Bundesliga

Haaland menschelt gegen Köln - Favres milde Kritik

BVB-Tormaschine vergibt Elfmeter-ähnliche Großchance

Haaland menschelt gegen Köln - Favres milde Kritik

Ein sicheres Tor - eigentlich: Erling Haaland und seine vergebene Großchance gegen Köln.

Ein sicheres Tor - eigentlich: Erling Haaland und seine vergebene Großchance gegen Köln. Getty Images/imago images

Spätestens seit Beginn dieser Saison kommt man an den sogenannten "Expected Goals" oder kurz "xGoals" nicht mehr vorbei. Stark vereinfacht gesagt, gibt der Wert gibt an, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Torschuss von der Position aus, von der er abgegeben wurde, zu einem Treffer führt. Am besten lässt sich das am Beispiel der Elfmeter beschreiben: Die Entfernung, die Schussposition und die Positionierung des Torwarts sind immer identisch. Die Trefferquote liegt bei 77 Prozent - das heißt, 77 von 100 Elfmeter-Schüssen landen im Schnitt im Tor. Daraus ergibt sich ein "xGoals"-Wert von 0,77.

Es gibt Spieler, die erzielen mehr Tore als es der zusammengerechnete "xGoals"-Wert ihrer Torschüsse vermuten lassen würde - Dortmunds Erling Haaland zum Beispiel. Und es gibt Spieler, die müssten laut ihres "xGoals"-Werts bei zehn Saisontoren stehen, haben aber noch gar nicht getroffen. Eine ähnliche Rechnung lässt sich auch für das gesamte Team anstellen. Es ist eine Spielerei, aber durchaus eine hilfreiche, um Kräfteverhältnisse auf dem Platz möglichst gut abzubilden.

Der "xGoals"-Wert bei Haalands Chance lag bei 0,8

Für die Partie Borussia Dortmund gegen den 1. FC Köln wies die Website "Understat.com", die sich auf die Abbildung von "xGoals" in den europäischen Topligen spezialisiert hat, einen Wert von 2,76 zu 1,59 aus. Dortmund hätte demnach gewinnen müssen - verlor in Wirklichkeit aber mit 1:2. Und das hatte nicht nur, aber eben auch mit einer Szene in der allerletzten Minute zu tun. Nach einem Schuss von Youngster Youssoufa Moukoko hatte Marco Reus den Ball noch einmal in die Mitte gebracht. Und zwar so genau, dass der bislang so treffsichere Haaland nur den rechten Fuß hätte hinhalten müssen, um aus zentraler Position und nur zwei Meter Torentfernung den Ball in den Kasten vom bereits geschlagenen FC-Keeper Timo Horn zu schieben.

Der "xGoals"-Wert für diese Szene lag bei 0,8. Eigentlich also eine klare Sache für den Torjäger, oder? Nun, der Norweger, der zuvor in sieben Partien zwölf Treffer erzielt hatte, nahm seinen starken, aber nicht ideal postierten linken Fuß und traf den Ball nicht richtig. Statt ins Tor kugelte der Ball ins Toraus. Das Spiel für den BVB war verloren. Und die zuletzt nicht zu stoppende Tormaschine Haaland wirkte - wie überhaupt in der gesamten Partie - mal wieder menschlich.

Haaland: Nur 24 Ballkontakte, nur 31,29 km/h

Der 20-Jährige zählt zu jenen Spielern, die der so um eine ausgewogene Belastungssteuerung bedachte BVB-Trainer Lucien Favre in der Regel immer aufs Feld schickt. Weil Haaland zu wichtig ist, um auf ihn zu verzichten. Und weil Haaland nur ungern verzichtet. Egal, wie viele Treffer er bereits erzielt hat, der Stürmer will immer mehr, mehr, mehr. Eine vorzeitige Auswechslung? Will er nicht. Einen Platz auf der Bank zur Schonung schon gar nicht.

Gegen Köln allerdings wurde erkennbar, dass eine Pause auch ihm ab und an mal guttun würde. Haaland wirkte über die volle Spielzeit körperlich und geistig nicht voll anwesend, er kam insgesamt nur auf 24 Ballkontakte und drei Torschüsse, verlor fünf seiner acht Zweikämpfe und erreichte lediglich ein Höchsttempo von 31,29 km/h, obwohl er in der Lage ist, mehr als 35 km/h schnell zu sprinten.

Favre: "Erling hat sich zu wenig bewegt"

Einen großen Vorwurf wollte ihm Favre wegen seines dezenten Auftritts nicht machen, auch nicht wegen der vergebenen Großchance kurz vor Schluss. Aber etwas zu bemängeln hatte er dann doch: "Erling hat sich zu wenig bewegt, zu wenig Läufe in die Tiefe gemacht", sagte Favre im ZDF und äußerte damit vergleichsweise milde Kritik nach Haalands schwacher Leistung gegen Köln.

Bereits am Mittwoch dürfte Haaland die Chance bekommen, seinen gegen Köln unterbrochenen Lauf fortzusetzen. Dann steht das Champions-League-Spiel gegen Lazio Rom an. Und das ist zu wichtig, als dass Favre und der BVB dort auf Haaland, der in bislang vier Gruppenspielen sechsmal traf, verzichten könnte.

Matthias Dersch

Bilder zur Partie Borussia Dortmund - 1. FC Köln