Bundesliga

Hertha BSC: Pause für Dedryck Boyata und Myziane Maolida

Piatek Joker-Kandidat fürs Leipzig-Spiel

Hertha gibt Diagnosen bekannt: Pause für Boyata und Maolida

Einer von zwei Verletzten am Freitagabend: Myziane Maolida.

Einer von zwei Verletzten am Freitagabend: Myziane Maolida. imago images/Matthias Koch

Am frühen Samstagnachmittag kam die Gewissheit. "Muskelverletzungen im hinteren Bereich des Oberschenkels" kommunizierte Hertha BSC - bezogen auf Abwehrchef Dedryck Boyata und Angreifer Myziane Maolida. Der belgische Nationalspieler hatte sich am Freitagabend im Heimspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth ohne gegnerische Einwirkung verletzt und bereits nach 27 Minuten seinen Platz räumen müssen. Der französische Neuzugang Maolida - in Bochum als Joker Torschütze, gegen Fürth erstmals in der Startelf - musste nach 68 Minuten den Rasen verlassen.

Es war der zweite Sieg binnen sechs Tagen, den Hertha teuer bezahlt hat. In Bochum waren die Abwehrkräfte Jordan Torunarigha (Oberschenkel) und der mittlerweile an der Schulter operierte Lukas Klünter außerplanmäßig ausgeschieden. Jetzt fallen auch Boyata und Maolida für die kommenden Aufgaben aus.

Die Abwehr-Optionen werden knapp

Ohne Boyata, Torunarigha und den sowohl rechts als auch in der Innenverteidigung einsetzbaren Klünter werden die Abwehr-Optionen allmählich knapp. Gegen Fürth führte Niklas Stark die Talente Marton Dardai (19) und den für Boyata eingewechselten Linus Gechter (17) mit Erfolg. Ein Tor aus dem Spiel heraus kassierten die Berliner nicht. Linksfuß Dardai und Rechtsfuß Gechter ähneln sich in ihren Anlagen: Beide spielen erfrischend unbekümmert, sind fußballerisch hervorragend ausgebildet und mit ihren unverkennbaren Qualitäten in der Spieleröffnung ein Gewinn.

Allerdings kam Innenverteidiger Dardai gerade aus einer Verletzung am Sprunggelenk zurück. Auch nach einem Härtetest am Mittwoch, zwei Tage vor dem Spiel, stand sein Einsatz gegen Fürth lange auf der Kippe. "Marton sollte auf  Empfehlung der Fitnessabteilung gar nicht spielen", berichtete sein Vater Pal Dardai am Tag nach dem zweiten Saisonsieg. "Wir sind ins Risiko gegangen nach der langen Pause. Er hatte nach 60 Minuten Probleme und musste sich durchbeißen." Als Reaktion auf den Abwehr-Engpass sollen in den nächsten Tagen weitere Jugendspieler zu den Profis stoßen.

Für Maolida "ist das hart"

Die Gründe für die Verletzungsschwemme verortet der Coach nicht in etwaigen Unzulänglichkeiten in der Trainings- und Belastungssteuerung, sondern im holprigen Rhythmus der betroffenen Profis gerade während der Saisonvorbereitung. Torunarigha spielte für Deutschland bei Olympia, Boyata für Belgien die EM (und fiel schon im August wochenlang aus), Maolida stieß erst am letzten Tag der Transferperiode dazu. Als Neuzugang habe man vieles in kurzer Zeit zu erledigen, nicht nur die sportliche Umstellung, so Dardai: "Wenn einer neu in Berlin landet: Wohnung, Möbel, Freundin, Frau, Mama, Papa, Versicherungen - das ist hart. Und dann verletzt man sich am Muskel."

Den wie Marton Dardai gerade aus einer Verletzung zurückgekehrten Marvin Plattenhardt (Adduktorenverletzung) ließ Herthas Trainer gegen Fürth nach 45 Minuten vorsorglich draußen, um keine Folgeverletzung zu provozieren. "Puls 300" diagnostizierte Dardai beim Linksverteidiger. "Da hat man die Läufe gemerkt." Plattenhardt ist am Samstag, wenn Hertha bei RB Leipzig gastiert, körperlich eine Woche weiter.

Dardai macht Piatek Hoffnung für Leipzig

Und auch Krzysztof Piatek, der sich Mitte Mai das Sprunggelenk gebrochen hatte, könnte eine weitere Trainingswoche dem ersehnten Comeback deutlich näherbringen. Dardai machte dem Polen am Samstag Hoffnung: "Es sieht sehr gut aus. Die letzten zwei Wochen waren von der Belastung bei ihm bundesligareif. Wir müssen natürlich aufpassen, dass wir nicht irgendwas kaputt machen, aber wir können ihn langsam mitnehmen als Joker. Er hat die meisten Tore bei uns als Joker gemacht. Warum soll er in Leipzig nicht reinkommen und ein Joker-Tor machen?"

Hertha kann Piatek fraglos gebrauchen. Bei allem Jubel über die starke Reaktion auf den Rückstand gegen Fürth, die spielerische Steigerung nach der Pause und den Traum-Einstand von Neuzugang Jurgen Ekkelenkamp, der 87 Sekunden nach seiner Einwechslung traf: Im Sturmzentrum sucht Hertha weiterhin die passende Besetzung. Neuzugang Ishak Belfodil hat in allen Bereichen Luft nach oben und weiter zu wenig Bindung. Joker Davie Selke brachte bei seinem Comeback (nach Rippenanbruch) Energie und Intensität, muss aber im Abschluss abgeklärter werden und beim Sichern von Bällen cleverer. Und Maolida, der bei OGC Nizza öfter im Sturmzentrum auflief und gegen Fürth neben Belfodil in der Spitze spielte, fällt jetzt ebenso aus wie Offensiv-Allrounder Stevan Jovetic (Wade). Die Zeit könnte reif sein für Piatek.

Steffen Rohr

Bilder zur Partie Hertha BSC - SpVgg Greuther Fürth