2. Bundesliga

Hengen erhört das Volk: Funkel erfüllt Sehnsüchte beim FCK

Über 500 FCK-Fans begrüßen den neuen Trainer

Hengen erhört das Volk: Funkel erfüllt Sehnsüchte

Hat die Arbeit beim FCK aufgenommen: Friedhelm Funkel.

Hat die Arbeit beim FCK aufgenommen: Friedhelm Funkel. IMAGO/Jan Huebner

Ein Volksentscheid hätte in Kaiserslautern in dieser Woche kein anderes Ergebnis gebracht. Der Trainer müsse raus, skandierte das Stadion am Wochenende nach der 1:2-Heimniederlage gegen Paderborn. Mit Dimitrios Grammozis war ein großer Teil der Anhänger in der Pfalz vom ersten Tag an nicht wirklich warm geworden.

Thomas Hengen verlor erst jetzt den Glauben an die gemeinsame Wende. Anders formuliert: Der Geschäftsführer hat das Fußballvolk erhört. Nach kicker-Informationen war nämlich der steigende öffentliche Druck neben der offensichtlichen sportlichen Misere einer der entscheidenden Punkte, mit denen man Grammozis sein Aus erklärte.

Der durfte am Dienstagnachmittag noch eine öffentliche Trainingseinheit leiten - und wurde zu später Stunde um 22.30 Uhr noch einmal auf den Betzenberg zitiert. Da dürfte ihm längst gedämmert haben, dass dies seine letzte Amtshandlung in Diensten der Roten Teufel sein wird. Am Mittwochmorgen folgte die offizielle Bestätigung. Nach nur 73 Tagen musste der 45-Jährige seinen Trainerstuhl räumen. Fünf Niederlagen in sechs Ligaspielen sowie eine mitunter missverständliche und schlechte Kommunikation kosteten ihn den Job, den selbst der Einzug ins DFB-Pokalhalbfinale nicht retten konnte.

Grammozis darf sich nicht mehr von der Mannschaft verabschieden

Am Mittwochvormittag wollte er sich noch von der Mannschaft verabschieden. Dieser explizite Wunsch wurde ihm nicht erfüllt. Hengen stellte das recht diplomatisch dar. Man sei übereingekommen, dass es das Beste für ihn wäre. Nun gut. Ihn wenige Stunden vor seinem Aus, dass jeder Pfälzer mit halbwegs klarem Fußballsachverstand kommen sah, noch eine Trainingseinheit leiten zu lassen, war schon nicht die ganze feine Art.

Doch auch Hengen muss man verstehen. Ihm kann und darf es nur um den Verein gehen - einen entscheidenden Fehler wollte er daher partout vermeiden: einen Trainer entlassen, ohne einen Nachfolger parat zu haben. So erging es dem 49-Jährigen Ende November, als er Dirk Schuster vor die Tür setzte. Die zeitlichen Abläufe machten damals deutlich, dass Grammozis nach der Absage mehrerer Wunschkandidaten eine Notlösung war.

Der Nachfolger war diesmal recht zügig gefunden. "Es war die Prämisse, dass wir einen Trainer holen, der es bis zum Ende der Saison macht", erklärte Hengen am Mittwochnachmittag. Wie praktisch, dass sich dieses Anforderungsprofil und der Wille des Volkes bei einem Mann treffen: Friedhelm Funkel. Sehnsüchte finden zusammen. Schon unzählige Male erhoffte sich das Volk in Kaiserslautern genau diesen Trainer. "Er ist genau der richtige Mann am richtigen Ort", betonte Hengen. "Er hat eine Vita, die seinesgleichen sucht. Er ist sehr erfahren und ist als Spieler auch eine FCK-Größe gewesen. Er hat im Fußball schon Sachen mitgemacht, die man in diesen wichtigen Momenten wie jetzt braucht."

Hengen spürt das Feuer bei Funkel

Der habe mit inzwischen 70 Jahren wieder das "Feuer gespürt. Wir haben registriert, dass er für die Aufgabe brennt und sind uns dann relativ schnell einig geworden", so Hengen. Funkel hat zwei klare Aufgaben. Die eine ist sportlicher Natur: die Klasse halten. Gelingt es ihm, die mit 43 Gegentoren schwächste Defensive der Liga zu stabilisieren, ist die halbe Miete geschafft. Für den Rest muss es ihm gelingen, die Kabine wieder zu einen. Nach kicker-Informationen bröckelt es dort am Zusammenhalt an einigen Ecken. Der immense Kaderumbruch mit sechs Neuzugängen im Winter hat das gelinde gesagt nicht besser gemacht. Ganz im Gegenteil. Nur wenn der FCK wieder als Einheit auftritt, ist er stark genug, die Abstiegssorgen auf Dauer von sich zu schieben. Als Autoritätsperson ist Funkel dafür prädestiniert.

Über 1000 Zuschauer bei Funkels erstem Training

Die andere Aufgabe ist auf der menschlichen Ebene. Er muss Fans und Verein wieder zusammenführen. Dafür muss er im ersten Schritt gar nicht viel tun. Bei seinem ersten Training am Mittwochnachmittag platzte der Parkplatz aus allen Nähten. Auf die Tribünen von Platz 4 im Schatten der WM-Arena strömten über 1000 Zuschauer. Bei leichtem Regen, Fritz-Walter-Wetter, was auch sonst. Nicht wenige der Anwesenden dürften Funkel selbst noch kicken gesehen haben. Etwa am 17. März 1982, als Real Madrid mit 0:5 auf dem Betzenberg unterging. Die ersten beiden Tore erzielte Funkel.

Eine solch glorreiche Vergangenheit ist vielleicht bei keinem Verein in Deutschland so viel Wert wie beim FCK. Einfach auch deswegen, weil die Erinnerungen an die großen Tage der Klubgeschichte die stolzen Fans schon durch zahlreiche Täler des Trauerns geführt hat. Um ein weiteres davon zu verhindern, bleiben Funkel noch 13 Spiele Zeit. Und nebenbei hat er ja noch die reizvolle Aufgabe, den Klub mit nur einem Sieg ins DFB-Pokalfinale zu führen. Dass dies die Mannschaft im Erfolgsfall nicht vom überlebenswichtigen Tagesgeschäft abhält, dafür wird Funkel schon sorgen.

Moritz Kreilinger

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