Bundesliga

Heißer Poker mit Marseille: Hertha will Radonjic

Der Serbe soll fest verpflichtet werden

Heißer Poker mit Marseille: Hertha will Radonjic

Will zurück nach Berlin: Nemanja Radonjic.

Will zurück nach Berlin: Nemanja Radonjic. imago images

Im strömenden Regen und vor etwa 100 Zuschauern gab sich Pal Dardai gut gelaunt. "Mein Akku ist voll, ich habe die dreieinhalb Wochen Urlaub richtig genossen. In Ungarn war schöne Gastronomie und schönes Wetter. Die ganze Familie war zusammen", sagte Herthas Coach beim Trainingsauftakt am Mittwoch. Die neuen Gesichter, die er und die Fans zu sehen bekamen, waren überwiegend vertraute Gesichter.

Davie Selke (Bremen) und Dennis Jastrzembski (Paderborn, Waldhof Mannheim), die nach jeweils eineinhalb Leih-Jahren zurückgekehrt sind, mischten zum Start mit. Der Einstieg von Arne Maier, in der Vorsaison nach Bielefeld verliehen, ist für den morgigen Donnerstag geplant. Dann reist Hertha ins brandenburgische Neuruppin, wo bis zum 7. Juli die konditionell-athletischen Grundlagen für die neue Saison gelegt werden sollen.

KPB im Zentrum der Aufmerksamkeit

Neben dem für sieben Millionen Euro Sockelablöse vom FC Schalke verpflichteten Suat Serdar galt die Aufmerksamkeit der Fans am Mittwoch in erster Linie Kevin-Prince Boateng, dem verlorenen und nach 14 Jahren in der Fremde heimgekehrten Sohn. Keiner bekam zur Ouvertüre im Hanns-Braun-Stadion auf dem Olympiapark-Gelände mehr Beifall, keiner musste nach der knapp 85-minütigen Einheit so viele Selfie- und Autogrammwünsche erfüllen wie er.

"Als er hier vor vier Jahren bei uns auf dem Gelände allein trainiert hat, habe ich dem Manager gesagt, dass wir versuchen sollten, ihn zurückzuholen", sagte Dardai über Boateng, mit dem er zwischen 2005 und 2007 zusammengespielt hatte. "Damals war es nicht möglich. Jetzt ist dieser Moment gekommen. Es gibt nichts Schöneres, als wenn eins unserer vielen Talente weggeht, woanders erfolgreich ist, zurückkommt und seine Erfahrung an unsere jungen Spieler weitergibt."

Wir haben ältere Spieler in der Vergangenheit immer fit bekommen.

Pal Dardai

Dass sich Boateng zuletzt nur in der Serie B in Monza verdingt hat, bereitet Dardai keine Kopfschmerzen: "Ich weiß, wie sein körperlicher Zustand ist. Wir haben ältere Spieler wie in der Vergangenheit Vedad Ibisevic und Salomon Kalou immer fit bekommen. Menschlich werden wir auch sehr gut klarkommen, das sind wir immer."

Auch Hochkaräter könnten Hertha verlassen

Kevin-Prince Boateng

Zurück in Berlin: Kevin-Prince Boateng. imago images

Mit Boateng, Serdar und Maier hat Hertha das zentrale Mittelfeld prominent verstärkt. Komplett ist der Kader damit längst noch nicht. Abgänge - von Talenten wie Jessic Ngankam und Daishawn Redan, aber auch von Hochkarätern wie Olympia-Fahrer Matheus Cunha, Kapitän Dedryck Boyata und Dodi Lukebakio - sind ein realistisches Szenario.

Und auf den offensiven Außenbahnen, in der Vorsaison nicht adäquat besetzt, braucht Hertha frisches Personal. Öffentlich werde er nicht sagen, wie viele neue Spieler er sich noch wünsche, sagte Dardai am Mittwoch: "Fredi (Geschäftsführer Fredi Bobic, d. Red.) weiß es. Wir haben Zeit. Aber natürlich brauchen wir noch Flügelspieler."

Hertha will Radonjics Preis drücken

Der Top-Kandidat für links ist ein alter Bekannter: Hertha will nach kicker-Informationen Nemanja Radonjic (Vertrag bis 2023) fest verpflichten und verhandelt mit dessen Stammklub Marseille. Ende Januar hatte Hertha den serbischen Nationalspieler ausgeliehen. Nach wochenlangen Leistenbeschwerden zeigte der blitzschnelle, aber charakterlich nicht ganz einfache Linksaußen am Saisonende in den Schlüsselspielen um den Klassenerhalt seine stärksten Leistungen.

Dennoch entschied sich Hertha Ende Mai, die im Leihvertrag verankerte Kaufoption in Höhe von 11,5 Millionen Euro nicht zu ziehen. Das Kalkül: Da Marseille auf Einnahmen angewiesen ist, hofft Hertha darauf, Radonjic für deutlich weniger Ablöse verpflichten zu können. Seit Tagen läuft der Poker hinter den Kulissen auf Hochtouren. Olympique fordert aktuell dem Vernehmen nach noch über 8 Millionen. Hertha will den Preis weiter drücken - und hat ein gewichtiges Argument auf seiner Seite: Der Spieler will unbedingt zurück nach Berlin.

Steffen Rohr

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