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Halle-Coach Behring: "Es ist ein Schlag ins Gesicht"

NOFV: Reaktionen auf Oberliga-Entscheid

Halle-Coach Behring: "Es ist ein Schlag ins Gesicht"

René Behring, Coach des VfL Halle, will sich mit der Verbands-Entscheidung nicht abfinden.

René Behring, Coach des VfL Halle, will sich mit der Verbands-Entscheidung nicht abfinden. IMAGO / Hartmut Bösener

Es ist eine Spielzeit 2020/21, die in die Geschichte eingehen wird: Die 34 Teams der beiden Oberliga-Staffeln im Nordosten Deutschlands haben in dieser Saison lediglich zwischen acht und elf Partien absolviert. Fest steht nun: Der Abbruch kommt, bevor sich alle Teams zumindest einmal miteinander messen konnten - von den 32 Spieltagen, die in der Saison für eine Entscheidungsfindung vorgesehen waren, ganz zu schweigen. Und dennoch hat der nun beschlossene Saisonabbruch für manche von ihnen weitreichende Konsequenzen.

Auf der einen Seite ist da natürlich Freude: Nord-Vertreter Tasmania Berlin (neun Partien, 2,33 Quotient) steigt ebenso in die Regionalliga auf wie der FC Eilenburg (neun, 2,22). "Trotz aller Anstrengungen hat nun also auch der Glücksfaktor eine gewisse Rolle bei unserem Aufstieg gespielt, keine Frage - dennoch sind wir der Ansicht, dass der Verein für den unter diesen Umständen betriebenen Aufwand belohnt worden ist", freuen sich die Berliner auf die 4. Liga - und diese "könne es ihrerseits über einen weiteren Verein mit klangvollem Namen tun." Auch der FC Eilenburg meldet sich zu Wort: "Unser Respekt gilt an dieser Stelle unseren Kontrahenten in der bisherigen Oberliga. Wir wissen, dass die jetzige Entscheidung wohl einmalig ist und auch bleiben wird", klingt beim FCE auch ein bisschen Mitgefühl mit durch.

Das Nachsehen haben Teams, die nur ein Hauch vom Aufstieg trennt. Lediglich aufgrund des schlechteren Torverhältnisses schaut im Süden etwa der VfL Halle (neun, 2,22) in die Röhre. Zwar gratuliert der VfL dem Kontrahenten aus Eilenburg und zeigt Verständnis für den Abbruch, äußerte aber in Person von Geschäftsführer Gregor Schoenecker Kritik: "Am Ende sollte die Fairness siegen", sagte er dem "MDR". Deutlicher wurde da Cheftrainer René Behring: "Eine solche Entscheidung ist ein Schlag ins Gesicht. Für mich ist es nicht tragbar, nach neun Spieltagen über Auf- und Abstieg zu entscheiden", so Behring gegenüber der "MZ". Man werde das Geschehen "weiterhin aufmerksam verfolgen und - so es nötig wird - auch selbst aktiv werden", schreibt der VfL auf seiner Homepage. Auch Rot-Weiß Erfurt (neun Partien, 2,0) muss in der Oberliga bleiben und sendet kritische Töne: "Es ist schade, denn das ist aus unserer Sicht keine gerechte Lösung, wenn nach neun Spieltagen ein Aufsteiger am Grünen Tisch ermittelt wird. Wir werden diese Entscheidung dennoch so akzeptieren, auch wenn wir sie als unsportlich betrachten", so Geschäftsführer Franz Gerber. Erfurt hatte sich im Vorfeld für ein Mini-Turnier stark gemacht, um so den Aufsteiger zu ermitteln.

In der Nord-Staffel halten sich die beiden Teams, die sich nach Quotientenregel hinter Tasmania Berlin einreihen müssen, mit öffentlicher Kritik zurück: Sowohl der SC Staaken (acht Partien, 2,0) als auch der Greifswalder FC (neun Partien, 1,89) senden Glückwünsche in Richtung Hauptstadt.

Ein Fall für die Sportgerichte?

Bitter hat es natürlich auch die designierten Absteiger erwischt. Nach nur acht absolvierten Spielen soll der FSV Wacker Nordhausen nun in Liga 6. "Wir werden weiterkämpfen", erklärt FSV-Präsident Torsten Klaus, der bereits in einem Brief an das Präsidium des NOFV eine kritische Sichtweise auf diese modifizierte Abstiegsregelung zum Ausdruck brachte. Sein Schreiben aber stieß bei den Entscheidungsträgern auf taube Ohren: "Die Entscheidung des NOFV lässt uns fassungslos, aber nicht mutlos zurück. Wir sind der festen Überzeugung, dass es aufgrund der geringen und unterschiedlichen Anzahl der durchgeführten Spiele nicht möglich ist, die derzeitige Tabellenauswertung als Gradmesser für einen verpflichtenden Abstieg heranzuziehen", so Klaus, der nun juristische Schritte gegen diesen am "grünen Tisch erwirkten Zwangsabstieg" prüfen lassen will. Neben Nordhausen muss aus der Süd-Staffel auch der FC Carl Zeiss Jena II runter (elf, 0,36).

Aufatmen darf hingegen Lok Stendal (neun Partien, 0,56): Weil der FC Strausberg seinen Oberliga-Rückzug schon zeitig bekannt gab, bleiben die Kicker aus der Altmark der Liga erhalten. Aufgrund des schlechteren Torverhältnisses erwischt es hier den Brandenburger SC Süd (neun, 0,56). Stendal-Vizepräsident äußert sich auf Facebook erleichtert: "Zuallererst sind wir erst einmal froh, dass der Verband endlich eine Entscheidung getroffen hat und jetzt für alle Klarheit herrscht." Natürlich habe man sich, wie sicherlich auch alle anderen, die Möglichkeit einer sportlichen Beendigung der Saison auf dem Fußballplatz gewünscht. "Wir sind aber realistisch genug, um zu akzeptieren, dass ein Spielbetrieb nach einer so langen spiel- und trainingsfreien Zeit, nicht mehr durchzuführen war." Die Auf- und Abstiegsregelung ist nach Meinung der Stendaler dagegen aus sportlicher Sicht "schwer nachvollziehbar", auch wenn man "selbst natürlich sehr erleichtert" ist.

jam / dw