Bundesliga

Heiko Herrlich: "Ein Lungenflügel war praktisch nicht mehr da"

Augsburgs Trainer über seine Krankheit und seine Rückkehr

Herrlich: "Ein Lungenflügel war praktisch nicht mehr da"

Heiko Herrlich

Heiko Herrlich steht nach auskurierter Lungenverletzung am Wochenende wieder als FCA-Trainer an der Seitenlinie. imago images

"Ich fühle mich gut", sagt Herrlich am Dienstagmittag am Telefon. Am Montagvormittag wurde der 48-Jährige nach elf Tagen aus dem Krankenhaus entlassen, abends leitete er erstmals wieder das Training. Am Samstag wird er beim Spiel gegen Spitzenreiter Leipzig auf die Bank zurückkehren. "Es ist mit den Ärzten besprochen, dass ich wieder voll dabei sein kann. Ich soll aber schauen, dass ich nicht zu häufig schreie", berichtet der FCA-Coach und versichert: "Ich bin an der Linie aktiv, wenn es nötig ist. Und wenn mir mal die Luft wegbleiben sollte, habe ich gute Co-Trainer, die mich sofort unterstützen können."

Herrlich ist guter Dinge und spricht offen über die zurückliegenden Tage - auch wenn die gewiss nicht angenehm waren. In der Nacht von 1. auf 2. Oktober verspürte Herrlich, nachdem er hatte husten müssen, "ein komisches Gefühl in der Brust, das stach so ein bisschen rein". Er schlief zunächst weiter und begab sich am nächsten Morgen zu Mannschaftsarzt Dr. Andreas Weigel. Ein tags zuvor gemachter Corona-Test war negativ ausgefallen, doch beim Abhören der Lunge gab es auf einer Seite kein Geräusch. Weigel schickte Herrlich deshalb zur Computertomographie. Mit dem ärztlichen Rat, er möge lieber ein Taxi nehmen als zu Fuß zu gehen.

In dem Moment merkst du plötzlich: Die Lunge geht wieder auf. Da war mir erst bewusst, wie viel gefehlt hat.

Heiko Herrlich

"Das CT", erzählt Herrlich, "hat ergeben, dass ein Lungenflügel praktisch nicht mehr da war." Ein doch sehr drastischer Satz, dessen Wirkung er mit einem Schmunzeln am Ende abmildert. Mit der Diagnose Pneumothorax begab sich Herrlich ins Krankenhaus. Dabei handelt es sich um ein Krankheitsbild, bei dem Luft in den Raum zwischen Lunge und Brustkorb gelangt, was zu einem Zusammensacken des betroffenen Lungenflügels führt. "Die Ärzte haben mir versichert, dass in Deutschland niemand an so etwas stirbt, weil es gut versorgt werden kann. Ich habe das nicht als etwas ganz Schlimmes wahrgenommen", berichtet Herrlich.

Im Krankenhaus bekam er mit einem Stich durch die Rippen eine Drainage gesetzt, Unterdruck sorgte dafür, dass sich die Lunge wieder entfaltet. "In dem Moment merkst du plötzlich: Die Lunge geht wieder auf. Da war mir erst bewusst, wie viel gefehlt hat. Der eine Lungenflügel hat relativ viel kompensiert, das war auch eine Überraschung für Dr. Weigel", erzählt Herrlich. Um das Risiko zu verringern, dass die Probleme erneut auftreten, entschied er sich zusätzlich zu einer Operation, die am Montag vor einer Woche durchgeführt wurde. Die zwei Schläuche zwischen Herrlichs Rippen wurden Ende vergangener bzw. Anfang dieser Woche entfernt.

Groß, schlank, "mittelalt": Herrlich passt fast ins Muster

Ungewiss bleibt die genaue Ursache. "Das können die Ärzte nicht im Detail beantworten. Ob es am Husten lag oder nicht, ist Spekulation", sagt Herrlich. Er habe jedenfalls gelernt, dass man beim Husten nicht auf dem Rücken liegen, sondern aufrecht sitzen sollte, das sei sicherer. Von einem Pneumothorax seien häufig junge Männer betroffen, die groß und schlank sind. "Ich empfinde das als Kompliment", scherzt Herrlich. Er sehe sich zwar als "mittelalt", passe ansonsten aber ins Muster. Ähnlich wie FCA-Kapitän Jeffrey Gouweleeuw, der 2016 einen Lungenkollaps erlitten hatte.

Gegen Leipzig zurück an der Seitenlinie

Das 0:0 in Wolfsburg am 3. Spieltag verfolgte Herrlich vom Krankenhaus aus. "Ein komisches Gefühl" sei das gewesen, "du würdest gerne das eine oder andere Mal reinrufen". Doch die Gesundheit stand im Vordergrund. Mit der Arbeit seiner Co-Trainer und dem Punktgewinn war Herrlich zufrieden. Das wäre er vermutlich auch am Samstag gegen Leipzig. Mit Impulsen von der Seitenlinie will er diesmal wieder selbst zu einer weiteren Überraschung beitragen.

David Bernreuther