Bundesliga

"Hätte bei der Schulung besser aufpassen sollen": Darum sah Hradecky Rot

Handspiel außerhalb des Strafraums

"Hätte bei der Schulung besser aufpassen sollen": Darum sah Hradecky Rot

Erst Unverständnis, dann Einsicht: Lukas Hradecky hat in Dortmund die Rote Karte von Felix Brych gesehen.

Erst Unverständnis, dann Einsicht: Lukas Hradecky hat in Dortmund die Rote Karte von Felix Brych gesehen. IMAGO/Kirchner-Media

Als die Dortmunder zu Beginn der Nachspielzeit einen langen Pass in den Lauf von Marco Reus geschickt hatten, kam Lukas Hradecky schnell aus seinem Kasten und schnappte dem Dortmunder Kapitän so den Ball förmlich vor der Nase weg (90.+1 Minute). Zunächst lief das Spiel weiter, ehe sich der VAR um Video-Assistent Pascal Müller sowie Mike Pickel auf dem Headset von FIFA-Referee Felix Brych meldete und ihn zur Sicht der Bilder bat.

Schnell war hier zu sehen, dass der Bayer-Kapitän klar außerhalb des eigenen Sechzehners hinlangte. Klares Handspiel also. Doch warum gab es im Anschluss glatt Rot?

Hier schafft ein Blick ins DFB-Regelwerk Abhilfe. Ab Seite 69 unter dem Absatz "Regel 12: Fouls und sonstiges Fehlverhalten" heißt es unter der Zwischenüberschrift "Disziplinarmaßnahmen" und "Feldverweiswürdige Vergehen" eindeutig:

"Spieler, Auswechselspieler oder ausgewechselte Spieler, die eines der folgenden Vergehen begehen, werden des Feldes verwiesen: Punkt 1: Verhindern eines Tors oder Vereiteln einer offensichtlichen Torchance des Gegners durch ein Handspielvergehen (mit Ausnahme des Torhüters im eigenen Strafraum)".

In diesem Fall hatte Hradecky aber eben nicht im erlaubten Bereich Hand gespielt, sondern eben außerhalb - und musste deshalb aufgrund ausgeschöpfter Wechselmöglichkeiten durch Innenverteidiger Edmond Tapsoba für die letzten Sekunden ersetzt werden. Und auch der VAR-Eingriff war somit gerechtfertig, darf der Kölner Keller doch bei klaren und offensichtlichen Fehlentscheidungen in den folgenden vier Fällen erfolgen: Torerzielung, Elfmeter, Platzverweis sowie Verwechslung eines Spielers. Auch das lag hierbei vor.

Tapsoba, Koller & Co.: Feldspieler, die ins Tor mussten

Hradecky zeigt sich einsichtig

Als sich der bei der knappen 0:1-Niederlage in Dortmund vom Feld verwiesene Torhüter kurz nach Spielschluss dem Interview mit "Sky" stellte, war Hradecky ob des Platzverweises noch nicht ganz sicher. So sagte der 32-jährige Finne zunächst: "Aus meiner Sicht hab ich den Ball im Strafraum gefangen. Doch jetzt (mit Sicht auf die Bilder; Anm. d. Red.) hab ich das gut gesehen. Es waren Zentimeter oder Millimeter ... maximal war ich fünf oder zehn Zentimeter draußen. Aber ich weiß nicht, ob das Verhinderung einer Torchance ist. Weil sonst hätte ich anders agiert."

Felix Brych

Klare Sache: Nach Sicht der Bilder blieb Referee Felix Brych keine andere Wahl als glatt Rot zu zücken. IMAGO/Revierfoto

Am Ende musste Hradecky deshalb eingestehen: Wenn das regeltechnisch nun einmal so klar geregelt sei, "dann ist das ok. Da hätte ich besser aufpassen sollen bei der Schiedsrichterschulung. Da hätte ich dann natürlich auch mit dem Kopf hingehen und damit eine andere Entscheidung treffen können."

Auch Brych habe ihm direkt nach dem VAR-Eingriff "trocken gesagt, dass das nun mal so ist. Das ist ja auch seine Profession. Er kennt sich da aus." Und so steht dem Kapitän der Werkself eine Sperre von mindestens einem Ligaspiel bevor und damit das sichere Verpassen des Heimspiels gegen den FC Augsburg (0:4 gegen Freiburg) am Samstag (15.30 Uhr).

Brych: "Er tat mir fast ein bisschen leid"

Wenig später sollte zudem auch noch Schiedsrichter Felix Brych zum Platzverweis Stellung beziehen. Der 47-jährige Münchner sagte: "Ich habe es ihm erklärt, ich komme mit dem Lukas ohnehin ziemlich gut aus. Es tat mir fast ein bisschen leid, dass ich da so hart entscheiden musste, aber es ging nicht anders. Es geht um die Verhinderung einer klaren Torchance und ein Vergehen außerhalb des Strafraums. Ich bestrafe das Vergehen außerhalb des Strafraums, was auch ein Foul hätte sein können. Hier war es eben Hand außerhalb des Strafraums, was der Torwart eben nicht darf. Es ist letztlich eine Notbremsenregelung, die hier angewendet wird - und klar ist das ziemlich hart."

Brych weiter: "Es ist wirklich eine komische Szene, ich hab so eine Rote Karte noch nie gegeben in der Bundesliga. Ich hab irgendwann im Amateurbereich mal sowas erlebt. Ich hab ihm auch das dann so gesagt, weil ich ihn (Hradecky; Anm. d. Red.) wirklich mag und schätze. Er ist ein fairer Sportsmann, der auch nach dem Spiel immer kommt und sich bedankt."

mag

Bilder zur Partie Borussia Dortmund - Bayer 04 Leverkusen