2. Bundesliga

Hauptrollen für Thiounes Sorgenkinder

Jatta, Kittel und Kinsombi glänzen, doch der Trainer denkt schon weiter

Hauptrollen für Thiounes Sorgenkinder

Sonny Kittel (re.) und Bakery Jatta glänzten beim HSV-Kantersieg gegen Osnabrück.

Sonny Kittel (re.) und Bakery Jatta glänzten beim HSV-Kantersieg gegen Osnabrück. imago images

Bakery Jatta spielte lange eine Nebenrolle im System des neuen Trainers, Sonny Kittel als Rotsünder, überspitzt formuliert, die Schurkenrolle. Und David Kinsombi spielte gar keine. Gegen Thiounes Ex-Klub waren sie Hauptdarsteller und nähren die Hoffnung im Verein, dass sie und die gesamte Mannschaft endlich ihre Rolle gefunden haben.

Jatta: Hohes Tempo und gewaltige Physis

Jatta hatte schon unmittelbar vor der kurzen Weihnachtspause, beim 2:1 in Karlsruhe, reüssiert. "Baka braucht immer noch das eine oder andere Gespräch, den einen oder anderen Hinweis. Und er muss in den Arm genommen werden", erklärt der Coach. Vor allem aber benötigt der Gambier eine Aufgabe, die seinen Fähigkeiten entspricht. Thioune hatte im ersten Saisondrittel bevorzugt mit Dreierkette spielen lassen. Für Jatta bedeutete das entweder einen Platz als Außenverteidiger oder einen als eingerückter Offensivspieler. Meistens aber war gar kein Platz. Seit der Trainer im 4-3-3 spielen lässt, demonstriert der Flügelstürmer: In seiner Paraderolle ist er in dieser Liga nicht von vielen Gegenspielern aufzuhalten und bahnt sich mit seinem Tempo und seiner gewaltigen Physis Wege, die eigentlich gar nicht frei scheinen.

Thioune sucht bei Kittel die richtige Balance

Kittel hingegen stand sich in der Vergangenheit oft selbst im Weg, ist so etwas wie der Gegenentwurf zu Jatta: Fußballerisch fraglos hoch begabt, jedoch immer wieder umstritten wegen seiner Körpersprache. Er erwies sich und der Mannschaft einen Bärendienst mit seiner frühen Ampelkarte gegen Hannover, bereitete beim Comeback in Karlsruhe den Siegtreffer vor, spielte zuletzt wieder nachlässig vor einer Woche in Nürnberg. Thioune stärkte ihn dennoch. "Ich weiß, dass einige Jungs hier etwas kritischer gesehen werden." Und er ist bemüht, die richtige Balance im Umgang mit dem Ex-Frankfurter zu finden. Er stützte ihn nach schwachen Vorträgen, und er überschlägt sich nicht in Jubelarien nach einer Kittel-Gala mit einem Treffer und zwei Vorlagen wie am Montag. "Sonny hat ein ordentliches Spiel gemacht."

Auf der Suche nach dem richtigen Maß war der Ex-Osnabrücker auch lange bei Kinsombi. "Er hatte einen schlechten Saisonstart, und in den Momenten, wo er sich zeigen konnte, hat er es sein lassen. Wir hatten dann ein gutes Gespräch vor Weihnachten. Ich glaube, das hat gut getan. Ich hoffe, dass er sein Level hält, dass er jetzt endlich angekommen ist in Hamburg. Mir gefällt, was er derzeit zeigt."

Thioune gegen zu schnelle Zufriedenheit

Thioune ist nicht bemüht, den runden Auftritt seiner Formation gegen den Heimatverein kleinzureden, er legt auch kein abdunkelndes Tuch über die Glanzleistungen einstiger Sorgekinder. Er fordert aber die Bestätigung. "Samstag", sagt er, "haben wir wieder ein Spiel." Bei Kellerkind Braunschweig. Und der Trainer hat ganz offensichtlich schnell und viel über den HSV und über Einzelne gelernt: In der Vergangenheit waren es nicht selten Aufgaben wie die nun kommende, noch dazu im Anschluss an gute Auftritte, die zur Stolperfalle wurden, weil zu schnell Zufriedenheit Einzug gehalten hatte.

Sebastian Wolff

Dreimal HSV und immer wieder Raum: Die kicker-Elf des 16. Spieltags