Champions League

Kommentar zu Liverpools Finalniederlage: Gute Verlierer

Kommentar zu Liverpools Finalniederlage

Gute Verlierer

Ligapokal und FA Cup gewonnen, Meistertitel und Champions League nicht: Mohamed Salah.

Ligapokal und FA Cup gewonnen, Meistertitel und Champions League nicht: Mohamed Salah. AFP via Getty Images

Fußball ist nicht immer gerecht, Fußball ist auch nicht immer logisch. Fußball ist keine Mathematik. Und Liverpool ist genau deswegen nicht Champions-League-Sieger 2022. Trotz 7:2-Torchancen und klarster Dominanz. So spät wie diesmal war ein Champions-League-Finale noch nie angepfiffen worden und so einbahnstraßenmäßig verliefen auch wenige. Allerdings landete Liverpool in der Sackgasse der Niederlage.

Aber die Reds sind buchstäblich gute Verlierer, nicht nur wegen durchweg fairer Gesten und anständigen Verhaltens nach dem Schlusspfiff, nicht nur weil sie über weite Strecken die bessere Mannschaft waren, sondern weil sie vor allem im ersten Durchgang mit einer komplett harmonischen Spielkomposition geglänzt haben. Gewonnen haben sie nicht, weil sie fahrlässig mit ihren guten Möglichkeiten umgingen und weil Reals Krake im Kasten, Thibaut Courtois, die viel zitierten "Unhaltbaren" eben doch gehalten hat.

Und weil sie im zweiten Durchgang phasenweise Ruhe und Klarheit haben vermissen lassen sowie vor allem einmal fatalerweise einen Raum geöffnet haben (Andy Robertson), den man auf diesem Niveau und in dieser Situation einfach in der Tiefe verteidigen muss. Ohne Wenn und Aber. Es war der brutal teure Preis einer Spielphilosophie, die in diesem Moment nicht gefragt war.

Liverpool hat mal wieder seine Spielidee in die Welt getragen

Das Quadruple, also alle vier Titel auf einmal, war lange Zeit nicht so unmöglich, wie Jürgen Klopp getan hat, nur weil das noch keinem vorher gelungen war. Es war wirklich drin. Aber auch zwei Pokalsiege, beide im Elfmeterschießen gegen einen starken FC Chelsea, sind aller Ehren wert. Mehr als 90 Punkte in der stärksten Liga der Welt, in der eben Pep Guardiolas Manchester City nur diesen einen Punkt stärker war, ebenso. Wenn die Enttäuschung abgeklungen ist, werden sie in Anfield auf eine gute Saison zurückblicken. Keine sehr gute unterm Strich, aber eine, in der sie wieder mal ihre Spielidee, gekennzeichnet von Mut und Power, in die Welt getragen haben. Langfristig vielleicht mehr wert als eine Trophäe. Auch wenn das heute keiner hören will. Um die Zukunft muss sich dieser Klub mit diesem Coach keine Sekunde sorgen. Klingt nach einer guten Perspektive bis 2026. Dass er die Serie deutscher Trainersiege in der Champions League reißen ließ, die er selbst 2019 eröffnet hatte, ist nur eine Randnotiz.

Dass wohl nicht das viel schlechtere, aber ganz sicher das deutlich passivere Team letztlich die Königsklasse 2022 gewinnt, ist möglicherweise nicht gerecht. Aber danach fragt keiner. Und hat jemand gesagt, dass der Fußball gerecht ist? Eben.

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