2. Bundesliga

Nürnberg: Heckings Führungsstrukturen sitzen - Kein Sportdirektor

Nürnberg: Wiesinger mehr eingebunden

Heckings Führungsstrukturen sitzen

Sportvorstand Dieter Hecking im Austausch mit NLZ-Leiter Michael Wiesinger.

Sportvorstand Dieter Hecking im Austausch mit NLZ-Leiter Michael Wiesinger. imago images

Vor rund sieben Wochen hat Dieter Hecking den Posten des Sportvorstands beim 1. FC Nürnberg angetreten - mit dem Ziel, dem Traditionsverein nach einer Katastrophen-Saison sportlich wieder eine stimmige Perspektive zu verpassen. Ein Vorhaben, bei dem es erste erkennbare wie hoffnungsvolle Ergebnisse zu erkennen gibt, siehe die Trainer- wie auch die Kaderbesetzung. Dazu gehört auch, dass es generell bei den Führungsstrukturen nach dem Ende der höchst unglücklichen Ära von Robert Palikuca nur noch ums Feintuning geht.

Verpflichtung eines Sportdirektors ist vom Tisch

Das große Ganze hat sich bereits nach den ersten Wochen von Heckings Wirken abgezeichnet. Siehe das Thema Sportdirektor. In der Findungsphase des FCN hatte der 56-Jährige noch davon gesprochen, sollte er den Zuschlag erhalten, einen Sportdirektor zu verpflichten. Schnell wurde dann jedoch klar, dass er dies nicht machen wird und stattdessen auf eine interne Lösung setzt.

Mit dem ehemaligen U-19- und U-21-Kapitän Sebastian Gärtner "schnappte" er sich den bislang als Projektleiter tätigen ehemaligen Ex-Spieler und arbeitete ihn als seine rechte Hand ein (der kicker berichtete). Der 27-Jährige hat seine Sache so ordentlich gemacht, dass Hecking nunmehr auf "nordbayern.de" erstmals offiziell verkündete, was sich seit Längerem abgezeichnet hat: "Es ist nicht mehr nötig, einen Sportdirektor zu verpflichten."

Hecking hat ein genügend großes Team um sich herum

Rein von außen betrachtet kann man dem nur zustimmen. Wäre nämlich noch ein Sportdirektor geholt worden, hätte man zwingend fragen müssen, warum? Hecking hat als Boss im sportlichen Bereich alles im Griff und auch ein für Zweitligaverhältnisse genügend großes Team um sich herum. Es wäre schon mal sehr schwierig geworden, den Arbeitsbereich und die Kompetenzen eines Sportdirektors klar abzugrenzen - zum Beispiel zu Florian Meier, der offiziell als Leiter der Lizenzabteilung geführt wird.

Nicht zu vergessen den finanziellen Aspekt: Solch ein neuer Posten hätte Geld gekostet, und dies mehr als 1,50 Euro. Apropos Finanzen. Sehr erstaunlich ist, wie gelassen sich der FCN bei diesem Thema gibt, während die Konkurrenz von großen Einsparungen spricht. Siehe den Nachbarn aus Fürth. Um 20 Prozent hat er seinen Etat herunterfahren müssen - ohne wie der Club im Sommer Führungsfiguren entlassen oder Ablösen für Neuzugänge hingeblättert zu haben. Nur der Umstand, bislang keine nennenswerten Transfererlöse erzielt zu haben, ist beiden Verein gemein.

Wiesinger als dritter Vorstand?

Doch zurück zu den Führungsstrukturen des FCN. In diese hat Hecking auch verstärkt den NLZ-Leiter Michael Wiesinger eingebunden. Den Auftakt dazu bildete das Trainer-Casting, bei dem Wiesinger mit am Tisch saß. Und es macht ja auch gerade für einen Verein Sinn, der sich die Nachwuchsförderung groß auf die Fahnen geschrieben hat, dem Nachwuchsleiter mehr Gewicht zu verleihen.

Und wer weiß, vielleicht ergibt sich daraus ja auch ein neues Führungskonstrukt: Drei Vorstände kann der FCN laut Satzung berufen, mit Niels Rossow (Kaufmännischer Leiter) und Hecking ist das Kontingent nicht ausgeschöpft. Den Leiter des NLZ auf die Vorstandsebene zu heben, wäre möglich, hätte Signalwirkung und würde den FCN auch davor bewahren, wie vor eineinhalb Jahren im Fall von Bornemann/Köllner mitten in der Saison ganz ohne sportliche Führung dazustehen. Und die Finanzen müsste so ein Schritt auch nicht über Gebühr belasten, schließlich gibt es keine fixierte Gehaltstabelle für Vorstände.

Virtuelle Jahreshauptversammlung am 20. Oktober

Dafür sorgen kann der Aufsichtsrat, der bei der Jahreshauptversammlung am 20. Oktober ein neues Gesicht bekommen wird. Mit Dr. Thomas Grethlein, Stefan Müller und Günter Koch endet die Amtszeit von drei aus dem neunköpfigen Gremium - während Grethlein, derzeit Aufsichtsratsvorsitzender, erneut kandidiert, tritt die Radio-Reporter-Legende nicht mehr an. Müller hat sich bisher noch nicht festgelegt. Die Wahl könnte, je nach Bewerberliste, spannend werden, denn erstmals findet die Versammlung virtuell statt - und dies wird dazu führen, dass von den gut 24.400 Mitgliedern deutlich mehr als früher von ihrem Stimmrecht Gebrauch machen.

Chris Biechele

Mit klarem Spitzenreiter: Die ewige Zweitliga-Tabelle