Bundesliga

Heckings Entscheidung wird seiner Verantwortung gerecht

Kommentar von kicker-Redakteur Thiemo Müller

Heckings Entscheidung wird seiner Verantwortung gerecht

Dass Fußballlehrer als Führungsfiguren eine deutlich höhere Verantwortung in Sachen Vereins- und Vertragstreue eingehen als ihre Spieler - unstrittig! Aus finanziellen oder sportlichen Erwägungen das nächstbeste Angebot anzunehmen, wäre charakterschwach. Hecking freilich führt andere Gründe an. Gründe, die seinen Schritt rechtfertigen?

Der passende Maßstab findet sich jenseits des Showgeschäfts Fußball: Wer fünf Kinder in die Welt setzt, ist heute unter gesellschaftspolitischem Aspekt ein Vorbild. Wer sich redlich müht, diesen Kindern eine intakte Familie zu bieten, umso mehr. Dass sich die Großfamilie nicht Hunderte von Kilometern in eine Stadt verpflanzen lässt, in der ihr Vater nur bis zur nächsten Niederlagenserie berufliche Sicherheit besitzt, liegt auf der Hand. Sicher: Auch viel schlechter bezahlte Arbeitnehmer müssen für den Job Gleiches in Kauf nehmen. Doch Hecking hatte jetzt - und eben nur jetzt - die Chance, das zu ändern. Seine Verantwortung als Familienvater über die als Trainer zu stellen, ist mehr als legitim. Bleibt Hannovers Wildern beim Konkurrenten, das Bayern-Manager Uli Hoeneß als "unanständig" geißelt. Wäre ein Verbot, vertraglich gebundene Trainer "anzugraben", die Lösung? Wohl kaum. Denn wer könnte beweisen, von welcher Seite die Kontaktaufnahme wirklich ausging? Eine Frage, die sich auch im Fall Hecking so oder so beantworten lässt.

Thiemo Müller