Bundesliga

Zum Tod von Harald Landefeld: Ein Jahrhundert Fußball

Der ehemalige kicker-Reporter verstarb am Freitag im Alter von 96 Jahren

Harald Landefeld: Ein Jahrhundert Fußball

Harald Landefeld überreicht Klaus Allofs die kicker-Torjägerkanone.

Harald Landefeld überreicht Klaus Allofs die kicker-Torjägerkanone. imago images/Pfeil

Ein knappes Jahrzehnt seiner 96 Jahre schenkte Landefeld dem kicker, dessen Redaktion er bis 1990 angehörte, als Reporter für den FC Schalke, den VfL Bochum und Borussia Dortmund. Im Fußball-Westen war er bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Seine Liebe gehörte den "Knappen", stundenlang konnte Landefeld "Dönekes" erzählen über die Hoch und Tiefs der Schalker, deren große Zeit er in den 1930er Jahren als "Steppke" miterlebt hatte. Mitglied aber wurde er beim FC Schalke erst mit 94 Jahren.

Enge Freundschaft zu Helmut Rahn

Klein und flink war Landefeld und nicht auf den Mund gefallen. Als er merkte, dass es für eine Karriere im Sport nicht reichen wird, versuchte er es im Sportjournalismus - mit Erfolg. 1954 saß er im Berner Wankdorf-Stadion, als die deutsche Nationalmannschaft Weltmeister wurde. Unter den Journalisten war er der letzte lebende Augenzeuge des Spiels, das man bis heute "Das Wunder von Bern" nennt. Eine enge Freundschaft pflegte Landefeld zu Helmut Rahn, die beiden Essener schrieben 1959 gemeinsam die erste Autobiografie des "Boss": "Mein Hobby: Tore schießen". So manches "Pilsken" floss bei der Arbeit zum Buch durch die Kehlen der beiden "Kollegen", es waren halt andere Zeiten, Harald aber schon damals immer einer, der wusste, wann Schluss ist.

Mit dem "Sportbeobachter" schuf er ein Medium, das schon vor vielen Jahrzehnten an Schnelligkeit kaum zu überbieten war. Rund 20 Minuten nach Spielschluss der Bundesliga-Partien lag die Zeitung druckfrisch in den Bahnhöfen des Ruhrgebiets aus, schneller ging's nicht, unterstützt wurde er dabei tatkräftig von seiner Frau Lilly, "der" - wie er mir einmal stolz versicherte - "schnellsten Stenotypistin westlich des Urals." Er telefonierte die Spielberichte durch, seine Frau nahm sie per mechanischer Schreibmaschine auf und schickte sie zur Druckerei. Heute unvorstellbar, damals eine Sensation.

Sein Beruf führte ihn um die Erdkugel, beim ersten Länderspiel der noch jungen Bundesrepublik in der UdSSR 1955 war er in Moskau ebenso dabei wie bei Welt- und Europameisterschaften bis 1986. Anschließend blieb er - wie er es nannte - "im Stall, sollen mal die Jungen ran". Leben und leben lassen - das war seine Devise, wir jüngeren Kollegen lernten nicht nur eine Menge von ihm, wir lachten vor allen Dingen gerne und oft über seine Geschichten, seinen trockenen Ruhrpott-Humor. Und profitierten von seiner Erfahrung, seiner Hilfsbereitschaft. Harald Landefeld, fast ein Jahrhundert Fußball: Wir werden sein Andenken in Ehren bewahren.

Frank Lußem