Bundesliga

Joshua Guilavogui kritisiert Oliver Glasner - die Hintergründe

Wolfsburgs Kapitän wird deutlich - Die Hintergründe zur Attacke

Guilavogui über Glasner: "Ich bin froh, dass er weg ist"

Zerrüttetes Verhältnis: Joshua Guilavogui (re.) über Oliver Glasner.

Zerrüttetes Verhältnis: Joshua Guilavogui (re.) über Oliver Glasner. imago images

Am letzten Spieltag beim Wolfsburger 2:3 gegen Mainz - den Einzug in die Champions League hatte der VfL in der Woche zuvor bereits perfekt gemacht - verwunderte es schon. Josuha Guilavogui, der Kapitän des Tabellenvierten, verbrachte weitere 90 Minuten auf der Bank. Eigentlich, so verrät es der Franzose nun, hätte er in diesem 34. Saisonspiel seine Mannschaft auf den Rasen führen sollen.

Guilavogui aber lehnte das Angebot seines Trainers auf einen Startelfeinsatz ab. "Ich habe gesagt, dass ich das nicht mitmache", erklärt der Spieler. "Er wollte mir ein Geschenk machen, aber ich hätte danach nicht mehr in den Spiegel blicken können, wenn ich es angenommen hätte. Damit hätte er es auch nicht mehr gutmachen können, was vorher kaputtgegangen ist. Es ist zu viel passiert."

Dass Guilavogui dennoch einen Platz im Kader bekam, ist zumindest fragwürdig. Womöglich wollte der mittlerweile zu Eintracht Frankfurt gewechselte Glasner, der zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon wusste, dass es sein letztes Spiel in Wolfsburg sein dürfte, dieses Fass auch aus Eigennutz nicht mehr aufmachen. Die Situation für den Österreicher in Wolfsburg war schon kompliziert genug - und der Vertrag in Frankfurt noch nicht unterschrieben.

Guilavogui wird deutlich und klingt ganz anders als Glasner zuletzt

Bekannt ist nun: Zwischen dem Kapitän und dem Coach war es mehr als nur kompliziert. Im Fall des Mittelfeldmannes, der seit 2014 169 Bundesligapartien für den VfL absolviert hatte, war das Verhältnis offenbar sogar irreparabel zerstört. "Ich bin froh", betont er mit Blick auf Glasner, "dass er weg ist." In der Öffentlichkeit klang es zumindest aus des Trainers Mund noch im Februar ganz anders. "Er ist und bleibt unser Kapitän", hatte der 46-Jährige über den Dauerreservisten gesagt, "er ist sehr wichtig in der Kabine und sehr wichtig auf dem Platz, wenn er spielt. Ich bin froh, so einen Kapitän zu haben."

Auf Gegenseitigkeit beruht diese Zuneigung jedoch nicht. Guilavogui wird deutlich: "Im Sommer habe ich schon gemerkt, dass es eine schwere Saison für mich wird und dass sich etwas verändert hat in der Beziehung zwischen dem Trainer und mir." Die Kommunikation wurde weniger, Guilavogui, so berichtet er, habe sogar schon daran gedacht, die Kapitänsbinde abzugeben. "Ich hatte das Gefühl, der Trainer wird künftig jede kleine Verletzung nutzen, um mich auf der Bank zu lassen. Und genau so kam es dann leider auch."

Ich habe bis heute den Mund gehalten, um den Erfolg des Teams nicht zu gefährden.

Guilavogui

Sportlich angesichts der Leistungen von Maximilian Arnold und Xaver Schlager auf der Wolfsburger Doppelsechs durchaus nachvollziehbar. "Aber ich hatte nie das Gefühl, dass ich aus sportlichen Gründen draußen saß, sondern auch aus persönlichen. Es ging dabei nicht nur um Fußball", erklärt Guilavogui seine Sicht. "Daher bin ich so traurig. Ich habe bis heute den Mund gehalten, um den Erfolg des Teams nicht zu gefährden."

Auch zwischen Glasner und Weghorst stimmte es nicht

Das Team und sein Trainer. Die Probleme auf der zwischenmenschlichen Ebene - nicht nur zwischen Glasner und Guilavogui - waren in Wolfsburg schon länger vernehmbar, der kicker berichtete darüber. Offensichtlich wurde das gestörte Binnenklima immer mal wieder. Extrem nach dem Erreichen der Champions League, als Glasner in Leipzig (2:2) versuchte, Guilavogui und Torjäger Wout Weghorst zu umarmen. Guilavogui erwiderte dies noch zaghaft, Weghorst, der in den vergangenen zwei Jahren mehrmals auch selbstverschuldet mit dem Coach aneinandergeraten war, unternahm diese Anstrengung gar nicht erst.

Der Niederländer war freilich unverzichtbar für Glasner und den VfL, Guilavogui jedoch spielte kaum noch. "So oft hatte mir der Trainer Hoffnung auf einen Platz in der Startelf gemacht, die er dann mit immer neuen Ausreden wieder platzen ließ", erzählt der Franzose. "Das ging die ganze Zeit so. Das hat mich fast zerstört. Ich habe meiner Familie schon vor den Spielen gesagt, dass sie gar nicht hinschauen müssen, weil ich sowieso nicht spielen würde."

Das alles mündet nun in krassen Worten, die Guilavogui ausspricht. "Als Fußballer war ich kaputt, und auch als Mensch war ich schwer getroffen. Er ist fachlich sicherlich kein schlechter Trainer und hatte mit uns ja auch Erfolg. Aber ich bin dennoch sehr froh, dass er weg ist, weil es für mich persönlich die schlimmste Beziehung war, die ich jemals zu einem Trainer in meiner Laufbahn hatte."

Wie geht es nun weiter für Guilavogui?

Wie geht es weiter für den Führungsspieler (Vertrag bis 2023), der definitiv gewechselt wäre, wenn Glasner beim VfL weiterhin im Amt wäre? Gespräche mit Glasner-Nachfolger Mark van Bommel werden vonnöten sein. VfL-Geschäftsführer Jörg Schmadtke, auch dessen am Ende nicht mehr vorhandenes Verhältnis zu Trainer Glasner ist hinlänglich bekannt, hat sich bereits in der vergangenen Woche im kicker zur Situation seines Kapitäns geäußert. "Es war schwer für ihn", wusste der 57-Jährige und lobte Guilavogui für dessen Verhalten. "Er hat getan, was er als Kapitän zu tun hat. Ich ziehe den Hut vor ihm." Konkret beschreibt der Manager Guilavoguis Verhalten in der vergangenen Saison so: "Vorangehend, als integratives Element in der Mannschaft, leistungsstark, wenn er gespielt hat. Und das alles, obwohl seine persönliche Situation nicht perfekt war."

Schmadtkes Wunsch und Standpunkt im Fall Guilavogui ist klar: "Er hat sich in den Urlaub verabschiedet und keinen Hinweis gegeben, dass er sich verändern möchte. Ich gehe davon aus, dass er bei uns bleibt." Guilavogui weiß das zu schätzen: "Ich habe gelesen, dass Jörg Schmadtke möchte, dass ich bleibe. Dafür möchte ich mich bei ihm bedanken, denn er hat mich in dieser für mich komplizierten Saison immer unterstützt."

Thomas Hiete

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