Bundesliga

Thomas Helmer: "Immer nur Hoffnung, reicht bei Bayern nicht"

Ex-Bayern-Profi Thomas Helmer im Podcast "kicker Daily"

Helmer: "Immer nur auf Hoffnung zu setzen, reicht auch bei Bayern nicht"

Ist dem Fußball noch immer verbunden, als Experte oder auch als Teil der Legenden-Mannschaft des FC Bayern: Thomas Helmer.

Ist dem Fußball noch immer verbunden, als Experte oder auch als Teil der Legenden-Mannschaft des FC Bayern: Thomas Helmer. IMAGO/Crystal Pix

Das 2:3 in Heidenheim war nur ein weiteres anschauliches Beispiel dafür, dass es in dieser Saison nicht gut läuft für den FC Bayern. "Ich weiß gar nicht wie lange es her ist, dass sie so eine Krise hatten", rätselte Thomas Helmer (244 Spiele, 31 Tore für den FC Bayern) im Podcast "kicker Daily" und meinte: "Logischerweise muss das mehr als zehn Jahre her sein." Die Ursachen seien vielfältig. Da wäre beispielsweise die Situation von Thomas Tuchel, dessen Aus im Sommer bereits feststeht.

Tuchels Niedergang begann Helmer zufolge, als dieser anfing, zu sagen, dass er selbst nicht wisse, was los sei. "Er war ein bisschen hilflos - und diese Hilflosigkeit, die er nach außen verkörpert, ist nicht gerade gut", meint Helmer, für den Tuchels fachliche Qualitäten außer Frage stehen. "Er versucht sehr viel, aber vielleicht gelingt es ihm nicht, aus dieser Mannschaft ein Team zu bilden - also eine Einheit, die in schweren Spielen da ist." Schwierige Spiele seine dabei nicht die in der Champions League, das seien "Selbstläufer, da ist es leichter, Spannung aufzubauen". Die "große Kunst" sei, das auch in der Bundesliga zu schaffen.

Helmer hält es nicht für sinnvoll, sich gleich von Tuchel zu trennen, dieser Zug sei bereits abgefahren. "Jetzt ist es zu spät", meint der 58-Jährige und mutmaßt, warum die Münchner überhaupt an Tuchel weiter festgehalten haben, nachdem klar gewesen sei, dass der den Klub im Sommer wieder verlassen wird. "Ich glaube, dass man nach der Nummer mit Julian Nagelsmann" nicht noch einmal einen ähnlich geraten Fall mit viel medialem Getöse haben wollte. "Deswegen hat man gehofft, dass es irgendwie gutgeht. Aber: Immer nur auf Hoffnung zu setzen, reicht auch bei Bayern nicht." Allgemein sei an der Säbener Straße in dieser Saison "viel unglücklich gelaufen".

Die ungeklärte Trainer-Frage

Sicher ist: Auf die Münchner und Sportvorstand Max Eberl kommt eine Menge Arbeit zu - Personal muss geholt werden, aber vor allem ein neuer Trainer. Die Wunschlösung Xabi Alonso sagte ab, bleibt vorerst in Leverkusen, auch Ralf Rangnick wies Spekulationen vehement zurück, bleibt noch Roberto de Zerbi von Brighton Hove & Albion.

Einige Spieler haben das als Alibi hergenommen.

Thomas Helmer über die schlechten Deutsch-Kenntnisse von Giovanni Trapattoni

"Für de Zerbi spricht sein guter Ruf, Jürgen Klopp hat ihn geadelt und er ist einer, den man auch bekommen könnte", sagt Helmer und verweist auf die Wichtigkeit, dass ein Trainer seine Ideen der eigenen Mannschaft gut vermittelt - naturgemäß ist das schwieriger, wenn es eine Sprachbarriere gibt; de Zerbi spricht kein Deutsch. Dennoch sieht Helmer das nicht als großes Problem, weil "in der Bayern-Kabine angeblich alles auf Englisch kommuniziert wird" und de Zerbis "Englisch-Kenntnisse sollten ganz gut sein, wenn er Brighton trainiert".

Verständnisprobleme: Giovanni Trapattoni gibt Thomas Helmer (re.) Anweisungen.

Verständnisprobleme: Giovanni Trapattoni gibt Thomas Helmer (re.) Anweisungen.

Aus eigener Erfahrung weiß Helmer aber auch, dass es schwierig werden kann, "wenn ein Trainer seine Idee nicht in seiner Sprache und Art vermitteln" könne. "Das habe ich damals aus dem Fall Trapattoni gelernt." Giovanni Trapattoni hatte den FC Bayern 1994/95 und von 1996 bis 1998 trainiert, legendär seine "Flasche-Leer-Ansprache", die er in gebrochenem Deutsch gehalten hat.

Trapattonis schlechte Deutsch-Kenntnisse hätten damals "einige Spieler als Alibi hergenommen", verrät Helmer, aber für den Italiener sei es "viel schlimmer gewesen, dass er es den Spielern nicht so erklären konnte, wie er es wollte."

Helmers Vorstellung des Bayern-Trainers

Im Hinblick auf die Frage, was für einen Trainer die Bayern denn brauchen, hat Helmer konkrete Vorstellungen: "Der Trainer sollte nicht zu unerfahren sein und schon eine gewisse Erfahrung mitbringen, da es nicht so einfach mit so vielen Nationalspielern und Stars ist. Im Optimalfall wäre das jemand wie Jupp Heynckes oder Ottmar Hitzfeld, die das sehr gut moderiert haben und die die nötige Ausstrahlung hatten." Einen konkreten Namen nannte er nicht, verwies lieber darauf, dass es eine komplexe Frage ist. "Wer das genau sein kann, da rätseln wir alle - nicht nur Max Eberl."

Im Gespräch mit den kicker-Redakteuren Carsten Schröter-Lorenz und Michael Bächle spricht Helmer bei "kicker Daily" auch über personelle Fehler, die Tuchel gemacht haben könnte und erörtert die knifflige Lage in der FCB-Hintermannschaft. Auch geht er der Frage nach, auf welchen Positionen der Rekordmeister nachlegen müsste, er benennt dabei den Spieler, der wunderbar zu Jamal Musiala passen könnte und verrät, warum es für den Fall einer Übergangslösung auf dem Trainerstuhl jemanden wie Franz Beckenbauer  bräuchte.

drm

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