Bundesliga

SC Freiburgs Hartenbach: "Habe nur Spieler-Beine gesehen"

Freiburgs Sportdirektor erklärt im kicker seinen notorischen Blick nach unten

Hartenbach: "Ich lag auf dem Boden und habe nur die Spieler-Beine gesehen"

Er weiß, wo der SC Freiburg herkommt: Klemens Hartenbach.

Er weiß, wo der SC Freiburg herkommt: Klemens Hartenbach. imago images

Noch nie hatte der Sport-Club in seiner Geschichte nach 15 Spielen eine so gute Bilanz in der Bundesliga. Der historische Höhenflug lässt die Mannschaft von Christian Streich bei vier Zählern Rückstand nominell als ersten Bayern-Jäger überwintern. Hartenbach hat dennoch ganz andere Teams im Blick. "Ich ertappe mich noch dabei, dass ich zuerst schaue, wie beispielsweise im Moment Stuttgart, Hertha oder Bochum gespielt haben. Vielleicht ist es blöd, aber es läuft automatisch so", sagt der 58-Jährige im großen kicker-Interview.

Dem früheren Torwart ist bewusst, dass er dafür von vielen Menschen belächelt wird. "Ich weiß, aber es ist mir völlig egal. Ich bin so und mache das nicht wegen künstlichem Understatement", sagt Hartenbach: "Unsere Jungs lächeln in der Kabine auch, wenn sie vor oder nach dem Spiel meine Anspannung spüren. Es hat auch nichts damit zu tun, dass ich uns nichts zutraue. Es ist das Wissen, woher wir kommen."

"Deshalb bin ich noch so fokussiert darauf, nach unten zu schauen"

Um zu verdeutlichen, was er damit meint, erzählt der langjährige Sportdirektor und Chefscout der Freiburger offenherzig eine sehr persönliche Anekdote. "Ich lag im Dreisamstadion am drittletzten Spieltag 2018 in der zweiten Halbzeit gegen Köln im Physio-Raum auf dem Boden und habe durch ein schmales Fenster nur die Beine der Spieler gesehen. Wir haben 2:0 geführt, dann macht Bittencourt zwei Tore und Pizarro hat eine tausendprozentige Chance für den FC, bevor Lucas Höler kurz vor Abpfiff das 3:2 schießt."

Das war seinerzeit ein absoluter Big Point im Abstiegskampf: "Wenn wir das Spiel verloren hätten, wäre die Wahrscheinlichkeit abzusteigen nicht gering gewesen. Das will ich möglichst nicht mehr erleben. Deshalb bin ich noch so fokussiert darauf, nach unten zu schauen. Je größer der Abstand zu Platz 16 ist, desto beruhigter bin ich. Es kann einfach sehr schnell gehen."

Ob schnell oder langsam - diese Saison wird angesichts der Stabilität des Streich-Teams und des großen Vorsprungs in diese Richtung aller Wahrscheinlichkeit nach nichts mehr passieren. Selbst Hartenbach verspricht: "Wenn der Abstand irgendwann so groß wird, dass ein komplettes Abrutschen utopisch wird, höre ich auch mal auf davon zu sprechen." Spätestens bei Erreichen der magischen 40-Punkte-Marke sollte es so weit sein.

Im großen kicker-Interview (Montagsausgabe oder im eMagazine) gewährt Hartenbach tiefe Einblicke in die im Sommer so erfolgreiche Freiburger Transferarbeit, spricht über Sportchef-Partner Jochen Saier, die Weiterentwicklung sowie die größte Aufgabe des SC und erklärt, warum er sich bei Heimspielen nach der Pause meist im Büro abschottet.

Carsten Schröter-Lorenz

So viel Spielzeit sammeln die Eigengewächse der Bundesligisten - Union Schlusslicht