Bundesliga

Günter ins DFB-Team? Streich: "Ich traue ihm alles zu"

Freiburger Linksverteidiger spielt in Löws Überlegungen eine Rolle

Günter ins DFB-Team? Streich: "Ich traue ihm alles zu"

Bald mit dem Adler auf der Brust? Freiburg-Kapitän Christian Günter.

Bald mit dem Adler auf der Brust? Freiburg-Kapitän Christian Günter. imago images

"Puh." Christian Streich atmet bei der Frage nach Günters Eignung für die DFB-Auswahl in der Pressekonferenz an diesem Freitag erst einmal durch. Dem Freiburger Trainer ist bewusst, dass seine Antwort genau unter die Lupe genommen wird. Man kann sich vorstellen, dass Streich vor den anstehenden Länderspielen Ende März verbal keinen Druck auf Bundestrainer Joachim Löw ausüben, gleichzeitig aber die Qualitäten und Vorzüge seiner langjährigen Stammkraft auf der linken defensiven Außenbahn betonen möchte.

Darauf legt der 55-Jährige dann auch den Fokus: "Christian ist schon so lange im Verein und hat noch mal eine Entwicklung gemacht. So wie er zuletzt gespielt hat, wie er sich oft präsentiert auf dem Platz und in Sachen Körperlichkeit - da hat er echt noch mal zulegt. Auch in der Ruhe am Ball, er hat schon viele Bundesliga-Spiele gemacht." 223 Einsätze sind inzwischen für den 27-Jährigen notiert, der im Dezember 2012 unter Streich in der deutschen Eliteklasse debütierte.

Streich über Günter: "Da hat er an sich gearbeitet"

Über die Jahre hat sich der schnelle Linksfüßer vor allem durch seine dynamischen Vorstöße einen Namen in der Liga gemacht. "Es ist für den Gegner nicht so einfach zu verteidigen", findet Streich und gerät allmählich ins Schwärmen über seine Nummer 30: "Defensiv ist es auch besser geworden, da hat er an sich gearbeitet. Er macht Dinge feiner, besser, in der Antizipation, im Eins-gegen-eins. Daher ist er ein toller Spieler für uns und ein super Typ für die Kabine. Er reflektiert sein Handeln, ist taktisch sehr beschlagen, denkt in vielen Sachen wie ein Trainer. Er ist ein super Kapitän." Streichs Schlussfolgerung: "Ich traue ihm alles zu." Also auch eine Rolle in der Nationalmannschaft. "Aber", stellt Streich klar: "Das muss dann halt einfach der Jogi entscheiden."

Das seien keine einfachen Entscheidungen, bei denen viele Überlegungen eine Rolle spielten: "Nimmst du den oder den dazu? Welche Rolle soll er in der Gruppe haben? Gibt es einen, der sich mehrere Spiele auf die Bank setzen würde und trotzdem gute Stimmung und die nötige Haltung verbreitet?" Darüber müssten insbesondere Nationaltrainer vor großen Turnieren nachdenken, in dem Fall also Löw und dessen Assistent Marcus Sorg, unter dem Streich in der Hinrunde 2011/12 als Co-Trainer gearbeitet hatte, bevor er kurz vor Jahresende nach Sorgs Entlassung zum Chefcoach befördert wurde.

"Wenn mich der Jogi anruft, kann ich ihm natürlich sagen, wie der Christian ist, aber er weiß es ja selber. Er hat den Christian schon so oft kicken gesehen, er sieht das ja", sagt Streich. Zuletzt saß Löw, der weiterhin ein Domizil nahe der Freiburger Stadtgrenze bewohnt, Anfang Februar beim 2:1-Sieg der Freiburger gegen Dortmund auf der Tribüne des Schwarzwald-Stadions. Im Mai 2014, wenige Tage nach Bundesliga-Ende, hatte Löw dem damals 21 Jahren alten Günter in Abwesenheit der allermeisten Stammkräfte, die wenig später Weltmeister wurden, im Testspiel gegen Polen seinen bisher einzigen Einsatz in der A-Nationalmannschaft ermöglicht.

Kommt es bald sieben Jahre später zum Comeback? Nicht auszuschließen, denn nach kicker-Informationen spielt der Name Günter in Löws Überlegungen zumindest eine Rolle. Gerade links hinten herrschte im DFB-Team zuletzt keine Beständigkeit. Unter anderem dafür steht Günter, bei dem derzeit im Vergleich zu anderen Linksverteidigern der Bundesliga mit 17 die wenigsten Minuten pro Flanke vergehen. Sollte das SC-Eigengewächs nun bei der letzten Gelegenheit vor der EM doch noch seine Chance bekommen, für die der 1,85-Meter-Mann mit zwei Toren und zehn Vorlagen als Scorer bereits in der Saison 2019/20 gute Argumente sammelte, würde es ihm Streich natürlich gönnen. Und formuliert bereits einen Wunsch für diesen Fall: "Er soll halt immer schön gesund zurückkommen und nicht zu müde. Wir brauchen ihn mit seiner Energie."

Carsten Schröter-Lorenz

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