Bundesliga

Hertha verteidigt Fahnen-Aktion vor Derby in Berlin

Sanktionen und Zuspruch für die stadtweite Beflaggung

Hertha verteidigt Fahnen-Aktion: "Genau das wollten wir"

Anfang der Woche in ganz Berlin verteilt: Fahnen von Hertha BSC.

Anfang der Woche in ganz Berlin verteilt: Fahnen von Hertha BSC. imago images

"Wir spielen das Derby ohne Zuschauer und haben in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mehrere zehntausend Fahnen in der Stadt verteilt. Damit wollten wir ein bisschen Derby-Stimmung, ein bisschen Derby-Fieber erzeugen", sagte Marcus Jung, Herthas Leiter Kommunikation und Medien, zu Beginn der Spieltags-Pressekonferenz am Mittwoch. "In einer normalen Welt mit normalem Ablauf, wenn wir mit Zuschauern hätten spielen dürfen, hätten wir diese Fahnen am Spieltag vor dem Stadion selber verteilt. Dass solche Aktionen unterschiedlich diskutiert werden, war uns bei der Abwägung vorher völlig klar."

Die vom Klub initiierte und von einer Werbe- und Kommunikations-Agentur und deren Mitarbeitern und Helfern in der Nacht zum Dienstag umgesetzte Guerilla-Aktion sorgte im eigenen Lager für reichlich Zuspruch - und passt zur aktuellen Klub-Kampagne mit dem Slogan "Wo die Fahnen blau-weiß weh'n", die eine Hommage ans Vereinslogo ist.

Wenn wir bei Hertha nichts machen, kommt nächste Woche vielleicht Coca-Cola und will seinen Weihnachts-Truck aufstellen.

Arne Herz (CDU) zur Fahnen-Aktion

Bereits im jüngsten Heimspiel gegen Borussia Dortmund (2:5) waren Herthas Profis mit einem zur Kampagne passenden Sondertrikot aufgelaufen. Kein Verständnis für die in sämtlichen zwölf Bezirken umgesetzte Aktion zeigten derweil die Behörden. Der Charlottenburg-Wilmersdorfer Stadtrat für Ordnungsangelegenheiten, Arne Herz (CDU), kündigte in der Berliner Morgenpost ein Bußgeld wegen Sondernutzung von Straßenland ohne Genehmigung an.

Zudem wird dem Vernehmen nach gegen die beteiligte Agentur ein Ordnungswidrigkeits-Verfahren eingeleitet. Eine Agentur-Mitarbeiterin war beim Verteilen der Flaggen erwischt worden. Mit der Null-Toleranz-Politik sollen potenzielle Nachahmer von ähnlichen PR-Aktionen abgehalten werden. Dem Berliner "Tagesspiegel" sagte Herz: "Wenn wir bei Hertha nichts machen, kommt nächste Woche vielleicht Coca-Cola und will seinen Weihnachts-Truck aufstellen."

Hertha-Sprecher Jung: "95 Prozent aller Reaktionen waren positiv"

Klub-Sprecher Jung betonte am Mittwoch, dass sich Hertha für die Entsorgung übriggebliebener Fähnchen in der Pflicht sieht: "Selbstverständlich sehen wir uns im Nachgang in der Verantwortung, Fahnen zu entfernen, wenn welche übrig bleiben. Wir stehen da mit den Behörden in Kontakt. Grundsätzlich war der Gedanke, dass die Fans sich diese Fahnen mitnehmen können und am Freitag vorm Fernseher mit uns mitfiebern. Mehr als 95 Prozent aller Reaktionen, die wir bekommen haben, waren positiv. Das ist das, was für uns wichtig ist. Wir haben es geschafft, vielen Hertha-Fans in dieser tristen Zeit ein bisschen Freude zu bereiten. Genau das wollten wir. Am Ende ist es wie immer im Leben: Es gibt unterschiedliche Sichtweisen."

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