2. Bundesliga

Hertha BSC reduziert die Verluste deutlich

Halbjahresfinanzbericht der KG nennt ein Saisonminus von 22 Millionen Euro

Hertha BSC reduziert die Verluste deutlich

Hertha BSC ist auf Sanierungskurs.

Hertha BSC ist auf Sanierungskurs. IMAGO/Picture Point

Falls es für tiefrot noch eine Steigerung gibt, hätte eine Verwendung an der Stelle Sinn gemacht. Es waren desaströse Zahlen, die Geschäftsführer Thomas E. Herrich bei der ordentlichen Mitgliederversammlung Mitte Oktober für das abgelaufene Geschäftsjahr 2022/23 präsentierte. Erträgen von 123,7 Millionen Euro standen Ausgaben von 222,8 Millionen gegenüber, die Hertha BSC Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) schloss 2022/23 mit dem Rekordminus von 99,1 Millionen Euro ab - nachdem bereits die Bilanzen 2021/22 (Minus von 79,75 Mio. Euro), 2020/21 (Minus von 77,9 Mio. Euro) und 2019/2020 (Minus von 53,5 Mio. Euro) Dokumente des wirtschaftlichen Irrsinns waren. Der Expansionkurs der Vergangenheit, Langzeitverträge für etliche Profis mit zum Teil horrenden Gehältern, ein aufgeblähter Verwaltungsapparat - all das hing Hertha wie ein Klotz am Bein.

"Knallharter Sanierungskurs in allen Bereichen"

Herrich, der den Klub im Frühjahr 2023 öffentlich einen Sanierungsfall genannt hatte, gab im Oktober aber auch einen vergleichsweise positiven Ausblick. "Mittlerweile decken die Einnahmen erstmals nach längerer Zeit wieder die Ausgaben. Das war in den letzten Jahren nie der Fall", erklärte Herrich damals. "Wir werden zum 30. Juni 2024 ein nahezu ausgeglichenes Betriebsergebnis bekommen und das vorgegebene Ziel, dass wir 2025 ein nahezu ausgeglichenes Betriebsergebnis haben wollen, in dieser Saison schon nahezu realisieren können - aufgrund eines knallharten Sanierungskurses in allen Bereichen."

Der aktuelle Halbjahresfinanzreport für den Zeitraum vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2023 zeigt, dass Herthas eingeschlagene Richtung stimmt, auch wenn das Ziel eines "nahezu ausgeglichenen Betriebsergebnisses" für 2024/25 mutmaßlich nicht erreicht wird. Demnach erwirtschaftete Hertha im zweiten Halbjahr 2023 einen Verlust von 10,263 Millionen Euro - im Vergleichszeitraum des Jahres 2022 war ein Fehlbetrag von 44,644 Millionen Euro aufgelaufen. Für die Rückrunde 2023/24 kalkuliert der Bundesliga-Absteiger mit einem weiteren Minus von 11,7 Millionen Euro, damit würde für 2023/24 insgesamt ein Defizit von etwa 22 Millionen Euro zu Buche stehen: nach dem Rekordminus von 99,1 Millionen in 2022/23 ein deutlicher und alternativloser Schritt nach vorn.

Nur einer vor Luthe: Längste Abstände zwischen zwei Bundesligaspielen für einen Klub

Verantwortlich für die Kostenreduzierungen sind vor allem erhebliche Einsparungen beim Personal (mehr als 50 Millionen Euro) und beim Sachaufwand (knapp 20 Mio.). Die Verbindlichkeiten, die zum Stichtag 30. Juni 2022 bei 80,8 Millionen Euro gelegen hatten und zum 30. Juni 2023 auf 102,3 Millionen Euro angewachsen waren, konnten auf 72,35 Millionen zurückgefahren werden. Größter Posten auf der Einnahmenseite (insgesamt 57,27 Mio.) waren im Berichtszeitraum Spielerverkäufe (24,438 Mio.) und TV-Gelder (14,7 Mio.).

Interessant: Im Bericht wird aufgeführt, dass Hertha-Investor 777 Partners, der 78,8 Prozent der KG-Anteile hält, bisher 53 Millionen Euro von 75 Millionen Euro gezahlt habe. Die fehlenden 22 Millionen Euro sollen während der zweiten Saisonhälfte fließen. Beim Einstieg des US-Private-Equity-Unternehmens im März 2023 war ein Gesamtinvest-Volumen von 100 Millionen Euro genannt worden. Die letzte Tranche in Höhe von etwa 25 Millionen Euro dürfte damit im Verlauf der Saison 2024/25 fließen. Nur dank der 777-Gelder hatte der Traditionsklub vor einem Jahr mutmaßlich einen Lizenzentzug verhindert.

Zentraler Baustein für die Erteilung der Zweitliga-Lizenz war seinerzeit eine Verlängerung der 2018 aufgelegten 40-Millionen-Euro-Nordic-Bond-Anleihe um zwei Jahre bis November 2025 - inklusive einer Zinssatzerhöhung von 6,5 auf 10,5 Prozent pro Jahr. Klar ist nach kicker-Informationen: Sollte Hertha in dieser Saison den Aufstieg verpassen, wird das Personal-Budget für den Lizenzspieler-Kader in der kommenden Saison weiter reduziert. Profis mit teuren Altverträgen (Jonjoe Kenny, Marc Oliver Kempf) sind dann trotz laufender Verträge Verkaufskandidaten. Dass der Vertrag von Deyovaisio Zeefuik nicht verlängert wird, steht intern bereits fest.

Steffen Rohr

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