbred (Oberschenkelprobleme). Jordan Torunarigha brach die Einheit ab, weil bei dem Innenverteidiger erneut Nasenbluten auftrat. "Wir haben ihn reingeschickt, die sollen das checken. Das ist besser. Es war ja nicht das erste Mal", sagte Trainer Pal Dardai.

Anders als im sportlichen Bereich gab es bei Hertha auf anderen Themenfeldern einiges an Bewegung. Der Tabellen-Zehnte der Vorsaison, der in der vergangenen Spielzeit mit einem Minus von 4438 den mit Abstand höchsten Zuschauerrückgang der 18 Bundesligaklubs verzeichnete (im Schnitt kamen 42.946 Fans zu den Heimspielen, in der Saison 2016/17 waren es 47.384), stellte am Dienstagmittag seine neue Saisonkampagne vor. Diese steht unter dem Motto "In Berlin kannst du alles sein. Auch Herthaner" und soll den Klub über diverse Aktionen wieder näher an Berlin und die Berliner rücken sowie für mehr Präsenz in der Hauptstadt sorgen. "Die Leitidee der Kampagne ist es, den Verein Hertha BSC mehr in den zwölf Berliner Bezirken stattfinden zu lassen", teilte der Klub mit.

Teil der Kampagne ist neben den bereits angekündigten Gratis-Tickets für Kinder unter 14 Jahren unter anderem auch die Wiederaufnahme der zuletzt ausgesetzten "Kiez-Trainings". Bei diesen führt Hertha eine Trainingseinheit seiner Profimannschaft (inklusive Rahmenprogramm für die Fans) bei Berliner Amateurvereinen durch. Die erste dieser insgesamt sechs für die neue Saison vorgesehenen Veranstaltungen ist für die erste Länderspielpause geplant und soll am 4. September im südlichen Bezirk Tempelhof-Schöneberg auf dem Gelände des TSV Mariendorf über die Bühne gehen.

Internationalisierungs-Bemühungen: Dardai wusste nichts von Schillers Plänen

Fast gleichzeitig zu dieser Rückbesinnung auf die Heimatstadt äußerte sich interessanterweise Herthas Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller über die Internationalisierungs-Bemühungen seines Klubs. Diese sollen vorangetrieben werden. "Bei uns steht für das Jahr 2019 definitiv eine Auslandstour auf der Agenda. Entweder als Wintertrainingslager, direkt nach dem Saisonende im Mai oder in der Sommervorbereitung auf die Saison 2019/20", kündigte Schiller im Interview mit dem Magazin SPONSORs an und erklärte, dass die Reise "entweder nach Asien oder in die USA" gehen solle.

Angesprochen auf diese Pläne zeigte sich Trainer Dardai am Dienstagmittag überrascht. "Mit mir hat noch keiner gesprochen", sagte der Ungar und meinte: "Wenn es so sein soll, machen wir das mit. Warum auch nicht? Aber es darf kein Störfaktor in der Vorbereitung sein."

Absage an Umbau des Olympiastadions in reine Fußballarena

Daneben sorgte am Dienstag auch die Stadionfrage für Gesprächsstoff. Hertha möchte bekanntlich bis 2025, wenn der Mietvertrag für das Olympiastadion endet, in einer eigenen, kleineren Arena mit 55.000 Plätzen spielen. Diese soll auf dem Olympiagelände entstehen, also in Nachbarschaft zur bisherigen Spielstätte. Das Land Berlin als Eigentümer des Areals (mitsamt Olympiastadion) müsste einem Neubau dort allerdings zustimmen und dem Verein ein Grundstück überlassen. Neben einer neuen Arena, die in Konkurrenz zum Olympiastadion stehen könnte, wurde auf Initiative der Politik in den vergangenen Monaten auch ein Umbau des Olympiastadions diskutiert. Der Idee einer Umgestaltung des Olympiastadions in ein reines Fußballstadion erteilte Berlins Innen- und Sportsenator Andreas Geisel aber nun eine Absage.

Er halte das für "ziemlich ausgeschlossen", sagte der SPD-Politiker dem RBB, "auch vor dem Hintergrund, dass wir eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung gemacht haben". Ein Umbau des Olympiastadions in eine reine Fußballarena koste rund 200 Millionen Euro. Eine solche Summe "Steuergelder einzusetzen und Hauptnutzer Hertha BSC sagt hinterher, so wolle er es nicht, ist ganz schön viel Geld. Das halte ich für ausgeschlossen", sagte Geisel.

Damit dürfte nur noch ein Umbau des Olympiastadions in eine Multifunktions-Arena bleiben, bei dem Machbarkeit und Kosten allerdings noch zu klären wären – oder aber eben der vom Klub präferierte Neubau im Olympiapark. Für diesen müsste sich Hertha als bisheriger Hauptmieter des Olympiastadions wohl auf ein Nachnutzungskonzept für seine bisherige Spielstätte einlassen und – wie von Geisel schon einmal gefordert – eine Konkurrenzausschlussklausel akzeptieren. Diese solle verhindern, "dass kulturelle und sportliche Großereignisse in die neue Arena abgezogen werden", wie Geisel formuliert hatte. Sprich: Das Olympiastadion soll ohne den Hauptmieter Hertha BSC und regelmäßige Veranstaltungen nicht zum Finanzgrab und Freilicht-Museum für das Land als Eigentümer werden.

Denkbarer Neubau im Berliner Umland gilt als letzte Option

Eine Entscheidung in der Stadionfrage soll bis spätestens Anfang 2019 fallen. Sollten sich Verein und Politik weder auf einen Umbau oder Neubau einigen, ist theoretisch auch ein Weggang von Hertha ins Berliner Umland möglich. In diesem Zusammenhang wurde das brandenburgische Ludwigsfelde schon einmal ins Gespräch gebracht. Aufgrund der heftigen Proteste der Hertha-Fans, von denen ein Teil im November 2017 per (gescheiterter) Satzungsänderung Berlin als Austragungsort für die Heimspiele aller Hertha-Teams festschreiben lassen wollten, gilt ein Neubau außerhalb der Grenzen Berlins allerdings als letzte Option.

Jan Reinold

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