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Gugganig im Interview: "Es ist kein Rückschritt mehr, von der 2. Bundesliga nach Österreich zu wechseln"

Abwehrspieler wieder in Österreich

Gugganig im Interview: "Es ist kein Rückschritt mehr, von der 2. Bundesliga nach Österreich zu wechseln"

Lukas Gugganig dirigiert nun in Altach die Abwehrreihe.

Lukas Gugganig dirigiert nun in Altach die Abwehrreihe. GEPA Pictures

Nach einer enttäuschenden letzten Saison, die erst mit dem Klassenerhalt am letzten Spieltag gerettet werden konnte, hoffte man beim SCR Altach auf Besserung in der neuen Spielzeit. Mit vier Punkten aus den ersten drei Spielen unter Ludovic-Magnin-Nachfolger Miroslav Klose sah das zunächst auch gut aus, danach kippten die Vorarlberger allerdings in eine Negativspirale mit fünf Pflichtspielniederlagen in Folge, aus der man sich am letzen Spieltag mit einem torlosen Remis gegen die WSG Tirol ein wenig befreien konnte.

Bundesliga - 9. Spieltag

Abwehrspieler und Neuzugang Lukas Gugganig spricht im kicker-Interview über den kleinen Schritt nach vorne, seine ersten Wochen im "Ländle" und die Arbeit unter Miroslav Klose.

kicker: Herr Gugganig, nach vier Niederlagen in der Liga konnte man mit einem Unentschieden gegen die WSG Tirol zuletzt den Negativlauf stoppen. Wie wichtig war dieser Punktgewinn in der aktuellen Phase?

Lukas Gugganig: Für uns als Mannschaft war das schon sehr wichtig. Wir hatten mit den vier Niederlagen keine gute Phase, hatten auch viele schlechte Spiele dabei und deswegen war es sehr entscheidend, dass wir gegen Wattens etwas stabiler waren und da auch verdient wieder einen Punkt geholt haben.

Es war das erste Spiel unter Cheftrainer Miroslav Klose, welches ohne Gegentreffer geendet hat. Wie viel Sicherheit kann das für die kommenden Spiele verleihen?

Es war für jeden Einzelnen wichtig, dass man sieht, auch wenn es vorne mal nicht funktioniert, dass man trotzdem einfach einen Punkt mitnehmen kann. Wir haben generell sehr wenig zugelassen, es war nicht so, dass es ein glückliches zu null war und deshalb war es für uns alle wichtig, zu sehen, dass wir gemeinsam defensiv einen guten Job machen können.

Beim Spielsystem hat man sich wieder auf eine Fünferkette festgelegt. Der Cheftrainer meinte, dass sich die Mannschaft damit "einfach wohlfühlt". Wie sind die Gespräche konkret vonstatten gegangen?

Das hat sich im Laufe der vergangenen Woche einfach so ergeben. Das Trainerteam hat zusammen mit dem Mannschaftsrat, welchem ich selbst nicht angehöre, entschieden auf dieses System gegen die WSG zu setzen. Es hat uns generell ganz gut getan, wir haben trotzdem gesagt, dass wir es gegen den Ball mit drei Spielern hinten lösen wollen, sodass die beiden Flügelspieler nicht ganz an die Kette herankommen und wir nicht zu defensiv stehen. Das hat ganz gut funktioniert, wir haben die gegnerischen Flügel gut im Griff gehabt, die beiden Stürmer in Überzahl verteidigt und haben dann auch über die Außen versucht, nach vorne anzuschieben. Es hat uns aber allgemein sehr geholfen, dass wir dann im Spiel in der Defensive immer in Überzahl waren.

Man muss sagen, dass wir viele Gegentore nicht nur deshalb bekommen haben, weil der Gegner offensiv immer sehr gut gespielt hat, sondern weil wir auch verdammt viele Fehler in der eigenen Hälfte gemacht haben.

Lukas Gugganig

Auch wenn der Trainer gerne offensiver denkt, benötigt es in der aktuellen Situation einfach zuerst ein stabiles Fundament, bevor man überhaupt spielerische Ansätze in Betracht ziehen kann?

Die Basis sollte immer hinten die Null sein, dann bist du schon mal in der Lage, mehr Spiele zu gewinnen, wenn du wenig Gegentore kriegst. Da haben wir ganz klar angesetzt, weil wir einfach viel zu viele Treffer bekommen haben. Man muss sagen, dass wir viele Gegentore nicht nur deshalb bekommen haben, weil der Gegner offensiv immer sehr gut gespielt hat, sondern weil wir auch verdammt viele Fehler in der eigenen Hälfte gemacht haben. Das haben wir mit der Umstellung auf die 5er-Kette ein wenig vermeiden wollen und da hat man gleich gesehen, dass das ganz anders ausschaut.

Wie wichtig ist es, in so einer Phase jemanden wie Miroslav Klose als Cheftrainer zu haben, der trotz dieses Negativlaufs und der teils selbstverschuldeten Gegentore immer noch sehr viel Ruhe ausstrahlt?

Das ist natürlich sehr wichtig, dass man weiß, es wird nicht auf einen draufgehauen, wenn man einmal einen Fehler macht. Wir haben es intern ganz klar angesprochen, was wir besser machen müssen und haben da auch innerhalb der Mannschaft viele Gespräch geführt und uns eingeschworen. Da ist es schon wichtig, dass man von außen nicht zu viel Druck bekommt, weil solche Fehler macht ja keiner absichtlich. Wir haben daher auch daran gearbeitet, dass wir uns als gesamte Mannschaft im Spiel gegen den Ball verbessern.

Welche Bilanz ziehen Sie generell zur bisherigen Zusammenarbeit mit dem Coach? Es ist doch seine erste Station als Cheftrainer im Klubfußball. Wie hilfreich ist es, jemanden zu haben, der selbst Profi war und die Mechanismen kennt?

Die Zusammenarbeit ist von Anfang an positiv gewesen. Wenn man da draußen so einen Typen stehen hat, der weiß, wovon er spricht, weil er solche Situationen schon selbst erlebt hat, gibt das einem natürlich Sicherheit. Das ist wichtig für uns alle, dass wir einen Trainer haben, der an uns glaubt und uns helfen kann, wenn es einmal nicht so gut läuft.

Die Top-Sommertransfers der österreichischen Bundesliga

Einer, der Ihnen beim letzten Spiel Sicherheit im Tor verliehen hat, war Jakob Odehnal. Der blieb bei seinem Debüt gleich ohne Gegentreffer. Wie haben Sie und das Team von dieser Umstellung im Tor erfahren und wie bewerten Sie das erste gemeinsame Spiel am Platz?

Wir haben das damals erst ein, zwei Tage vor dem Spiel erfahren. Es war eine Entscheidung, die der Trainer getroffen hat und hinter der wir auch alle gestanden sind. Wir haben versucht, Jakob so gut wie möglich zu unterstützen, weil ich schon glaube, dass etwas Nervosität bei ihm dabei war. Dadurch, dass er aber am Anfang gleich gefordert worden ist, hat sich das bei ihm schnell gelegt. Er hat dann ein gutes Spiel gemacht, auch wenn er nicht ganz so viel zu halten hatte, hat Ruhe ausgestrahlt und war auch mit dem Ball sehr ordentlich. Für das erste Spiel kann er da persönlich schon zufrieden sein.

Sie sind einer von zahlreichen Neuzugängen bei den Altachern im Sommer. Die Mannschaft hat sich im Vergleich zum Vorjahr doch etwas verändert. Wie weit sehen Sie das Team bereits eingespielt?

Ich würde sagen, dass wir in dieser Hinsicht gut dabei sind. Wir haben zwar schon viele verschiedene Spieler ausprobiert, aber ich denke, dass wir in verschiedenen Systemen und Konstellationen immer wieder ordentliche Partien abgeliefert haben. Es wird aber für die nächsten Spiele wichtig sein, dass wir noch mehr Konstanz reinkriegen, sprich unsere schwächeren Phasen ablegen, und dass wir unser Niveau so hochhalten, wie wir es jetzt auswärts gezeigt haben.

Die Niederlage im Derby gegen Lustenau mit dem späten Tor in der 90. Minute hat uns ein, zwei Wochen verfolgt.

Lukas Gugganig

Nach einem anfänglich guten Start, ist man in den vergangenen Wochen in eine Negativspirale gerutscht. Hat man nach dem 3:2-Sieg gegen die Austria geglaubt, schon weiter zu sein, als man es in Wahrheit war?

Das glaube ich gar nicht, weil bei aller Euphorie, die da entstanden ist, haben wir schon relativ normal weitergearbeitet und haben beim folgenden Spiel gegen Sturm Graz, das man zwar verlieren kann, dennoch über 60, 70 Minuten eine gute Partie abgeliefert. Die darauffolgende Niederlage im Derby gegen Lustenau mit dem späten Tor in der 90. Minute hat uns dann ein, zwei Wochen verfolgt, weil es sehr bitter war und wir kein gutes Spiel gemacht haben. Dieses Spiel war dann auch so ein wenig der Knackpunkt, gegen den LASK und bei der Admira haben wir in Folge verdient verloren, weil wir beide Male keine gute Leistung auf den Platz gebracht haben. Das hat uns sicherlich ein wenig verfolgt, aber wir haben seitdem konzentriert gearbeitet und haben auch gesagt, dass wir das Momentum wieder drehen wollen. Das 0:0 im Tirol war dabei der erste Schritt, den nächsten wollen wir zu Hause gegen Klagenfurt setzen.

Sie haben während Ihrer Zeit in Deutschland bei Osnabrück auch mit negativen Phasen zu tun gehabt. Die Saison ist zwar noch jung und die Tabellensituation eng, aber wie bringt man als erfahrener Spieler Ruhe in so eine Situation?

Klar, es sieht aktuell von der Platzierung und den Punkten nicht ganz so gut aus und es hätten schon deutlich mehr Zähler sein können, aber wir sind noch nicht in der Situation, wo man sich wirklich Gedanken über Abstiegskampf oder so etwas machen muss. Die Abstände in der Liga sind sehr gering und wir müssen einfach schauen, dass wir gegen Gegner auf Augenhöhe Spiele gewinnen und dann kann es in ein paar Wochen schon wieder ganz anders ausschauen. Bei dem Modus, den wir hier haben, bist du, wenn du es nicht unter die Top sechs schaffst, sowieso im Abstiegskampf. Deswegen glaube ich, dass wir uns zum aktuellen Zeitpunkt nicht jetzt schon große Gedanken darüber machen sollten, was dann passiert, wenn du bei den unteren sechs sein solltest.

Während der sportlich unruhigen Situation kündigte Sportdirektor Werner Grabherr, der Sie nach Altach gelotst hat, seinen Abschied an. Wie hat die Mannschaft diese Entscheidung aufgenommen?

Wir haben das relativ gut weggesteckt. Werner hat uns letzte Woche informiert, dass er den Schritt gehen wird, aber es hat für uns als Mannschaft keine große Auswirkung gehabt. Er ist zwar täglich bei uns dabei, aber er steht jetzt auch nicht mit uns am Platz. Von dem her war es zwar überraschend, aber es ist seine Entscheidung gewesen und die haben wir alle respektiert.

Den Schritt zurück nach Österreich haben Sie im Sommer gemacht. Warum war jetzt der Zeitpunkt reif für den Gang in die Heimat?

Ich habe einfach gute Gespräche mit Altach geführt und sie haben mich relativ schnell überzeugt, dass es für mich der richtige Schritt sein kann. Ich habe die Bundesliga immer verfolgt und ich denke, dass die Qualität in den letzten Jahren, wo ich weg war, schon sehr gestiegen ist und es mittlerweile auch kein Rückschritt mehr ist, aus der 2. deutschen Liga nach Österreich in die Bundesliga zu wechseln. Von dem her war es auch eine Entscheidung für eine andere Liga, wo ich bisher noch nicht gespielt habe und gar keine Entscheidung gegen Deutschland an sich. Ich hätte dort auch bleiben können, aber habe für mich die Entscheidung getroffen, dass Altach vom Gesamtpaket her die richtige Wahl ist.

Ich glaube, dass die 2. Bundesliga ganz genau meine Leistung widergespiegelt hat und für die erste Bundesliga hat es an manchen Stellen schon etwas gefehlt.

Lukas Gugganig

Wie stehen Sie rückblickend zu Ihrer damaligen Entscheidung, als junger Profi den Weg nach Deutschland eingeschlagen zu haben?

Grundsätzlich bin ich sehr zufrieden damit. Damals als ich nach Deutschland zum FSV Frankfurt gegangen bin, habe ich nicht wirklich gewusst, was auf mich zukommt. Das war schon extrem, wenn man das mitkriegt, wie es in den Stadien abläuft, wie viele Zuschauer und wie fußballbegeistert die Leute dort sind. Bei jedem Verein wo ich war, vor allem die letzten drei Jahre in Osnabrück, habe ich immer die richtige Entscheidung getroffen. Das hat für mich immer sehr gut gepasst und daher bin ich einverstanden damit, bei welchen Klubs ich war. Ich glaube, dass die 2. Bundesliga ganz genau meine Leistung widergespiegelt hat und für die erste Bundesliga hat es an manchen Stellen schon etwas gefehlt. Grundsätzlich bin ich mit meiner Zeit dort sehr zufrieden, weil ich immer bei guten Vereinen gespielt und super Leute kennengelernt habe.

Was haben Sie konkret in diesen Jahren lernen und mitnehmen können?

Man muss sich dort einfach beweisen. In Deutschland wird dir nichts geschenkt, gerade als Nicht-Deutscher sagt keiner: 'Ja, komm halt her, trainiere ein wenig und du wirst immer spielen.' Den Konkurrenzkampf musst du einfach annehmen und das habe ich auch immer gemacht und habe deshalb, wo ich war, auch immer meine Einsätze gehabt. Deswegen hat mich das professionelle Arbeiten dort schon weitergebracht. Da waren Sachen dabei, die ich aus meiner Jugend nicht gekannt habe und wo ich mich auch relativ schnell umstellen hab' müssen.

Im nächsten Heimspiel treffen Sie mit Ihrem Team auf Austria Klagenfurt. Ihr Trainer hat gemeint, dass drei Punkte das Ziel sind. Was wird es brauchen, um den zweiten Saisonsieg einzufahren?

Es wird genauso wie gegen Wattens darum gehen, dass wir wieder Stabilität im Spiel gegen den Ball haben und dass wir unsere Chancen nutzen. Wir haben jetzt zwei Riesenchancen gehabt und wenn wir diese oder sogar noch mehr bekommen, wäre es gut, wenn wir da ein bis zwei machen können. Wir müssen uns alle reinhauen, gemeinsam das Tor verteidigen und dann glaube ich, dass wir gegen diese Klagenfurter Mannschaft auf Augenhöhe sind.

Interview: Maximilian Augustin