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Gündogan über Position: "Keine Ahnung - ich weiß es nicht"

Wo sieht sich der ManCity-Profi im deutschen Mittelfeld?

Gündogan über Position: "Keine Ahnung - ich weiß es nicht"

Sechser, Achter oder Zehner? Auch Ilkay Gündogan ist sich da unschlüssig.

Sechser, Achter oder Zehner? Auch Ilkay Gündogan ist sich da unschlüssig. imago images

Nun blieb es still. Hatte Ilkay Gündogan (30) die Frage akustisch nicht verstanden? Ein kurzes Schmunzeln, Lächeln. Sechs Sekunden vergingen, ehe er die Antwort lieferte: "Keine Ahnung." Der kicker wollte vom 46-maligen deutschen Nationalspieler erfahren, wo er seine wahre Position sehe, als Sechser, Achter oder Zehner. Also im zentralen defensiven Mittelfeld, in der rechten oder linken Halbposition davor oder im vorderen Bereich hinter den Spitzen. "Ehrlich, ich weiß es nicht", sagte Gündogan noch einmal und führte nun aus: "Ich habe in den letzten zwei Jahren alle Positionen im Mittelfeld gespielt." Deshalb sei ihm natürlich die Verschiedenartigkeit der Aufgaben in den einzelnen Regionen bewusst, "dass man seine Rolle anders interpretieren und anpassen muss".

In seinem Klub Manchester City habe er die gesamte Runde 2020/21 als Achter oder Zehner Dienst getan, im wichtigsten Saisonspiel als Sechser. Seine genaue Statistik sieht so aus: In der Premier League begann er 17-mal im offensiven Zentralbereich, sechsmal im defensiven, dabei gelangen ihm 13 Tore. In der Champions League war er in neun Begegnungen in der mittigen Offensive unterwegs, dreimal im defensiven Zentralbereich, dreimal schoss er in diesem internationalen Wettbewerb den Ball ins gegnerische Tor.

"Es hängt immer vom Trainer ab"

Gündogan grübelt noch immer über seine Hauptrolle, erneut sagt er: "Ich weiß es nicht." Und: "Es hängt immer vom Trainer ab, was er verlangt." Grundsätzlich steht für ihn aber fest: "Egal, wo ich spiele, egal, ob ich spiele, ich versuche mein Bestes zu geben, damit die Mannschaft erfolgreich ist."

Gündogan war bei der offiziellen Eröffnung des DFB-Basislagers in Herzogenaurach ein guter, sympathischer Botschafter für die Nationalmannschaft. Zunächst lobte er dieses von adidas neu geschaffene Quartier in der nach oben offenen Behaglichkeitsskala als "fantastisch" oder "phänomenal". Bald betonte er die entscheidende Bedeutung des optimalen Teamgeists innerhalb einer Mannschaft.

Zwar verhehlte er zunächst nicht seine ihn noch immer beschwerende Enttäuschung über die zweite Champions-League-Finalniederlage seiner Karriere, 2013 mit Dortmund gegen die Bayern, jetzt mit ManCity gegen den FC Chelsea. Weil den Sieg der Blues aber die Nationalmannschaftskollegen Kai Havertz, Antonio Rüdiger und Timo Werner mitgestalten und mitfeiern durften, gab sich Gündogan als edler Verlierer, der den DFB-Mitspielern diesen Triumph sehr wohl gönnt.

Keine Minute 2012, 60 Minuten 2018

Diese Selbstlosigkeit leitet Gündogan auch im Wettstreit um einen Platz im deutschen Mittelfeld. Dort waren er und Toni Kroos im letzten EM-Test gegen Lettland auf der Doppelsechs unterwegs. Der Wohlfühlfaktor stimme bei ihm mit jedem Partner, ob dieser nun Kroos heißt, Joshua Kimmich, Leon Goretzka oder Florian Neuhaus, beteuerte Gündogan in unangestrengter Selbstverständlichkeit, "alle Jungs bringen Qualität mit". In der Kürze der Vorbereitungszeit sei es "das Wichtigste, sich bewusst zu machen, welche Rolle jeder Einzelne einnimmt".

Gündogan spricht aus Erfahrung, wenn er seine Turniervergangenheit mit wenigen Einsätzen anspricht: 60 Minuten bei der WM 2018 bei seiner einzigen Einwechslung gegen Schweden; 0 Minuten bei der EM 2012. Trotzdem habe er immer versucht, "bereit zu sein und das Beste daraus zu machen", betont die Nummer 21 im diesjährigen Kader. Diese mannschaftsdienliche Haltung hält er für "das Wichtigste" und den Schlüssel für Siege. DFB-Direktor Oliver Bierhoff kann bisher keinerlei Defizite beim respektvollen Umgang miteinander feststellen, "keine Grüppchenbildung, keine Konfliktfelder".

Es herrscht eitel Sonnenschein 25 Kilometer nördlich von Nürnberg, auch das Wetter bestätigt diese Idylle, die Wolken der Vortage sind aufgerissen, der Regen ist weg. Das erste Training in der neuen Heimat, wo sich Bierhoff einen möglichst langen Aufenthalt wünscht, findet an diesem Donnerstag am späten Nachmittag statt. Alle Spieler sind dabei und hinterher noch eingeladen zum virtuellen Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Karlheinz Wild

Vier Deutsche dabei: Alle EM-Torschützenkönige seit 1960