Bundesliga

Heidel im Interview: "Ich finde Schürrles Verhalten sehr korrekt"

Der ehemalige Mainz-Manager über das Karriereende des Weltmeisters

Heidel im Interview: "Ich finde Schürrles Verhalten sehr korrekt"

André Schürrle und Christian Heidel

Kennen sich aus Mainzer Tagen: André Schürrle und Christian Heidel. imago images

Herr Heidel, als Mainz-Manager haben Sie die ersten Schritte von André Schürrle im Leistungsbereich miterlebt, hat Sie sein frühes Karriereende überrascht?

Ich hatte in der letzten Zeit keinen Kontakt mehr zu ihm. Wenn ein Fußballer mit 29 Jahren ohne größere gesundheitliche Probleme seine Karriere beendet, ist das sicherlich sehr außergewöhnlich, deswegen war es auch für mich überraschend.

Fühlen Sie mit ihm, wenn er sagt, aus seiner Sicht sei die Kritik teilweise überhart gewesen?

Erst einmal möchte ich sagen, dass ich eine große Hochachtung vor Andrés Schritt besitze, weil er überaus ehrlich ist. Ich bin sicher, dass André irgendwo untergekommen wäre, deshalb finde ich es außerordentlich bemerkenswert, dass ein junger Mann sagt: Ich bin nicht mehr so motiviert, mir macht es nicht mehr diese Freude. Er erkennt dann auch womöglich, dass so die Leistung nicht mehr stimmen kann. Natürlich kann er sich aufgrund seiner sportlichen Vergangenheit diesen Schritt leisten, aber andere Spieler in vergleichbaren Situationen hat es nicht gestört, trotzdem zu versuchen, irgendwo einen Vertrag zu bekommen.

Lassen Sie uns auf die öffentliche und mediale Kritik an Schürrle zurückkommen ...

... auch hier finde ich es sehr ehrlich, wenn sich ein Spieler hinstellt und sagt, ich habe keine Lust mehr auf diesen Druck, deswegen höre ich auf. Wir wissen doch alle, dass man im Fußball-Geschäft von morgens bis abends bewertet wird - bei Spielern ist es am extremsten. Dafür wird man gut bezahlt, aber trotzdem kann es dir die Freude vermiesen. Ich finde sein Verhalten sehr korrekt und ziehe den Hut davor, auch wenn ich ihn gerne noch zwei, drei Jahre auf hohem Niveau Fußballspielen gesehen hätte.

Wie betrachten Sie als gebürtiger Mainzer seinen Werdegang?

Ich habe seine Karriere von der FSV-Jugend an verfolgen können, er hat eine tolle Karriere hingelegt, und er wird durch seine Vorlage im WM-Finale für immer in den Geschichtsbüchern bleiben. Man wird ihn in bester Erinnerung behalten, auch wegen des sauberen Abschieds.

Schürrle wechselte mit 15 Jahren zu Mainz 05, wann haben Sie gespürt, dass ein großer Spieler aus ihm werden kann?

Das will ich an einem Beispiel schildern: 2009 gewannen wir das Finale um die deutsche A-Jugend-Meisterschaft gegen Borussia Dortmund. Jürgen Klopp war damals im Stadion, er war Dortmunds Bundesligatrainer. Nach dem Spiel haben wir uns lange unterhalten, "Kloppo" sagte: "Zehn bessere Fußballer haben gegen die bessere Mannschaft verloren, der eine bessere Fußballer auf Mainzer Seite, das ist Schürrle." André war schon in der A-Jugend der Unterschiedsspieler. Er kam dann mit 18 Jahren mit unserem bisherigen A-Jugendtrainer Thomas Tuchel zu den Profis. In seinem ersten Bundesligajahr machte André 33 Spiele, in seinem zweiten schoss er 15 Tore - so etwas schaffen ganz, ganz wenige.

Interview: Michael Ebert

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